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Kassel-Wilhelmshöhe: Freibad bleibt

Kassel, Freibad Wilhelmshöhe (Bild: Gelehrter2000, CC BY SA 4.0)
Gerade 80 Jahre alt geworden: das Traditionsbad in Kassel-Wilhelmshöhe (Bild: Gelehrter2000, CC BY SA 4.0)

„In diesem Traditionsbad haben ganze Generationen den Sommer verbracht und schwimmen gelernt.“ Das Freibad Wilhelmshöhe, verkehrsgünstig am grünen Rand der Stadt Kassel gelegen, wirbt seiner 80-jährigen Vergangenheit. Natürlich gibt es da auch das „Schwimmerbecken mit integriertem Nichtschwimmerteil“ von stolzen 50 Metern Länge, ein Kinderbecken, Spielgeräte – und natürlich eine Pommesbude.

Noch vor kurzem drohte dem Freibad die Schließung, die Stadt Kassel muss sparen und sah keine Möglichkeiten, die anstehende Sanierung der Anlage zu finanzieren. Doch es regte sich Bürgerprotest. Schließlich sei das Freibad inzwischen historisch, mit der eigenen Jugend eng verbunden – und überhaupt müsse sich die Jugend heute auch wieder mehr bewegen. Mit Aktionen wie „Sponsorenschwimmen“, „Nochdsee-Lust“ zum Jubiläum und retroverdächtigem Jazz am Schwimmbecken will man auch Hippster anziehen. Mit Erfolg, 2015 kamen schon 50.000 Besucher und bis Saisonende sollen es 70.000 werden. Damit ließ sich auch die Politik überzeugen: einigte sich: Das Freibad soll 2016 saniert werden, der Förderverein finanziert die neue Rutsche. Ab Sommer 2017 gibt es dann wieder Pommes neben dem Becken. (kb, 27.8.15)

Vom Kino zum Bio-Supermarkt

Kassel, Kaskade-Kino, Deckenverkleidung (Bild: C. Vittoratos)
Deckenverkleidung im Kasseler Kaskade-Kino (Bild: C. Vittoratos)

Das vom Architekten Paul Bode (1903-78) entworfene, 1952 eröffnete Kino Kaskade am Kasseler Königsplatz wird demnächst mit neuer Nutzung wiedereröffnet. Prägend für den Filmpalast waren bei der Eröffnung neben der vergoldeten Decke insbesondere die Wasserspiele: Zu Beginn jeder Vorstellung setzten sie einen modernen Akzent und gaben dem Haus seinen Namen gaben.

Der vergleichbare Berliner Zoopalast konnte 2013 nach umfangreicher Instandsetzung wiedereröffnet werden und zeigt im großen Saal wieder die traditionsreichen Wasserspiele. Der denkmalgeschützte, seit 2000 nicht mehr genutzte Kasseler Kinosaal jedoch wird derzeit zum Einzelhandelsgeschäft umgebaut – ein herber Verlust für all jene, die historische Filmpaläste lieben. Erhalten werden sollen neben der Decke einzelne Kinosessel sowie die nicht mehr funktionsfähige Wasser- und Lichtspieltechnik, eine Wasserorgel nach Entwurf von Otto Prystawik. Man darf gespannt sein, wie diese historischen Elemente in dem voraussichtlich Bio-Supermarkt zur Geltung kommen, der im Dezember 2014 eröffnet werden soll. (tw, 21.10.14)

Der Erste Weltkrieg als Zäsur?

Hamburg-Ohlsdorf, Krematorium (Fritz Schumacher, 1932) (Bild: Wmeinhart)
Hamburg-Ohlsdorf, Krematorium (F. Schumacher, 1932) (Bild: Wmeinhart)

Der Krieg habe ihn eine „neue Sprache“ gelehrt, so der Hamburger Baudirektor Fritz Schumacher (1869-1947). Die Rede ist vom Ersten Weltkrieg: Er zerstörte ganze Städte, aber prägte – glaubt man Schumacher, zugleich das auf ihn folgende Bauen. Wie haben Städtebauer, Architekten, Gartenarchitekten und Freiraumplaner den Krieg erlebt? Wie haben sie danach ihre Arbeit getan? Diesen Fragen geht vom 16. auf den 17. Oktober in Kassel die Tagung „Der Erste Weltkrieg als Zäsur? Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Architektur, Stadt- und Freiraumplanung“ nach.

In Kassel widmen sich die Vorträge der ganzen Bandbreite des Planens und Bauens: von der Stadt über das Gebäude bis zum öffentlichen Raum. Veranstaltet wird die Konferenz vom Fachgebiet Freiraumplanung der Universität Kassel (Gießhaus/Mönchebergstraße 5) in Zusammenarbeit mit dem Center for Metropolitan Studies der TU Berlin und dem DFG-geförderten International Graduate Program „Die Welt in der Stadt: Metropolitanität und Globalisierung vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart“. Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei, eine Anmeldung jedoch erforderlich bis 10. September 2014 unter: ckremer@uni-kassel.de. (kgb, 21.8.14)

Curry-Kiosk für Kassel

Kassel, Kiosk am Bahnhof (Bild: T. Wolf)
Im September zieht in den elegant geschwungenen Kiosk wieder Leben ein (Bild: T. Wolf)

Das (nachkriegs)moderne Kassel findet immer mehr Freunde. Über die Documenta-Schau und die Treppenstraße hinaus sind es gerade die kleinen Zeitzeugen, die den Retro-Charme der Stadt prägen. Dazu zählen auch die elegant geschwungenen Kioske, die das Hochbauamt in den 1950er Jahren über Kassel verteilte. Nur wenige sind übrig geblieben und die meisten stehen leer.

