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Adventskalender 2018

Noch 24 Stationen bis Weihnachten, das passt gut: Denn 22 Berliner U-Bahnhöfe der Nachkriegsmoderne stehen seit Kurzem auf der Denkmalliste. Und vor lauter Freude darüber präsentieren wir gemeinsam mit der Initiative Kerberos diesen unterirdischen Adventskalender. Er soll die Wartezeit verkürzen – bis Heiligabend und bis zur Tagung samt Ausstellung zum Thema, die Kerberos im Frühjar 2019 mit dem Landesdenkmalamt Berlin, ICOMOS und der Berlinischen Galerie ausrichten wird. Viel Spaß mit unserem U-Bahn-Kalender, frohe Festtage und bis bald in Berlin!

 

Autoren der Tagesbeiträge: Atreju Allahverdy, Gundula Lang, Ralf Liptau, Kolja MissalOliver Sukrow, Verena Pfeiffer-Kloss und Frank Schmitz; Titelmotiv: Berlin, U-Bahnhof „Nauener Platz“ (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 2.0, via flickr, 2018).

Die Berliner U-Bahn-Tagung und -Ausstellung werden von moderneREGIONAL als Medienpartner begleitet.

Berlin, U-Bahnhof "Schloßstraße" (Foto: Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte, 1974, Copyright: Berlinische Galerie)

Architekturmoderne unter Tage

Verkehrsbauten, gerade der Moderne, setzen sichtbare Zeichen in den Städten und werden oft zu Identifikationsorten ihrer Nutzer. Doch mit der sich ändernden Funktion, mit Modernisierungsschüben bei Auto, Bus und Bahn, drohen diesen kleinen Inkunabeln heute große Veränderungen – bis hin zum Totalverlust. Vor diesem Hintergrund laden ICOMOS Deutschland, das Landesdenkmalamt Berlin und die Initiative Kerberos vom 20. bis 23. Februar 2019 ein in die Berlinische Galerie. Mit der internationale Konferenz „Underground Architecture“ wollen sie die architektonische Gestaltung von U-Bahnhöfen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts untersuchen.

Im Detail geht es den Veranstaltern um den europäischen Vergleich, um den Austausch zwischen Denkmalpflege und Denkmalforschung, zwischen den Machern, Betreibern und Nutzern moderner U-Bahnlinien und -stationen. Noch werden Themenvorschläge gesucht, z. B. zu den folgenden Schwerpunkten: Denkmalwerte und -bedeutung; Konstruktion, Material und Farbe; Erhaltung und Modernisierung; Vermittlung und Rezeption; Akteure und Netzwerke. Bis zum 15. August 2018 können Exposés für einen Vortrag (max. 1.500 Zeichen) mit einem Lebenslauf (max. 300 Zeichen) gesendet werden an: icomos@icomos.de. moderneREGIONAL unterstützt die Initiative als Medienpartner. (kb, 10.7.18)

Berlin, U-Bahnhof „Schloßstraße“ (Foto: Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte, 1974, Copyright: Berlinische Galerie)

Bierpinsel und 2 x U-Bahn unter Schutz

Und auch Deutschlands feinster Essayist schätzt die Spätmoderne: CD-Cover Max Goldt, Berlin, Bierpinsel (Copyright: EFA-Vertrieb)
Und auch Deutschlands feinster Essayist schätzt die Spätmoderne: CD-Cover Max Goldt, Berlin, Bierpinsel (Copyright: EFA-Vertrieb)

Zwei Schwalben machen ja bekanntlich noch keinen Sommer, aber drei Unterschutzstellung spätmoderner Schönheiten sehen doch zumindest nach leichtem Tauwetter aus: In Berlin haben es das liebevoll Bierpinsel genannte Turmrestaurant (1976, Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte), die U-Bahnhöfe Schloßstraße (späte 1960er Jahre, Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte) und Fehrbelliner Platz (1971, Rainer Gerhard Rümmler) auf die Denkmalliste geschafft, wie das Internet-Portal urbanophil meldet. Schon seit Monaten kämpfen Experten und Initiativen wie „Kerberos“ um die bunten Schönheiten, die sich schon längst ins kollektive Bewusstsein der Hauptstadt gegraben haben.

Hintergrund ist, wie zumeist bei Unterschutzstellungen, die zunehmende Bedrohung gerade dieser Monumente. Um den Bierpinsel wird seit Monaten geplant, diskutiert und wieder zugeschlossen, in einigen Berliner U-Bahnstationen wurden schon Fakten geschaffen und Erhaltenswertes wegsaniert. Doch gerade in den 1970er Jahren hatte die Insel Berlin im öffentlichen Raum bemerkenswerte popfarbene Blüten getrieben. Die Unterschutzstellung von drei anerkannten Marken dieser Bauphase ist ein guter Anfang. Denn es ist wie immer: Nach dem Spiel ist … (kb, 27.1.17)

Berlin, U-Bahnhof "Konstanzer Straße" (Bild: Ingolf, CC BY SA 3.0, 2013)

Glückszahl: 13 Berliner U-Bahnhöfe unter Schutz

Gute Nachrichten aus der Hauptstadt: Weitere 13 Berliner U-Bahnstationen der Nachkriegsmoderne stehen, so weist es die jüngst online aktualisierte Denkmalliste aus, unter Schutz – damit sind es jetzt insgesamt 22 Untergrundbahnhöfe. Das Beste daran, (fast) alle freuen sich darüber, allen voran sicher das Landesdenkmalamt Berlin und die „Initiative Kerberos“. Und eine mit vielen Akteuren breit aufgestellte Ausstellung mit Tagung (bzw. eine Tagung mit Ausstellung) ist auch schon in der Röhre.

