Karlsruhe: Wenig Transparenz zum Landratsamt?

„Mit Verwunderung nimmt die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild (ArKaS) zur Kenntnis, dass der Kreistag in seiner öffentlichen Sitzung am 7.11.2019 erneut mit einer Abstimmung seinen Beschluss vom 22.11.2018 sowie vom 24.01.2019 zum Abriss des Hochhauses am Ettlinger Tor bekräftigen soll.“ Mit diesen Worten meldet sich heute die ArKaS zu Wort. Hintergrund ist die Debatte um die Zukunft eines modernen Baudenkmals: des Karlsruher Landratsamts, des ehem. Badenwerk-Hochhauses (1961-65). Begleitet wird das Bauwerk mit Aluminium-Glas-Fassade von einem Kasino- und einem Langbau mit Betonwabenfenstern. Die Planung geht zurück auf die Architekten Norbert Schmid und Claus Möckel.

Am 7. November 2018 meldeten die „Badischen Neuesten Nachrichten“ eine bevorstehenden Sanierung des eingetragenen Kulturdenkmals für 100 Millionen Euro. Am folgenden Tag wurde in derselben Zeitung von Abbruch gesprochen, zugunsten eines Neubaus: Die Landesdenkmalpflege ziehe die Unterschutzstellung zurück, sollten Fassadenelemente erneuert werden. Noch immer warte die (ArKaS) auf eine Antwort des Petitionsausschusses auf die im Dezember 2018 eingereichte Erklärung, die mit Blick auf Denkmalpflege, Städtebau und Kostenbilanz für den Gebäudeerhalt plädiert. Eine besondere Brisanz liegt für die ArKaS darin: „Über den Abriss eines Kulturdenkmals kann ein Denkmaleigentümer grundsätzlich keinen eigenen Beschluss fassen“. Kurz: Der Kreistag muss erst die Voten von Petionsausschuss und Denkmalbehörde abwarten. (db/kb, 7.11.19)

Karlsruhe, Badenwerk-Hochhaus (Bilder: Gerhard Kabierske)

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Der Karlsruher Architekt Claus Möckel ist gestorben

Am 14. Oktober 2019 verstarb der Karlsruher Architekt Claus Möckel. 1921 in Berlin geboren, hatte er in dort mit dem Architekturstudium begonnen, dieses (vom Kriegsdienst unterbrochen) in Karlsruhe fortgesetzt und bei Egon Eiermann sein Diplom absolviert. Möckels Nachlass wird im saai, dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau am KIT aufbewahrt. Mit Blick auf sein einst wohl umstrittenstes und gerade abrissbedrohtes Werk betonte Möckel: „Das Badenwerk-Hochhaus ist bis heute ein sehr elegantes und schönes Gebäude.“

Möckel prägte in der Nachkriegszeit das Stadtbild Karlsruhes. So baute er in langjähriger Büropartnerschaft mit Norbert Schmidt zwischen 1960 und 1963 das Markgräfliche Palais am Rondellplatz wieder auf, leitete den Umbau des Fasanenschlösschens und des Kammertheaters sowie die Außensanierung des Karlsruher Schlosses. Industrielle Großprojekte wie die Hochbauten der Rhein-Staustufe Iffezheim oder das Rheinhafendampfkraftwerk gehören ebenso zu seinem Werk wie das heute abgerissene Haus der Friedrich-List-Schule am Ettlinger Tor in Karlsruhe. Mit Claus Möckel verliert die Architekturwelt einen Zeitzeugen der Nachkriegsarchitektur, der bis zum Ende seines langen Lebens einen wachen Blick auf die bauliche Entwicklung seines Umfelds hatte. (pl, 23.10.19)

oben: Karlsruhe, Badenwerk-Hochhaus (Bild: Gerhard Kabierske), unten: Claus Möckel im saai in Karlsruhe (Bild: Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild)

Karlsruhe im Rütteltest

In Karlsruhe hat die Fraktion „Die Grünen“ einen weitreichenden Antrag an die Stadt gestellt: Auf der einen Seite stehe der hohe Bedarf an Kultur-, Versammlungs- und Wohnraum. Auf der anderen Seite blieben den Kirchen immer öfter die Mitglieder weg und die Gottesdiensträume leer. Daher müsse die Stadt beide Seiten zusammenbringen: „Vielen Gemeinden fällt es allerdings schwerer, Teile ihrer Liegenschaften abzugegeben“, erklärten die Grünen gegenüber ka-news. Diese Hemmschwelle könne überwunden werden, wenn ein „konkreter gesellschaftlicher Zweck“ für solche Bauten aufgezeigt würde.

Die Stadt Karlsruhe verweist darauf, dass sie bereits regelmäßig Gespräche mit den Kirchenvertretern führe, ob und wenn ja wo Räume abgetreten werden könnten. Es gebe erste Listen möglicher Flächen, doch die beiden großen Konfessionen zögen nur „soziale Zwecke und den sozialen Wohnungsbau“ in Betracht. Da haben also die einen zu viel, die anderen zu wenig Raum – ideale Voraussetzung für den Erhalt moderner Kirchenbauten? Die Militärkirche (1951) etwa, die ab den 1990er Jahren von verschiedenen religösen Gemeinschaften zwischengenutzt worden war, soll neuen Wohnbauten weichen. Und bei der Zusammenlegung von Petrus- und Jakobuskirche (1961 bzw. 1970) ging es nach dem Prinzip: aus zwei mach eins (zwei Abrisse, ein Neubau). Das scheint weder substanz-, noch umweltschonend. (kb, 11.1.19)

Karlsruhe, Militärkirche (Bild: Harald Kucharek, CC BY SA 2.0, 2011)