Kassel: 75 Jahre Wiederaufbau

Der 75. Gedenktag der Bombardierung Kassels ist für den dortigen Fachbereich Architektur Stadtplanung Landschaftsplanung der Anlass, um auf die seitdem geführten Diskussionen über den Wiederaufbau zurückzublicken. Gefragt wird nach dem heutigen Stand und der künftigen Entwicklungsfähigkeit wiederaufgebauter Städte wie Kassel. Ziel ist es, auf „das Weiterbauen der Stadt des Wiederaufbaus“ zu schauen. In den Blick kommen vor allem Veränderungen, die städtebauliche Strukturen der Nachkriegszeit in den vergangenen Jahren erfahren haben.

Gesucht werden Beiträge zur für den 22. bis 23. Oktober 2018 geplanten Tagung „75 Jahre Auf- und Weiterbauen in Kassel: Wie entwicklungsfähig ist die wiederaufgebaute Stadt?“. Die Themen sollen entweder direkt die Stadt Kassel oder Räume bzw. Probleme behandeln, die für Kassel fruchtbar gemacht werden können. Die Einsendungen sind willkommen aus der Stadt- und Freiraumplanung, Architektur, Verkehrsplanung, Denkmalpflege, Stadtkultur und Stadtidentität – solange sie gesellschaftliche, kulturelle oder politische Fragen anhand ihrer Spuren im Stadtraum entfalten. Bis zum 30. Mai können an hennecke@uni-kassel gesendet werden: Abstract (max. 2 Seiten, 12pt, 1,5 Zeilenabstand), kurzer Lebenslauf als Fließtext (ca. 10 Zeilen), vollständige Mail- und Postadresse. (kb, 7.5.18)

Kassel, untere Königsstraße im April 1945 (Bild: PD)

Kassel: Wohnhochhaus in Gefahr

In den 1950er Jahren schwang sich die im Krieg stark zerstörte Stadt Kassel mit einem ehrgeizigen Bauprogramm auf, zu einer der modernsten Städte der Bundesrepublik zu werden. Mit der 1953 fertig gestellten Treppenstraße verfügte sie über die erste Fußgängerzone des Landes, im selben Jahr wurde das erste Wohnhochhaus Kassels bezugsfertig. Eben dieser Bau steht nun vor dem Aus: Nach Informationen der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen beantragte der Inhaber kürzlich den Abriss.

Das Hochhaus in der Sophienstraße wurde nach Plänen Paul Bodes errichtet. Es steht exemplarisch für die Kasselaner Nachkriegsmoderne und dementsprechend unter Denkmalschutz. Eine Sanierung sei aber unwirtschaftlich, argumentiert der Eigentümer, die Kommunale Versorgungskassen Kurhessen-Waldeck (KVK). Unter anderem müsste das Haus aktuellen Brandschutzvorschriften angepasst und eine Betonsanierung durchgeführt werden. Noch ist es bewohnt, nach Plänen der KVK sollen die letzten Mieter das Haus aber im August verlassen haben. Wie es dann weitergeht, ist ungewiss: Die Stadt hat sich noch nicht zum Abrissantrag geäußert. (jr, 22.2.18)

Hochhaus Sophienstrasse Kassel (Bild: Dietmar Walberg, CC B YSA 3.0 Detail)

Mim Radl da

Im Frühjahr hatten sich zwei Hessen in Athen auf den Weg gemacht, um mit dem Fahrrad pünktlich bis zur Eröffnung der documenta 14 im heimischen Kassel zu sein. Hat geklappt. Und hat Spaß gemacht, sagen sie. Wer es etwas kürzer mag, kann die inzwischen eröffnete documenta auf eigene Faust mit dem Rad erkunden. Auf der Plattform „komoot.de“ findet sich ein Tourenvorschlag: Knapp drei Stunden in die Pedale treten und Sie können beim nächsten Sonntagsbrunch mitreden! Komfortabler geht es auf der Plattform „koelnarchitektur.de“ (hier bietet man regelmäßig auch Architektur-Fahrradtouren an) auf Anfrage: Neben „Archipedes“ führt man hier auch per „Architaxi“, „Archiboot“ oder „Archiheli“ zur modernen Baukunst der Rheinmetropole.

Wer sich als marodierender Einzelradler versuchen möchte, dem hilft das Netzwerk der Radwegekirchen. Die Initiative „Freizeit und Tourismus“ präsentiert sehenswerte Ziele, unter denen auch die Moderne nicht zu kurz kommt: von der Ewigkeitskirche (1965, Franz Lichtblau) im bayerischen Übersee bis zur Berliner Kapelle der Versöhnung (2000, Rudolf Reitermann/Peter Sassenroth ). Besonders charmant ist das verschwisterte Netzwerk in der Schweiz. Hier warten unter den „Velowegekirchen“ auch moderne Schönheiten wie die Kirche Sonnenfeld (1960, Max Schär/Rudolf Steiner) in Steffisburg. (kb, 30.6.17)

Josph Beuys mit Fahrrad auf den Stufen des Düsseldorfer Schlossturms (Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf, 8SL 046 (Bildarchiv), 019_0073)