Mannheim: Abriss nach 90 Jahren?

1930, vor 90 Jahren, wurde St. Peter in Mannheim geweiht. Im Stadtteil Schwetzingerstadt gestaltete der Architekt Hermann Otto Künkel ab 1927 den Bau im expressionistischen Stil. Nach schweren Kriegsschäden erfolgte der Wiederaufbau bis 1952 unter dem Architekten Adam Müller. Im Rahmen dieser Maßnahme wurde der Treppengiebel entfernt, eine Flachdecke eingezogen und die Ausstattung weitestgehend erneuert. Aktuell ist von Abriss die Rede – der Bau sei schlicht zu renovierungsbedürftig. An die Stelle der Kirche könnte ein Caritas-Seniorenzentrum treten. Bislang bewegen sich die Planungen noch auf der Ebene von Konzeptstudien. (16.3.20)

Mannheim, St. Peter (Bild: Immanuel Giel, CC BY SA 3.0, 2010)

Geht St. Johannes an den Alpenverein?

Die Betonwaben schichten sich in Wiesbaden-Rambach formvollendet den Hang empor. Als die Kirche St. Johannes 1963 eingeweiht wurde, hatte die Architektengemeinschaft Ludwig Ey, Edmund Häußer und Erich Husar den Standort optimal ausgenutzt: oben der liturgische Raum, unten Platz für die Jugendarbeit. Doch inzwischen ist die Zukunft des Baukunstwerks ungewiss – aus den bekannten Gründen: zu wenig Gottesdienstbesuch, zu wenig Priester, zu wenig Geld. Daher erwog die Gemeinde die Umgestaltung zur Kindertagesstätte. Doch die Stadt sah keinen Bedarf.

Nun zeichnet sich eine neue Nutzungsalternative ab. Gestern meldete der Wiesbadener Kurier, dass ein Verkauf der Kirche kurz bevor stehen könne: Der Deutsche Alpenverein, genauer gesagt seine Wiesbadener Sektion, sei sehr interessiert. Geplant seien Büroräume und eine Bibliothek. Im Außenbereich soll alles beim Alten bleiben. Begründung: Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Was könnte einem Alpenverein auch Besseres passieren als diese Silhouette? Am 8. März 2020 lädt die Gemeinde um 15 Uhr zu einer Informationsveranstaltung zu den künftigen Plänen mit dem Bauwerk. (kb, 28.2.20)

Wiesbaden-Rambach, St. Johannes (Bild: akira, via mapio.net)

Einmal rund um Gottfried Böhm

In diesem Fall bringt ein vorzeitiger Glückwunsch sicher Glück: Rings um das Auditorium widmet sich das Deutsche Architekturmuseum (DAM) Frankfurt in einer konzentrierten Ausstellung der Wallfahrtskirche in Neviges – „so umfassend wie bisher noch nie“, sagt das Museum selbst. Verdient hat es das brutalistische Bauwerk, gilt es doch als eines der wichtigsten Werke von Gottfried Böhm, der 1986 den renommierten Pritzkerpreis erhielt. Derzeit wird der „Beton-Dom“ einer innovativen Instandsetzung unterzogen, deren technische Details in der Ausstellung ebenfalls Thema sein werden.

Gottfried Böhms Planarchiv wird seit 2004 in der Sammlung des DAM verwahrt. Und daher ist die runde Ausstellung zum hundertsten Böhm-Geburtstag (am 23. Januar 2020) in Frankfurt bestens aufgehoben. Die Vernissage wird gefeiert am 17. Januar. Es sprechen Peter Cachola Schmal (Direktor Deutsches Architekturmuseum/DAM), Mike Josef (Planungsdezernent Stadt Frankfurt am Main) sowie Oliver Elser und Miriam Kremser (Kuratoren der Ausstellung). Im Anschluss ist die Schau „Böhm 100. Der Beton-Dom von Neviges“ zu sehen bis zum 26. April 2020. Im Begleitprogramm sprechen u. a. die drei Söhne Gottfried Böhms, die ebenfalls als Architekten tätig sind. Zudem soll der Film „Die Böhms – Architektur einer Familie“ gezeigt werden. (kb, 12.1.20)

Neviges, Wallfahrtskirche „Maria, Königin des Friedens“ (Gottfried Böhm, 1968) (Foto: Inge und Arved von der Ropp/Irene und Sigurd Greven Stiftung, ca. 1976)