Kiel: Pavillons unter Schutz

Noch vor Kurzem wurde über den Abriss diskutiert, jetzt stehen sie unter Denkmalschutz: die Pavillons auf dem Alten Markt von Kiel. Das historische Herz der Stadt mit der Nikolaikirche hatte vor allem im 17. Jahrhundert mit den sog. Persianischen Häusern eine prägende Gestaltung erhalten. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde die Fläche als Parkplatz genutzt. Erst 1972 erhielt der Alte Markt durch den Architekten Wilhelm Neveling (1908-78), der u. a. auch für Neubauten der Kieler Universität verantwortlich zeichnet, ein neues Gesicht: eine gepflasterte Senke mit Granitsteinen und Pavillonbauten für Geschäfte und Gastronomie.

Genau diese Pavillons wurden jetzt unter Denkmalschutz gestellt. „Politik und Kaufmannschaft signalisierten Verständnis für die Entscheidung in Anbetracht der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Gebäudeensembles“, so melden die Kieler Nachrichten. Zugleich sei man sich einig, dass der Denkmalschutz einer Neugestaltung des Platzes nicht grundsätzlich im Wege stünde. Dabei seien die Pavillons nicht allein wegen ihrer modernen Formensprache, sondern auch wegen ihrer historischen Bezüge erhaltenswert. Sie greifen die Form der verlorene Bebauung, darunter die Persianischen Häuser, wieder auf, in einen Pavillon wurde der Gewölbekeller des Alten Rathauses einbezogen.(kb, 25.2.18)

Kiel, Alter Markt (Bild: Jan Petersen, CC BY NC 2.0, 2013)

Kiel: die Sanierung sanieren

Seit fast zwei Jahren wird das Bildungsministerium in Kiel aus Brand- und Denkmalschutzgründen saniert. So musste unter anderem eine zusätzliche Fluchttreppe in das achtstöckige Gebäude von 1954 eingebunen werden. Für die Zeit des Umbaus waren die mehr als 170 Mitarbeiter in ein Gebäude in die Innenstadt gezogen. Eigentlich sollten sie schon wieder zurück sein, doch daraus wird nichts: Weil nachträglich ein Datennetz erneuert werden soll, dauert die Sanierung wohl weitere sechs Monate. Schon vor Beginn der Arbeiten 2015 gab es Streit, weil das Landesamt für Denkmalpflege untersagte, an der Fassade ein Fluchttreppenhaus anzubringen.

Erst während den laufenden Maßnahmen entschied die damalige Landesregierung aus SPD, Grünen und SSW, auch das Netzwerk auf den neuesten Stand zu bringen. Dadurch steigen die ursprünglich geplanten Gesamtkosten von drei Millionen Euro laut Eisoldt um 770.000 Euro. kommen sei. „Es wäre sicherlich eleganter gewesen, die Entscheidung schon vorher in die Planung mit einzubeziehen. Aber die Entscheidung der damaligen Landesregierung kam später. Und wir müssen als Bauherren und Projektleiter darauf reagieren“, erklärt Frank Eisoldt, Chef der „Gebäudemanagement Schleswig-Holstein“. Die erste Hälfte der mehr als 170 Mitarbeiter des Bildungsministeriums kann laut dennoch voraussichtlich schon im Dezember wieder ins alte Domizil umziehen, 2018 folgen die Kollegen. (db, 15.10.17)

Kiel, Bildungsministerium Schleswig-Holstein (Bild: Zuguterletzt, CC BY SA 3.0)

Postmoderne-Schwund in Kiel

Was haben Frankfurt am Main und Kiel seit wenigen Wochen gemeinsam? In beiden Städten wurden postmodernistische Kaufhäuser aus den 1990ern abgerissen. In der Hessen-Metropole fiel vor einigen Monaten die 1994 fertiggestellte Zeil-Galerie, im hohen Norden fällt gerade das Woolworth-Haus am Berliner Platz (1991/92) in Schutt und Asche. An Stelle des zeittypisch verspielten, wellenförmig geschwungenen Baus wird demnächst gehobene, wie üblich beige Investorenarchitektur treten. Woolworth hat sein Domizil Mitte 2015 geräumt; in den Neubau, den der Duisburger Projektentwickler Fokus Development errichten lässt, zieht die (nicht unumstrittene) Textilkette Primark ein.

Das Woolworth-Gebäude entstand nach Plänen des Büros Detlefsen + Figge, nachdem im April 1990 der Vorgängerbau einem Brand zum Opfer fiel. Der Abriss des Granitverkleideten Postmoderne-Kaufhauses nach nicht einmal 30 Jahren missfällt dem einstigen Planer ausgesprochen: Auf die Frage der Kieler Nachrichten, wie ihm angesichts des nun bevorstehenden Abrisses zumute ist, antwortete Norbert Figge knapp „Das tut richtig weh.“ Besonders schmerzlich sei nicht nur, dass ein intaktes Gebäude nach vergleichsweise kurzer Zeit aus dem Innenstadtbild verschwinde, sondern  vor allem der Umstand, dass nichts Besseres nachkomme. Dem ist nichts hinzuzufügen. (db, 13.5.17)

Woolworth Kiel 2013 (Bild: Jan Petersen)