Lust auf Wabe

Mit “Lust for life” bringen die Meisten wohl den bekannten Song des Proto-Punks Iggy Pop in Verbindung. Doch unter diesem Namen hat die ins Schlingern geratene Galeria-Kaufhof-Gruppe 1998 eine Tochtermarke für ein jugendliches Publikum gegründet. In Aachen und Hamburg wurden Kaufhof-Häuser umgewidmet, um “Trendiges flippig” (O-Ton) anzubieten. In Hamburg war nach zwei Jahren wieder Schluss, Aachen hielt 19 Jahre durch, ehe das “Lust for Life” 2017 sein Domizil räumen musste und in die Kaufhof-Filliale in der Adalbertstraße integriert wurde. Das bisherige Gebäude in der Komphausbadstraße hatte man bereits 2014 verkauft. Besitzer ist seiher der Investor Landmarken AG, der von Anfang an einen Umbau für neue Nutzer plante. Diese zu finden, war nicht so einfach, die Textilkette Sinn hatte zwischenzeitich eine Absage erteilt, ebenso jüngst ein ungenannter Ankermieter, der mehrere Etagen beziehen wollte. Dennoch ergreift die Landmarken AG nun nach Zwischennutzungen die Initiative und startet mit dem Umbau des über 60 Jahre alten Bestandsgebäudes.

Hierbei wird eine der frühen, selten gewordenen Horten-Wabenfassaden im Schutt landen. Und zwar nicht die typische, auf Egon Eiermann zurückgehende “Kachel” , sondern die 1958 etablierte Urform von Harald Loebermann und Helmut Rhode, die erstmals in Duisburg am Merkur/Horten-Kaufhaus zum Einsatz kam (die Horten-Häuser wurden 1994 von Kaufhof übernommen, so kam es zum doppelten Standort in Aachen). Nach einer Sanierung 1998 blieb das Gebäude von 1957 noch weitgehend erkennbar, dieses Mal wird es sich ändern: Das beauftragte Büro kadawittfeldarchitektur plant eine loftartige Umgestaltung in Retro-Anmutung. Ein Detail, das weit älter als der Kaufhausbau ist, bleibt indes bestehen: Im Keller ist die denkmalgeschützte Rosenquelle verborgen. Sie war ab 1632 für das historische Stadtbad genutzt worden und versorgt heute die Carolus-Thermen mit 45 Grad warmen Wasser. Die Architekten des “Lust-for-Life”-Umbaus überlegen jetzt, wie man den Energieüberschuss der Quelle fürs hauseigene Klimasystem nutzen kann. (db, 18.5.21)

Neu in der Amsterdamer Schule

Wer in den Niederlanden shoppen ging, ging zu Vroom und Dreesmann. Ende 2015 musste die 1887 geründete Kette schließen und hinterließ überall im Land verwaiste, mehrheitlich historische Gebäude. Die Filliale in Amsterdam ist nun von Office Winhov (Amsterdam) zu einem Bürohaus mit Gewerbeeinheiten umgestaltet worden. Dabei kamen die zahllosen Zeitschichten des Gebäudes am Kanal Rokin zum Vorschein: Der historistische Ursprungsbau wurde 1912 nach Plänen des Architekten Francois Caron errichtet. Bereits 1930 erfolgte eine tiefgreifende Umgestaltung im Stile der Amsterdamer Schule durch den V&R-Hausarchitekten Jan Kujt. Aus dieser Zeit stammt auch die großflächige Glasfront. Durch spätere Umbauten war diese Fassade jedoch selbst weitgehend verschwunden.

Office Winhov haben nun die Gestaltung der 1930er zurückgeholt, setzten unter anderem die Verglasung wieder ein. Daneben integrierten sie die restaurierten, rechts angrenzenden Kontorhäuser aus dem 18. Jahrhundert durch eine gläserne Zwischenkonstruktion. In den oberen Etagen, in denen einst die Verwaltung saß, finden sich jetzt großzügige Büros. Deren Mittelpunkt bildet das Atrium von 1912, ausgestattet mit einem neuen Oberlicht. Erdgeschoss, Untergeschoss und der erste Stock sind weiterhin Geschäftsflächen, statt eines Kaufhauses finden sich nun aber kleinteilige Flächen für den Einzelhandel. Und nun ein mR-Reisetipp: Das spektakulärste V&D-Kaufhaus, 1930-34 ebenfalls nach Entwurf von Jan Kujt gebaut, steht in Haarlem. (db, 10.2.20)

Amsterdam, Ex-V&D (Bild: Eric Swierstra, CC BY-SA 4.0)

Kaufhof Landau soll fallen

Die Lösung klingt ein wenig nach Immobilienkonzepten der 1990er: Verkaufen, abreißen, neu bauen, wieder einmieten. So, oder so ähnlich, könnte es für den Kaufhof in Landau aussehen. Das Warenhaus zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt wurde 1964 eröffnet. In dieser städtebaulich prominenten Lage staffeln sich scharfgeschnittene Quader empor zu einem markten Eckgebäude. Die Glasfassaden folgen dem fortschrittsverheißenden internationalen Stil.

Am 9. August erläuterte der Projektentwickler ehret + klein , der das Kaufhofgebäude zusammen mit dem Nachbargrundstück erst im Januar 2018 erworben hat, seine Pläne für das Areal. Für Ende diesen Monats ist ein Workshop mit Bürgerbeteiligung vorgesehen, im Anschluss bis Februar 2019 ein Architektenwettbewerb mit fünf Büros. 2023 sollen Abriss und Neubau abgeschlossen sein – rechtzeitig zum 2024 anstehenden 750-jährigen Stadtjubiläum. Die Projektentwickler hoffen, dass auch der Kaufhof, dessen Mietvertrag noch bis 2021 besteht, zu den Nutzern des Neubaus zählen wird. (kb, 13.8.18)

Landau, Kaufhof (Bild: Postkarte, Cramers Kunstanstalt, 1965)