Investor muss Kesselhaus wieder aufbauen

Nach zwei Jahren des zähen Ringens steht es nun fest: Das Kesselhaus in Berlin-Charlottenburg, denkmalgeschützter Teil des ehemaligen Schering-Werks, muss wieder aufgebaut werden. Im Dezember 2019 hatte ein Investor den Bau rechtswidrig abreißen lassen. Damit habe sich der Gebäudeeigentümer, so der Bericht der Berliner Morgenpost damals, „über den Denkmalschutz hinweggesetzt“. Gegenüber dem Tagesspiegel fand Oliver Schruoffenger, Bezirksbaurat und Vertreter der Grünen, 2019 noch deutlichere Worte: Dieser Umgang mit einem Denkmal sei eine „Dreistigkeit“, „wie im Wilden Westen“. Die Auseinandersetzung mit dem aktuellen Eigentümer des Areals soll sich nach Presseberichten über einen längeren Zeitraum hingezogen haben: Teilabriss, Baustopp, Besichtigung verwehrt, vollständiger Abriss. Für den ehemaligen Standort von Kessel- und Turbinenhaus schien ein Hotelbau mit Büronutzung vorgesehen zu sein.

Das Industriedenkmal wurde 1958/59 von der Schering-Bauabteilung errichtet. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte man das Schering-Gelände in Charlottenburg begründet und in den folgenden Jahrzehnten sukzessive erweitert. Nach der Schließung des Standorts im Jahr 1999 entstand im Umfeld besagter Biotechpark. Das Kesselhaus aus den 1950er Jahren selbst war 2017 stillgelegt worden. Die Behörden prüfte nach dem rechtswidrigen Abriss geeignete Maßnahmen, um gegen den Eigentürmer vorzugehen. Zunächst wurde ein Bußgeld von 300.000 Euro fällig – und beglichen. Nun wird für den Wiederaufbau des zerstörten Kulturdenkmals, so des Sprecher des Biotechparks gegenüber dem Berliner Tagesspiegel, das Zeitziel 2022 angegeben. Damit kann der Verlust der Originalsubstanz natürlich nicht ungeschehen gemacht werden, aber vielleicht lässt sich so ein Zeichen für künftige Abrisswillige setzen. (kb, 14.8.21)

Berlin-Charlottenburg, das Schering-Kesselhaus vor dem Abriss im Dezember 2019 (Bild: Bodo Kubrak, CC BY SA 4.0, 2015)

Kesselhaus unter Druck

In Stuttgart wird gerade über ein Kultur- und Technikdenkmal diksutiert. Die Furtbachklinik möchte sich räumlich erweitern und dabei steht das alte Kesselhaus scheinbar im Weg. Der Verein Geschichtswerkstatt Stuttgart-Süd klärte nun Interessierte über die Bedeutung und wechselvolle Geschichte des Technikzeugen auf. Der Komplex wurde vom CVJM 1903 als Vereinshaus errichtet, um junge Männer sinnvoll zu beschäftigen, auf dass sie sich nicht im sündigen Großstadttreiben verlieren würden. Das Haus gehörte um die Jahrhundertwende zu den am besten ausgestatteten seiner Art und verfügte über das erste öffentliche Schwimmbad Stuttgarts. Später folgten dann Nutzungen als Lazarett, Aufnahmelager für DDR-Flüchtlinge und zuletzt als eine Klinik für psychisch kranke Menschen.

Von Beginn an wurde die großzügige Anlage vom Kesselhaus und den riesigen Dampfmaschinen mit Strom, Wasser und Elektrizität versorgt. Die Maschinen liefen bis in die 1990er Jahre, danach wurde es still im und um das Kesselhaus. Nun scheint das außerordentlich gut erhaltene Technikerbe dem aktuellen Besitzer ein Dorn im Auge zu sein. Das man den Bau auch mühelos in die Erweiterung mit einbeziehen kann, zeigte ein Vorschlag der Architekten Sorg + Frosch. Diese durften vor dem Liegenschaftsamt allerdings nicht vorsprechen. (jm, 28.7.19)

Stuttgart, Kesselhaus der Furtbachklinik (Bild: Geschichtswerkstatt Stuttgart-Süd)