Petition gegen den Raubbau

Der Abriss des sog. Immenrather Doms war 2018 ein Medienereignis. Profi- wie Amateurfotografen hielten fest, wie sich die Greifer in die historistische Doppelturmfassade bohrten. Allein in Erkelenz mussten bislang drei Kirchen dem Bagger weichen, drei weitere – Heilig Kreuz in Keyenberg, Herz Jesu in Kuckum und St. Josef in Beverath – sollen folgen. Im nahen Manheim (St. Albanus und Leonhadus, profaniert) sieht es ähnlich aus. Auch moderne Bauten sind betroffen – wie die Kirche St. Lambertus in Morschenich (Wiederaufbau, Josef Lembrock, 1955, Umnutzung geplant). Teils entstand ein Ersatzbau am neuen Wohnort der Umgesiedelten, aber Tradition lässt sich schwer verpflanzen.

Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ wendet sich im Raum Aachen mit einer Petition und Plakataktion gegen den Verkauf und folgenden Abriss von Gottesdiensträumen. Kirchen seien keine Ware, sondern Orte der Begegnung. Nachdem die Kirchen durch Corona geschlossen wurden, fürchten die Unterzeichner, dass sie schleichend gleich ganz dicht gemacht werden. Gottesdienste müssten mindestens so lange gefeiert werden, wie noch Menschen in den Orten wohnen. Sie appellieren an die Bischöfe in Köln und Aachen, den laufenden, auch ökologisch wenig nachhaltigen Rückbau zu stoppen. (kb, 27.6.20)

oben: Erkelenz-Immenrath, St. Lambertus (Bild: © Raimond Spekking, CC BY SA 4.0, Januar 2018); unten: Morschenich, St. Lambertus (Bild: Chris06, CC BY SA 4.0, 2019)

invisibilis-Karte der aufgegebenen und verlorenen Kirchen (seit 1850) in Erkelenz

Hilden: Abriss für Wohnprojekt

Die Abrissarbeiten haben Mitte März begonnen: In Hilden wird aktuell St. Johannes Evangelist niedergelegt. Bereits 2015 hatte man die 1965 geweihte, römisch-katholische Kirche geschossen. Während der Arbeiten wurden/werden der Grundstein sowie die Fenstergestaltung des lokalen Künstlers Leo Nienartowicz geborgen. Die Glocken gehen zu St. Petri in Westerstede und zur Auferstehungskirche in Ihausen. Die Bänke und die Orgel gab man nach Polen.

Bis 2021 will die Initiative Trialog auf dem Kirchengrundstück in Erbpacht ein Mehrgenerationenhaus verwirklichen: 28 barrierefreie Wohnungen. Über eine Einlage erwerben die künftigen Nutzer ein lebenslanges Wohnrecht. An den Klimaschutz ist auch gedacht, so soll das Passivhaus in Holzbauweise 317 Photovoltaikmodule erhalten und so seinen eigenen Strom produzieren. (kb, 24.3.20)

Hilden, St. Johannes Evangelist, 2013 (Bild: Kasimix, CC BY SA 3.0)

Fellbach im Fokus

Der Architekt Klaus Franz (1923-1999) liebte extrovertierte, betonplastische Formen. Auf sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf folgte ein Architekturstudium an der TH Stuttgart. 1961 machte sich Franz mit einem eigenen Büro selbständig. Seine größte Bekanntheit erlangte er durch kirchliche Projekte. Das Fellbacher Gemeindezentrum Maria Regina (1967) brachte ihm gar den renommierten Hugo-Häring-Preis ein. Nicht minder erwähnenswert sind das Gemeindezentrum Don Bosco (1972) in Fellbach oder das Gemeindehaus St. Martin (1974) in Bad Wimpfen. Seinem kirchlichen Werk widmet Anette Busse am 11. Februar 2020 zwischen 19 und 21 Uhr im Architekturschaufenster Karlsruhe (Waldstraße 8, 76133 Karlsruhe) ihren Vortrag „Forscherdrang: Klaus Franz – Bauen für die katholische Kirche der 1960er Jahre“. Im Anschluss an das Referat wird diskutiert. Die Veranstaltung ist als Fortbildung bei der AKBW anerkannt.

In direkter Nachbarschaft von Maria Regina wird gerade die Kirchenlandschaft ausgelichtet: Die Melanchthonkirche in Fellbach soll 2021 geschlossen und in der Folge abgerissen werden. Die Abgabe des Grundstücks an die Stadt ist Teil eines größeren „Immobilienkonzepts“. Dafür soll das Areal, inkl. Kirche und Gemeindezentrum, beräumt werden. Die Kinderbetreuung soll weiter gewährleistet bleiben. (kb, 18.1.20)

Fellbach, Melanchthonkirche (Bild: Rothmund, CC BY SA 3.0, via kirchbau.de)

Titelmotiv: Fellbach, Maria Regina (Bild: Gunther Seibold, CC BY SA 3.0, via kirchbau.de); unten: Fellbach, Melanchthonkirche (Bild: Rothmund, CC BY SA 3.0, via kirchbau.de)