Neu in der Amsterdamer Schule

Wer in den Niederlanden shoppen ging, ging zu Vroom und Dreesmann. Ende 2015 musste die 1887 geründete Kette schließen und hinterließ überall im Land verwaiste, mehrheitlich historische Gebäude. Die Filliale in Amsterdam ist nun von Office Winhov (Amsterdam) zu einem Bürohaus mit Gewerbeeinheiten umgestaltet worden. Dabei kamen die zahllosen Zeitschichten des Gebäudes am Kanal Rokin zum Vorschein: Der historistische Ursprungsbau wurde 1912 nach Plänen des Architekten Francois Caron errichtet. Bereits 1930 erfolgte eine tiefgreifende Umgestaltung im Stile der Amsterdamer Schule durch den V&R-Hausarchitekten Jan Kujt. Aus dieser Zeit stammt auch die großflächige Glasfront. Durch spätere Umbauten war diese Fassade jedoch selbst weitgehend verschwunden.

Office Winhov haben nun die Gestaltung der 1930er zurückgeholt, setzten unter anderem die Verglasung wieder ein. Daneben integrierten sie die restaurierten, rechts angrenzenden Kontorhäuser aus dem 18. Jahrhundert durch eine gläserne Zwischenkonstruktion. In den oberen Etagen, in denen einst die Verwaltung saß, finden sich jetzt großzügige Büros. Deren Mittelpunkt bildet das Atrium von 1912, ausgestattet mit einem neuen Oberlicht. Erdgeschoss, Untergeschoss und der erste Stock sind weiterhin Geschäftsflächen, statt eines Kaufhauses finden sich nun aber kleinteilige Flächen für den Einzelhandel. Und nun ein mR-Reisetipp: Das spektakulärste V&D-Kaufhaus, 1930-34 ebenfalls nach Entwurf von Jan Kujt gebaut, steht in Haarlem. (db, 10.2.20)

Amsterdam, Ex-V&D (Bild: Eric Swierstra, CC BY-SA 4.0)

Kaufhof Landau soll fallen

Die Lösung klingt ein wenig nach Immobilienkonzepten der 1990er: Verkaufen, abreißen, neu bauen, wieder einmieten. So, oder so ähnlich, könnte es für den Kaufhof in Landau aussehen. Das Warenhaus zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt wurde 1964 eröffnet. In dieser städtebaulich prominenten Lage staffeln sich scharfgeschnittene Quader empor zu einem markten Eckgebäude. Die Glasfassaden folgen dem fortschrittsverheißenden internationalen Stil.

Am 9. August erläuterte der Projektentwickler ehret + klein , der das Kaufhofgebäude zusammen mit dem Nachbargrundstück erst im Januar 2018 erworben hat, seine Pläne für das Areal. Für Ende diesen Monats ist ein Workshop mit Bürgerbeteiligung vorgesehen, im Anschluss bis Februar 2019 ein Architektenwettbewerb mit fünf Büros. 2023 sollen Abriss und Neubau abgeschlossen sein – rechtzeitig zum 2024 anstehenden 750-jährigen Stadtjubiläum. Die Projektentwickler hoffen, dass auch der Kaufhof, dessen Mietvertrag noch bis 2021 besteht, zu den Nutzern des Neubaus zählen wird. (kb, 13.8.18)

Landau, Kaufhof (Bild: Postkarte, Cramers Kunstanstalt, 1965)

Neustart in Neustadt

Der Brutalismus ist ja derzeit in aller Munde: nicht nur, dass das DAM in Frankfurt den Betonmonstern eine eigene Sonderausstellung widmet. Diverse Medien rufen seit der Eröffnung zur Revision des Baustils auf, in Hipsterkreisen ist er längst Kult. Nun hat auch Neustadt an der Weinstraße sein Herz für Brutalismus (wieder)entdeckt. Kürzlich wurde bekannt, dass das ehemalige Hertiegebäude in der Innenstadt erhalten bleibt und 2019 erneut seine Pforten öffnen soll – zuletzt residierte dort Karstadt, seit 2009 stand der Bau leer und war akut abrissbedroht.

Die Immobilie steht beispielhaft für den Einzug des Brutalismus in die deutschen Innenstädte der Nachkriegszeit. Der stattliche Betonkoloss reckt sein Parkdeck am Neustädter Kartoffelmarkt in die Höhe, vis-à-vis mit der Stiftskirche, dem historischen Wahrzeichen der Stadt. Wie vielen Kollegen in anderen Städten, etwa dem Betonbau des historischen Museum am Frankfurter Römer, drohte auch dem Hertiegebäude in den 2000ern der Abriss. Diese Pläne sind nun vom Tisch: ein Investor plant die Revitalisierung des Betonklotzes, künftig sollen auf den drei Verkaufsetagen verschiedene Einzelhändler Platz finden. Die Architektur soll dabei modifiziert und nach Informationen des Focus durch einen Aluminiumschleier mit den umliegenden Fachwerkbauten versöhnt werden. (jr, 24.11.17)

Altes Hertiegebäude Neustadt (Bild: PD)