Pforzheims Nachkriegsmoderne

Die Innenstadt von Pforzheim in Baden-Württemberg wurde im Februar 1945 bei einem Bombenangriff fast völlig zerstört. Wie in vielen anderen deutschen Städten sahen Planer dies nach Kriegsende als Chance, auf Basis einer tabula rasa ein neues städtebauliches Leitbild umzusetzen: Pforzheim wurde als autogerechte Stadt wiederaufgebaut. Die Ausstellung “Sie bauten eine neue Stadt” beleuchtet diesen Wiederaufbau bis zum 21. Februar 2016 im Stadtmuseum Pforzheim.

Der Wiederaufbau Pforzheims verlief trotz dem prinzipiellen Ziel der autogerechten Stadt keineswegs linear. Zum 70. Jahrestag der Bombardierung beleuchtet die Ausstellung daher nicht nur historische städtebauliche Konzepte und Prozesse. Sie fragt auch nach der damit einhergehenden Suche nach einer städtischen Identität, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Die Schau wird bis zum 31. Juli 2015 durch eine kleinere Fotoausstellung im benachbarten Karlsruhe flankiert. Im Alina café (Alter Schlachthof 39,76131 Karlsruhe) präsentieren unter dem Titel “Stadtfotografie. Architektur anders sehen. Neue Blickwinkel auf Pforzheim” Studenten des Karlsruher Instituts für Technologie ihren Blick auf die Pforzheimer Innenstadt. (jr, 25.7.15)

Pforzheim wurde nach dem Krieg als autogerechte Stadt angelegt (Bild: Nodbadenser, CC-BY-SA 3.0)

Das Bundesverfassungsgericht

Das Bundesverfassungsgericht (Bild: Jovis)
Zur Architektur des Bundesverfassungsgerichts ist im Jovis-Verlag eine neue Publikation erschienen (Bild: Jovis)

Als der Umzug nach Bayern drohte, wurde neu gebaut: Das Bundesverfassungsgericht war in Karlsruhe die ersten Jahre in einer historistischen Stadtvilla untergebracht. Doch um 1960 brauchte es mehr Platz – und München kam als neuer Standort ins Gespräch. Schließlich wurde dann doch im Karlsruher Schlosspark neu gebaut. Das Ergebnis ist – durch zahlreiche fernsehrelevante Urteile – wohl einer der bekanntesten modernen Bauten der Bonner Republik.

Das 1965-69 von Paul Baumgarten (1900-84) gestaltete Gebäude vertrat die junge Demokratie wirkungsvoll durch moderne transparente Formen. Nach einer umfassenden Sanierung des Baukunstwerks tagt das höchste deutsche Gericht wieder in den modernen Räumen. Das Buch – herausgegeben vom Architekturkritiker Falk Jaeger – umreißt die Baugeschichte, berichtet aber auch von der Geschichte und Arbeit des Gerichts. Zudem wird die jüngste Sanierung in vielen Details vorgestellt. (kb, 26.11.14)

Jaeger, Falk (Hg.), Transparenz und Würde. Das Bundesverfassungsgericht und seine Architektur, hg. vom Bundesverfassungsgericht und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Jovis-Verlag, 2014, 176 Seiten, ca. 250 Farb- Abbildungen, 24 x 30 cm, deutsch: ISBN 978-3-86859-286-3, englisch: ISBN 978-3-86859-340-2.

Beuys Brock Vostell

Es waren die Jahre, als die Kunst aus den Salons und Bilderrahmen in den öffentlichen Raum eindrang. In Karlsruhe zeigt das ZKM bis zum 9. November 2014 erstmals die drei prägenden Aktionskünstler der deutschen Nachkriegsmoderne Joseph Beuys, Bazon Brock und Wolf Vostell gemeinsam in einer Schau. Die drei Freunde verbanden auch ähnliche Vor- und Fragestellungen: Eine Skulptur entsteht, indem man das Publikum einbezieht. Es gilt, sich dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen zu stellen. Und Ziel jeder Kunst und Lehre ist die radikale Emanzipation des Individuums.

Begleitend zur Ausstellung “Beuys Brock Vostell” findet vom 27. auf den 28. Juni das Symposion “Beuys Brock Vostell – frühe Positionen der Performitivität” statt. Wie lassen sich diese performativen Ausdrucksformen museal beschreiben, dokumentieren und präsentieren? Die Beiträge von Siegfried Zielinski, Ursula Frohne und Christian Katti, Sven Lindholm, Petra Maria Meyer, Monika Schmitz-Emans, Christoph Zeller und Ulf Jensen suchen hierzu nach Antworten im Werk dieser drei bedeutenden Künstler der Nachkriegsmoderne. (kb, 12.6.14)

Vor dem Kasseler Fridericianum plfanzte Beuys die erste seiner 7.000 Eichen (Bild: Husky)