 

„Einzigartiges Erbe“

Aber der Reihe nach: Im August 2018 hat die Berliner Kulturverwaltung nochmal ein gutes Dutzend U-Bahnhöfe der Nachkriegsmoderne in die Denkmalliste eingetragen. Bereits 2016 trommelte die „Initiative Kerberos“ für die Baukunst im Berliner Untergrund – und warnte vor dessen Zerstörung durch Sanierungsmaßnahmen. In einem offenen Brief wandten sich die Architekturhistoriker und Stadtplaner Verena Pfeiffer-Kloss, Frank Schmitz und Ralf Liptau gemeinsam mit den Architekturgeschichtsprofessoren aller vier Berliner Universitäten an die Öffentlichkeit. „Nicht nur unsachgemäß, sondern geradezu lieblos“, nennt Schmitz rückblickend den damaligen Umgang mit der Moderne. Liptau betont die Bedeutung der U-Bahnstationen als „einzigartiges baukulturelles Erbe“, fielen sie doch angesichts der damaligen deutsch-deutschen Teilung programmatisch opulent aus.

Im Verlauf des Jahres 2016 kamen dann zunächst die nachkriegsmodernen U-Bahnhöfe „Fehrbelliner Platz“ (Rainer G. Rümmler) und „Schloßstraße“ (Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte) unter Schutz. Das Landesdenkmalamt beauftragte „Kerberos“ mit der Begutachtung der übrigen Stationen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Daraufhin folgten 2017 sieben postmoderne Stationen der 1980er Jahre in Spandau auf die Denkmalliste. Mit den aktuell 22 geschützten nachkriegsmodernen U-Bahnstationen sieht Pfeiffer-Kloss „jetzt den Westberliner U-Bahnbau von der frühen Nachkriegszeit bis in die späten 1980er Jahre“ abgebildet.

 

Berlin als Vorreiter

Mit dieser vernetzten Unterschutzstellung nachkriegsmoderner U-Bahnhöfe ist Berlin deutschlandweiter Vorreiter. Inzwischen haben die Denkmalämter im Rheinland und in München mit einer vergleichbaren Begutachtung begonnen. Für das Frühjahr 2019 ist die Tagung „Underground Architecture Revisited“ in Planung: Das Landesdenkmalamt Berlin, die Berlinische Galerie und die Initiative Kerberos wollen damit die Möglichkeiten der denkmalgerechten Sanierung von U-Bahnstationen in ganz Europa ausloten. Begleitet wird die Tagung von einer Ausstellung zum Berliner U-Bahnbau der Nachkriegsmoderne in der Berlinischen Galerie – eine Aktion, die moderneREGIONAL mit Überzeugung als Medienpartner begleiten wird. (db/kb, 11.11.18)

 

Frisch unter Denkmalschutz

Die meisten dieser Bahnhöfe entstanden nach Plänen des Berliner Baubeamten Rainer G. Rümmler. In den 1960er Jahren verewigten sich dessen Vorgänger Bruno Grimmek bzw. der damalige Senatsbaudirektor Werner Düttmann im Untergrund.

  1. U-Bahnhof Parchimer Allee (Werner Düttmann, 1960-63, Eröffnung 1963)
  2. U-Bahnhof Alt-Tempelhof (Bruno Grimmek, 1961-62, Eröffnung 1966)
  3. U-Bahnhof Westphalweg (Rainer G. Rümmler, 1963-64, Eröffnung 1966)
  4. U-Bahnhof Alt-Mariendorf (Rümmler, 1962-64, Eröffnung 1966)
  5. U-Bahnhof Möckernbrücke (U7) (Rümmler, 1962-65, Eröffnung 1966)
  6. U-Bahnhof Zwickauer Damm (Rümmler, 1967-69, Eröffnung 1970)
  7. U-Bahnhof Kleistpark (Rümmler, 1967-69, Eröffnung 1971)
  8. U-Bahnhof Eisenacher Straße (Rümmler, 1968-70, Eröffnung 1971)
  9. U-Bahnhof Nauener Platz (Rümmler, 1969-1975; Eröffnung 1976)
  10. U-Bahnhof Konstanzer Straße (Rümmler, 1969-73, Eröffnung 1978)
  11. U-Bahnhof Richard-Wagner-Platz (Rümmler, 1973-78, Eröffnung 1978)
  12. U-Bahnhof Jungfernheide (Rümmler, 1974-77, Eröffnung 1980)
  13. U-Bahnhof Mierendorffplatz (Rümmler, 1974-77, Eröffnung 1980)

Titelmotiv: Berlin, U-Bahnstation „Konstanzer Straße“ (Bild: Ingolf, CC BY SA 2.0, 2013)