Fotobuch: Militärstädte in Brandenburg

Auf 192 Seiten zeigt Johann Karl in seinem im Kerber-Verlag erschienenen Fotobuch die wechselvolle Geschichte ehemaliger militärischer Sperrgebiete in Brandenburg. Nun werden Truppenübungsplätze gemeinhin nicht unbedingt mit architektonischer Brillanz in Zusammenhang gebracht. Orte wie Wünsdorf waren aber mehr als bloße Militärstandorte. Sie wuchsen über Kaiserzeit, Nationalsozialismus und zu Zeiten der DDR zu ganzen Städten heran. Mit allem was dazu gehört – vom Wohnhaus bis zum Freibad. Diese der Öffentlichkeit einst weitgehend verborgenen Städte porträtiert Karl in historischen Aufnahmen und im heutigen Zustand. Kurze Texte informieren über die wichtigsten Hintergründe.

Das im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Berliner Neuen Schule für Fotografie entstandene Buch nähert sich dem eigenen Charme der patinierten bis hin zu ruinösen Bauten. Wie die Neue Schule für Fotografie mitteilt werden Johann Karls Arbeiten zudem vom 18. September bis 25. Oktober 2020 im Rahmen der Ausstellung „Atopie“ in der hauseigenen Galerie in der Brunnenstraße 188-190 in Berlin zu sehen sein. (mk, 22.6.20)

Wünsdorf, Observationsbunker (Bild: Johann Karl/Schule der Fotografie Berlin)

Thingstätten

Schon die Bildauswahl für diesen Beitrag ist heikel: Bleibt man zu zurückhaltend, zeigt das Foto nur Gras und ein paar Stufen. Wird man stimmungsvoller, rutscht das Ganze rasch in eine unerwünscht völkische Richtung. Denn die hier thematisierten Thingstätten entstanden zu nationalsozialistischer Zeit, zwischen 1933 und 1936, als Freilichtbühnen und Versammlungsstätten. Von den 400 geplanten Propagandazeugnissen wurden rund 60 umgesetzt.

Viele dieser Thingstätten sind bis heute zu finden in Deutschland, Polen und Russland. 23 von ihnen vereint eine neue Buchpublikation im Kerber-Verlag, in der sich internationale Künstler und Wissenschaftler sensibel und vielschichtig mit diesem ebenso wichtigen wie schwierigen Erbe auseinandersetzen. Erste Teile dieses umfassenden Projekts können auch schon online eingesehen werden – weiteres soll folgen. (kb, 21.6.20)

Bosse, Katharina (Hg.), Thingstätten. Von der Bedeutung der Vergangenheit für die Gegenwart, Kerber-Verlag, 2020, 256 Seiten, 164 Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, 24 x 30 cm, ISBN 978-3-7356-0693-8.

Heidelberg, Thingstätte (Bild: Dage – Looking for Europe, CC BY 2.0, via flickr.com)