Vom Kino zum Bio-Supermarkt

Kassel, Kaskade-Kino, Deckenverkleidung (Bild: C. Vittoratos)
Deckenverkleidung im Kasseler Kaskade-Kino (Bild: C. Vittoratos)

Das vom Architekten Paul Bode (1903-78) entworfene, 1952 eröffnete Kino Kaskade am Kasseler Königsplatz wird demnächst mit neuer Nutzung wiedereröffnet. Prägend für den Filmpalast waren bei der Eröffnung neben der vergoldeten Decke insbesondere die Wasserspiele: Zu Beginn jeder Vorstellung setzten sie einen modernen Akzent und gaben dem Haus seinen Namen gaben.

Der vergleichbare Berliner Zoopalast konnte 2013 nach umfangreicher Instandsetzung wiedereröffnet werden und zeigt im großen Saal wieder die traditionsreichen Wasserspiele. Der denkmalgeschützte, seit 2000 nicht mehr genutzte Kasseler Kinosaal jedoch wird derzeit zum Einzelhandelsgeschäft umgebaut – ein herber Verlust für all jene, die historische Filmpaläste lieben. Erhalten werden sollen neben der Decke einzelne Kinosessel sowie die nicht mehr funktionsfähige Wasser- und Lichtspieltechnik, eine Wasserorgel nach Entwurf von Otto Prystawik. Man darf gespannt sein, wie diese historischen Elemente in dem voraussichtlich Bio-Supermarkt zur Geltung kommen, der im Dezember 2014 eröffnet werden soll. (tw, 21.10.14)

Der Erste Weltkrieg als Zäsur?

Der Krieg habe ihn eine “neue Sprache” gelehrt, so der Hamburger Baudirektor Fritz Schumacher (1869-1947). Die Rede ist vom Ersten Weltkrieg: Er zerstörte ganze Städte, aber prägte – glaubt man Schumacher, zugleich das auf ihn folgende Bauen. Wie haben Städtebauer, Architekten, Gartenarchitekten und Freiraumplaner den Krieg erlebt? Wie haben sie danach ihre Arbeit getan? Diesen Fragen geht vom 16. auf den 17. Oktober in Kassel die Tagung “Der Erste Weltkrieg als Zäsur? Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Architektur, Stadt- und Freiraumplanung” nach.

In Kassel widmen sich die Vorträge der ganzen Bandbreite des Planens und Bauens: von der Stadt über das Gebäude bis zum öffentlichen Raum. Veranstaltet wird die Konferenz vom Fachgebiet Freiraumplanung der Universität Kassel (Gießhaus/Mönchebergstraße 5) in Zusammenarbeit mit dem Center for Metropolitan Studies der TU Berlin und dem DFG-geförderten International Graduate Program “Die Welt in der Stadt: Metropolitanität und Globalisierung vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart”. Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei, eine Anmeldung jedoch erforderlich bis 10. September 2014 unter: ckremer@uni-kassel.de. (kb, 21.8.14)

Hamburg-Ohlsdorf, Krematorium (F. Schumacher, 1932) (Bild: Wmeinhart)

Curry-Kiosk für Kassel

Das (nachkriegs)moderne Kassel findet immer mehr Freunde. Über die Documenta-Schau und die Treppenstraße hinaus sind es gerade die kleinen Zeitzeugen, die den Retro-Charme der Stadt prägen. Dazu zählen auch die elegant geschwungenen Kioske, die das Hochbauamt in den 1950er Jahren über Kassel verteilte. Nur wenige sind übrig geblieben und die meisten stehen leer.

Nicht so am Kulturbahnhof: Der denkmalgeschützte Kiosk am Hauptbahnhof soll nun instandgesetzt und als Currywurst-Bude genutzt werden. Entworfen wurde der Verkaufsstand für Obst- und Süßwaren 1956 vom Kasseler Architekten Kurt Twelker (1909-2000). Bis heute besticht seine Nierentischform – vom Grundriss über das Flugdach bis zu den originalen Gläsern in filigranen Metallprofilen. Diese Details sollen erhalten und die ursprüngliche Farbigkeit wiederhergestellt werden. Ab September 2014 will der Kasseler Gastronomen Oliver Bertram hier die ersten Currywürste anbieten – ein Grund mehr für einen Ausflug nach Nordhessen. (tw, 8.8.14)

Im September zieht in den elegant geschwungenen Kiosk wieder Leben ein (Bild: T. Wolf)