Eine Sinalco in Darmstadt

Noch eben schnell eine „Abendpost Nachtausgabe“ kaufen und bei der Lektüre eine Sinalco süffeln? Geht nicht mehr: Sinalco gibt es noch immer, die Tageszeitung aus Rhein-Main wurde aber schon 1988 eingestellt. Doch am kleinen Kiosk in der Darmstädter Moltkestraße hängen wieder die passenden Werbeschilder, und vielleicht wird dort bald auch zumindest wieder Limonade ausgeschenkt. Die Initiative „Zusammen in der Postsiedlung e.V.“ bemüht sich unterm Titel „Kiosk 1975“ seit 2020 darum, den denkmalgeschützten Pavillon aus den frühen 1950ern wieder in Betrieb zu nehmen. Der Verein Darmstadtia e.V. hatte ihn vor über 30 Jahren übernommen und als Ausstellungsraum gepflegt, nachdem der Besitzer in den 1980er Jahren den Kiosk-Betrieb eingestellt hatte.

Dank eines sorgsamen Umgangs ist der Winz-Bau mit seiner Originalausstattung vom Kühlschrank über Zeitungsständer bis zu Werbetafeln nahezu vollständig erhalten geblieben. Mithilfe der ehrenamtlichen Vereinsmitglieder wird der Kiosk restauriert und soll mit Produkten aus den 1970ern wieder zum Quartierstreffpunkt werden. Das denkmalpflegerische und soziokulturelle Engagement der Initiative fand nun Würdigung an höchster Stelle: Der Verein „Zusammen in der Postsiedlung e.V.“ wurde mit dem Ehrenamtspreis des Hessischen Denkmalschutzpreises 2021 ausgezeichnet. Feiern kann man das hoffentlich bald am Kiosk-Tresen: ein Raider kauend, in der Hand einen Sechsämtertropfen – und im Hintergrund ertönt „Michaela“ von Bata Illic aus Kugellautsprechern. (db, 21.9.21)

Darmstadt, Kiosk Moltkestraße (Bild: Hewiha, CC BY-SA 4.0)

Comeback fürs Bundesbüdchen

Von 1957 bis 2006 stand ein nach Plänen des Architekten Ernst Meier errichtete Kiosk in der einstigen Bundeshauptstadt Bonn. Aber nicht irgendwo, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft des Deutschen Bundestags. Und folgerichtig haben sich dort Politiker vieler Generationen haben sich dort mit Überlebensnotwendigem wie Bonbons, Bockwurst oder Bild-Zeitung und versorgt. Das sogenannte „Bundesbüdchen“ war inoffizieller Politiktreffpunkt und steht aufgrund seiner charakteristischen Form und der „parlamentarischen Vergangenheit“ unter Denkmalschutz. Doch der alte Bundestag ist schon lange abgerissen, und auch das Kioskgebäude wurde vor nunmehr zwölf Jahren samt Fundament abgebaut, um dem „World Conference Center Bonn“ Platz zu machen. Seither wartet es auf einem Bauhof auf die Wiederaufstellung.

Die Bezirksregierung hat dem Förderverein Historischer Verkaufspavillon nun eine Förderung über 135.000 Euro für den Wiederaufbau des „Bundesbüdchen“ bewilligt. Wann genau das Büdchen wieder stehen werde, sei noch nicht sicher, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung am Montag. Sein neuer Standort solle sich an der Heussallee, ganz in der Nähe des ursprünglichen Standorts am heutigen Platz der vereinten Nationen befinden. (db, 6.3.18)

Bonn, „Bundesbüdchen“ 2006 (Bild: Hans Weingartz, CC BY-SA 2.0)

Delikates im Wartesälchen

Schicker als früher: Der umgebaute Verkehrspavillon am Koblenzer Friedrich-Ebert-Ring. (Bild: Thillmann Architekten)
Schicker als früher: der umgebaute Verkehrspavillon am Koblenzer Friedrich-Ebert-Ring (Bild: Thillmann Architekten)

Okay, er mag arg schick geraten sein, der ehemalige Verkehrspavillon in Koblenz. Doch hat er nun eine Nutzung gefunden, die ihm eine Zukunft sichert. 2011 wurde der Zeitungskiosk aufgegeben und das desolate Gebäude stand vor einer unsicheren Zukunft. Der Koblenzer Architekt und Kirchenbaumeister Otto Schönhagen plante den kleinen Bau 1950 als Teil des Friedrich-Ebert-Rings, der die Altstadt umgibt. Vorbild waren großstädtische Straßenbahn-Wartehallen wie etwa in Köln.

Das Büro Thillmann Architekten hat den mittlerweile denkmalgeschützten Pavillon 2013 zu einem Mini-Restaurant umgestaltet – nun ist es das „Wartesälchen“. Ein Imbiss war dieses Gebäude zwar nie, doch das Ergebnis ist sehr nahe an dem, wie es in den Fünfzigern hätte sein können – inklusive Retro-Tresen in edlem Holz und Neon-Schriftzug in zeittypischen Lettern. Neben der „Heimat“ in Frankfurt/Main ist somit ein weiteres unscheinbares „Verkehrshäuschen“ gerettet. Der Preis der inneren Neugestaltung erscheint nicht zu hoch … (db, 14.9.14)