Nicht so am Kulturbahnhof: Der denkmalgeschützte Kiosk am Hauptbahnhof soll nun instandgesetzt und als Currywurst-Bude genutzt werden. Entworfen wurde der Verkaufsstand für Obst- und Süßwaren 1956 vom Kasseler Architekten Kurt Twelker (1909-2000). Bis heute besticht seine Nierentischform – vom Grundriss über das Flugdach bis zu den originalen Gläsern in filigranen Metallprofilen. Diese Details sollen erhalten und die ursprüngliche Farbigkeit wiederhergestellt werden. Ab September 2014 will der Kasseler Gastronomen Oliver Bertram hier die ersten Currywürste anbieten – ein Grund mehr für einen Ausflug nach Nordhessen. (tw, 8.8.14)

Kassel, Eckis Videothek (Bild: Randfilm e. V.)

Rettet die „älteste Videothek der Welt“

Das Guiness-Buch der Rekorde ist sich sicher: Dieser Kasseler Film-Shop ist „die älteste Videothek der Welt“. Hier ging bei Eckhard „Ecki“ Baum 1975 der erste Verleihfilm über die Theke. Danach ist quasi eine ganze Generation von Filmfans in der Videothek aufgewachsen. Über 20.000 Titel umfasst Eckis Filmarchiv, davon sind viele weder als Internet-Download noch im Stream, manche noch nicht einmal auf DVD verfügbar. Am 1. September 2017 soll in Kassel der Ausverkauf beginnen, am 31. Oktober wäre dann endgültig Schluss. Inhaber Eckhard Baum geht in Rente. Doch was wird dann aus seiner Videothek?

 

Eine Heimat für Filmliebhaber

Zu Beginn hieß das Projekt von Eckhard Baum „Videotheke“, weil hier die Filme über den Thresen gingen wie Bier in einer Kneipe. Eigentlich war der gelernte Schriftsetzer leidenschaftlicher Super-8-Sammler. Also verlieh er zunehmend auch an Interessierte, gegen Gebühr. Als der Laden wider Erwarten bestens lief, zog Baum vom Wolfanger in die Erzberger Straße. Rasch eröffneten „Nachahmer“ ähliche Shops und nannten sie „Videothek“ – ohne „e“, man wollte ja keine eventuellen Namensrechte verletzen. Im Interview mit dem Literaturhaus Hessen zeigte sich Baum gelassen. Ob er denn wirklich der erste Mensch mit dieser Idee gewesen sei? „Ja! Ja … irgendeiner muss es ja sein, oder?“

Bis vor wenigen Jahren führte Baum auch eine Agentur. Hier hatte er Schauspieler wie Zachi Novy unter Vertrag, besser bekannt als der (sorry) „Dicke“ aus der Filmserie „Eis am Stiel“. Und er richtete Musikveranstaltungen aus, holte z. B. Fats Domino nach Kassel. Zuletzt betrieb Baum die Videothek nur noch als Hobby, der große Boom seines Genres hatte sich längst zugunsten von Kino und Internet aufgelöst. Doch aufgeben wollte er lange nicht, war sein Laden doch für ihn ein Stück Kulturerbe. Inzwischen war er selbst zur Kultfigur geworden: Der Regisseur Olaf Saumer widmete ihm den Dokumentarfilm „Eckis Welt“.

 

Promis trommeln für Eckis Videothek

Nun steht Eckis Welt vor der Nachfolgefrage. Engagierte Filmfans will mit der Kasseler Videothek ein Stück wertvoller Zeit- und Kulturgeschichte vor dem Verschwinden retten: Randfilm e. V., ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der abseitigen Filmkultur, der u. a. seit 2014 jährlich das Randfilmfest organisiert. Eckis Videothek soll weiterleben als gemeinnützige kulturelle Begegnungsstätte mit Cafe, Veranstaltungsort, Museum und Verleihstätte. Hierfür will Randiflm ganz konkret Mietvertrag, Ladenlokal und Bestand übernehmen und um Gastronomie, Veranstaltungs- und Screeningraum sowie ein Videothekenmuseum erweitern.

Per Crowdfunding wollen die Engagierten dafür 29.000 Euro zusammensammeln. Die Beträge können von 5 bis 1.500 Euro gestaffelt werden, die „Dankeschöns“ reichen vom Zachi-Noy-Autogramm bis zum exklusiven Randfilmfest-Wochenende. Die Teilnahme ist noch bis zum 14. September 2017 möglich. Sie wären damit in guter Gesellschaft, finden doch im Videoshop schon erste Kulturevents statt. Künstler wie Dominik Graf, Jörg Buttgereit, Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Wolfgang M. Schmitt jr. oder Casio Rakete unterstützen das Engagement von Randfilm für den Videoshop – und das Gesangs- und Klavierduo „Pfeffer und Likör“ gab eigens ein Konzert zwischen den Filmregalen. (kb, 23.8.17)

Kassel, Eckis Videothek (Bild: Randfilm e. V.)

 

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Crowdfunding-Aufruf

Homepage der Initiative Randfilm e. V.