Gewurschtel am Babo

Das einzige Hochhaus in Baden Baden ist das „Babo“ (Bâtiment Administratif de Baden-Oos) in Baden-Oos. Entworfen hat das ehemalige Hauptquartier der Französischen Streitkräfte der Gaggenauer Architekt Karl Kohlbecker (1906-1982) gemeinsam mit Karlsiegfried Keppeler. Seit 1998 steht der elfgeschossige Stahlskelettbau mit Vorhangfassade unter Denkmalschutz – und seit 1999 leer, nachdem die Französischen Streitkräfte das Areal verlassen haben. Zwischenzeitlich gehörte das Babo einem Investor aus der Ukraine, der es zu einem Luxuswohnhaus umbauen lassen wollte. Nachdem dieser merkte, dass seine Pläne sehr arg mit dem Denkmalschutz und städtischen Auflagen kollidierten, passierte nichts mehr. Ende 2013 kam es zur Zwangsversteigerung des Objekts: Neuer Eigentümer wurde der türkische Investor Hüseyin Aydogan, der die Hotelplanungen wieder aufnahm und den Umbau großflächig ankündigte und 2017 zunächst unter Wohlwollen der Stadt startete. Passiert ist aber seither außer Entkernungsarbeiten und gelegentlicher Unkrautbeseitigung wenig Ernsthaftes. Der Erste Bürgermeister der Stadt, Alexander Uhlig (CDU), der Anfangs sehr angetan war, sagt mittlerweile ziemlich unverblümt, dass das Gebäude ist einem erbarmungswürdigen Zustand sei, der Investor habe es „total heruntergewirtschaftet“.

Jüngst erst hat die Gesellschaft für Stadterneuerung und Stadtentwicklung (GSE) dem Eigentümer ein Kaufangebot in Höhe von 1,5 Millionen Euro für das Babo unterbreitet – welches dieser abgelehnt hat. Mittlerweile wird immer offener von einem möglichen Abriss gesprochen. Dazu passt, dass ausgerechnet jetzt auch Meldungen über eine mögliche Asbestbelastung aufkommen. Und das könnte heikel werden, denn im Rathaus wird ohnehin beklagt, dass der Investor keine Fachfirmen beauftrage, sondern eine „Handlangertruppe“ einsetze und Kontakt mit ihm nur noch auf Verwaltungsebene möglich sei. „Wir arbeiten nur noch mit Verfügungen. Das ist die einzige Sprache, die er versteht“, so Alexander Uhlig, der der Meinung ist, Aydogan sei der falsche Eigentümer für dieses Gebäude: „Er kann es nicht“. Übrigens sind die Hotel-Pläne mittlerweile wieder gekippt, nun soll das bemitleidenswerte Babo wieder zum Wohnhaus umgestaltet werden. Mal sehen … (db, 9.5.21)