Fulda: St. Elisabeth wird zu Schule?

Schon seit 2018 steht fest: St. Elisabeth wird 2021 geschlossen. Als Gründe für die Aufgabe als liturgischer Ort sind die bekannten: zu wenig Mitglieder, zu hohe Kosten. Nur das Nachleben des modernen Bauwerks war unsicher. In einem städtebaulichen Wettbewerb sollten Perspektiven für das Areal – immerhin umfasst die Anlage die Kirche, das Pfarrhaus, das Gemeindezentrum und den Kindergarten – ausgearbeitet werden. Die Bedeutung des Kirchenbaus stand dabei nicht zur Diskussion, immerhin wurde er 1963 nach Entwürfen des renommierten Frankfurter Architektenduos Alois Giefer und Hermann Mäckler fertiggestellt.

Für das gesamte Quartier hat die Stadt große Pläne. Mit dem Fördertopf „Sozialer Zusammenhalt“ will man u. a. neue Wohnungen schaffen und kulturell andere Schwerpunkte setzen. In der Nachbarschaft von St. Elisabeth scheint sich der ideale Nutzungspartner zu finden: die Cuno-Raabe-Schule. Diese ist aktuell noch in einer ehemaligen Kaserne untergebracht, eine Sanierung steht an. Da wäre eine Erweiterung zum Kirchengelände hin willkommen, vielleicht eine Umnutzung des ehemaligen Gottesdienstraums als Aula. Im Fall des Kindergartens hofft man auf eine Übernahme durch die Kommune. Gottesdienste sollen künftig die Konviktskapelle im nahen Caritas-Wohnheim gefeiert werden. Die Profanierung der Kirche ist für Mai diesen Jahres angesetzt. Doch die endgültige Entscheidung für ihre künftige Nutzung steht weiterhin aus. (kb, 12.2.21)

Fulda, St. Elisabeth (Bild: st-elisabeth-fulda.de)

Profanierung: Denkmalschutz für die Pallottikirche?

In Rheinbach gibt es einen Hoffnungsschimmer: Schon seit Monaten ringen Initiativen wie die „Jugend für Pallotti“ um die Rettung die gleichnamige Kirche mit den verbliebenen Kollegsbauten (ehemalige Aula). Nach Entwürfen des Architekten Alois Möhrig war der brutalistische Kirchenbau 1971 fertiggestellt worden. Das Vinzenz-Pallotti-Kolleg hatte 2016 seinen Abschied genommen, die zugehörige Schule (aktuell weiterbetrieben vom Bistum) wurde 2020 geschlossen. Inzwischen hat man erste Kollegsbauten (Wohnheime) niedergelegt, um neue Wohnungen zu errichten. Zunächst wollte man die Pallottinerkirche in die neue Bebauung einbeziehen. Auch der Verein „Viel Raum für Kultur“ bemüht sich um die Bespielung der Kirche. Auch vor Ort findet die Petition politischen (ideellen) Rückhalt.

Die Pallottiner, denen Kirche und Schulgebäude noch gehören, zeigten sich wiederholt offen für Interessenten mit einem realistischen Nutzungskonzepte zum Erhalt des Gottesdienstraums, bislang wurde der Bau jedoch nicht verkauft. Nun erklärte das LVR-Amt für Denkmalpflege gegenüber der Presse: Nach eingehender Prüfung genüge das Bauwerk den Kriterien für eine Unterschutzstellung. Als nächster Schritt muss die Kommune dem neuen Rechtsstatus zustimmen. Es bleibt zu hoffen, dass sich damit die Abrissgegner vor Ort werden durchsetzen können – die Profanierung ist für den 6. Februar angesetzt. (kb, 2.2.20)

Rheinbach, Pallottikirche (Bild: Ralf Krob, 2021)

Rheinbach, Pallottikirche (Bild: Ralf Krob, 2021)

Rheinbach, Pallotti-Kolleg (Bild: historische Postkarte)

Titelmotiv: Rheinbach, Pallottikirche (Bild: Ralf Krob, 2021)

Die Kirchen der anderen

Eingefleischte Kirchenleute reiben sich seit Kurzem erstaunt die Augen: Mit einem Mal kümmern sich Experten von „außerhalb“ um ihre Räume. Denn Kirchenbauten sind angesichts der schwindenden Finanz- und Mitgliederstärke der beiden großen Konfessionen zunehmend auf dem Markt. Damit rücken sie in den Blick einer breiteren Öffentlichkeit – irgendwo zwischen Goldgräberstimmung, Lost-Places-Charme und denkmalfachlicher Besorgnis. Da tut es Not, dass sich die Fachleute dies- und jenseits der kirchlichen Mauern austauschen, wie eine gute Zukunft für kirchliche Räume aussehen kann.

Bedrohte (hellgrün), geschlossene (schwarz), abgegebene (violett), umgenutzte (dunkelgrün) und abgerissene (rot) Kirchen in Hannover (Auszug aus der moderneREGIONAL-Karte „invisibilis“)

Das breit aufgestellte Herrenhäuser Symposium „Kirchenumnutzung“ hat dieses Thema im Blick. Zunächst hatte man analog geplant und ist nun virtuell auf dem Schirm: vom 15. bis 17. Februar 2021. Vorgestellt werden europaweite Vergleichsbeispiele (vorwiegend aus den Niederlanden, aus Belgien, Großbritannien und der Schweiz) ebenso wie Beispielstudien aus Hannover. Eine Anmeldung ist erforderlich, erste Informationsunterlagen können heruntergelanden werden. Die von der Volkswagen-Stiftung geförderte Veranstaltung wird organisiert von Kerstin Gothe (KIT/Karlsruher Institut für Technologie), Paul Post (Tilburg University) und Johannes Stückelberger (Universität Bern). (kb, 28.1.20)

Hannover-Roderbruch, Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrum (Klaus und Gudrun Vogel, 1981) – eine der Modellstudien der Tagung (Bild: Klaaschwotzer, CC BY SA 4.0, 2020)