Hilden: Abriss für Wohnprojekt

Die Abrissarbeiten haben Mitte März begonnen: In Hilden wird aktuell St. Johannes Evangelist niedergelegt. Bereits 2015 hatte man die 1965 geweihte, römisch-katholische Kirche geschossen. Während der Arbeiten wurden/werden der Grundstein sowie die Fenstergestaltung des lokalen Künstlers Leo Nienartowicz geborgen. Die Glocken gehen zu St. Petri in Westerstede und zur Auferstehungskirche in Ihausen. Die Bänke und die Orgel gab man nach Polen.

Bis 2021 will die Initiative Trialog auf dem Kirchengrundstück in Erbpacht ein Mehrgenerationenhaus verwirklichen: 28 barrierefreie Wohnungen. Über eine Einlage erwerben die künftigen Nutzer ein lebenslanges Wohnrecht. An den Klimaschutz ist auch gedacht, so soll das Passivhaus in Holzbauweise 317 Photovoltaikmodule erhalten und so seinen eigenen Strom produzieren. (kb, 24.3.20)

Hilden, St. Johannes Evangelist, 2013 (Bild: Kasimix, CC BY SA 3.0)

Fellbach im Fokus

Der Architekt Klaus Franz (1923-1999) liebte extrovertierte, betonplastische Formen. Auf sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf folgte ein Architekturstudium an der TH Stuttgart. 1961 machte sich Franz mit einem eigenen Büro selbständig. Seine größte Bekanntheit erlangte er durch kirchliche Projekte. Das Fellbacher Gemeindezentrum Maria Regina (1967) brachte ihm gar den renommierten Hugo-Häring-Preis ein. Nicht minder erwähnenswert sind das Gemeindezentrum Don Bosco (1972) in Fellbach oder das Gemeindehaus St. Martin (1974) in Bad Wimpfen. Seinem kirchlichen Werk widmet Anette Busse am 11. Februar 2020 zwischen 19 und 21 Uhr im Architekturschaufenster Karlsruhe (Waldstraße 8, 76133 Karlsruhe) ihren Vortrag „Forscherdrang: Klaus Franz – Bauen für die katholische Kirche der 1960er Jahre“. Im Anschluss an das Referat wird diskutiert. Die Veranstaltung ist als Fortbildung bei der AKBW anerkannt.

In direkter Nachbarschaft von Maria Regina wird gerade die Kirchenlandschaft ausgelichtet: Die Melanchthonkirche in Fellbach soll 2021 geschlossen und in der Folge abgerissen werden. Die Abgabe des Grundstücks an die Stadt ist Teil eines größeren „Immobilienkonzepts“. Dafür soll das Areal, inkl. Kirche und Gemeindezentrum, beräumt werden. Die Kinderbetreuung soll weiter gewährleistet bleiben. (kb, 18.1.20)

Fellbach, Melanchthonkirche (Bild: Rothmund, CC BY SA 3.0, via kirchbau.de)

Titelmotiv: Fellbach, Maria Regina (Bild: Gunther Seibold, CC BY SA 3.0, via kirchbau.de); unten: Fellbach, Melanchthonkirche (Bild: Rothmund, CC BY SA 3.0, via kirchbau.de)

Riethüsli: Eine geht, eine bleibt

Noch bietet sich im schweizerischen St.-Gallen-Riethüsli die Chance, mit einem Blick zwei besondere Kirchenbauten der Moderne zu bestaunen: Da ist die betonplatische Reformierte Kirche, fertiggestellt 1980 nach Entwürfen des Architekten Ernst Brantschen mit einer Glasgestaltung von Ferdinand Gehr. Und in direkter Nachbarschaft die 1987 geweihte Zeltkirche der katholischen Gemeinde, ein mit viel Eigenleistung errichteter „Behelfsbau“. Letzterer weist seit rund zehn Jahre starke Schäden an der Holzkonstruktion auf. Vor Ort entschied man sich aus Kostengründen gegen eine Sanierung der katholischen Kirche – und für den Abriss, der 2020 erfolgen soll.

Schon seit sechs Jahren nutzen beide Gemeinden gemeinsam die reformierten Funktionsräume. In diesem Sommer begründete man dann eine gemeinsame liturgische Nutzung der Reformierten Kirche. Im Betonbau entstand daher eine „Gebetsecke“ mit Tabernakel, Ewiglicht und Marienfigur. Auch weitere Ausstattungsstücke aus der aufgegebenen katholischen Kirche fanden ihren Platz im neuen paritätischen Gottesdienstraum. In St. Gallener Stadtteil Halden wird ein ähnliches Modell bereits seit Jahren erfolgreich praktiziert. Für Riethüsli betonte Daniel Bertoldo, Diakon der Reformierten Kirche, gegenüber der Presse die Hoffnung, dass das Miteinander stärker werde – dass die katholischen Gläubigen auch in reformierte Gottesdienste hereinschauen und umgekehrt. (kb, 3.11.19)

Riethüsli, Katholische und Reformierte Kirche (Bild: Erich Gmünder, via riethuesli.ch)