Zufluchtskirche wird Kiezzentrum

In Berlin ist wieder Bewegung in der Kirchenlandschaft, dieses Mal in Spandau. Nach der Fusion der Jeremias- und Zufluchtsgemeinde, hat man hier Pläne mit den beiden zugehörigen Kirchengebäuden. Die Zukunftskirche entstand bis 1967 nach Plänen des Architekten Bodo Fleischer. Für die Gestaltung der Prinzipalien zeichnete der Künstler Waldemar Otto verantwortlich. Ihren Namen erhielt die Kirche über die Vergangenheit der Gemeinde, die in einem “Barackenlager” von Flüchtlingen heraus 1950 eine Kapelle in einem ehemaligen Pferdestall einrichtete. Mit der Selbständigkeit dieser Gemeine und dem Wachstum eines neuen Quartiers Falkenberger Feld konnte auch eine neue Kirche möglich gemacht werden. Auf trapezförmigem Grundriss wurden für den Betonbau zwei Satteldächer aufgespannt, das sich über dem Gottesdienstraum zu einem Faltdach zusammenfügt. Zum Ensemble gehören weiterhin Gemeinderäume, ein Kindergarten und ein Wohngebäude.

Während die Jeremiakirche, 1964 ebenfalls nach Plänen von Fleischer fertiggestellt, weiterhin als liturgischer Standort dienen soll und dafür aktuell ertüchtigt wird, hat man für die Zufluchtskirche einen anderen Plan. Seit 2005 ist das Falkenberger Feld Teil der Förderprogramme Soziale Stadt und Stadtumbau. Am Platz vor der Zukunftskirche (und später in dieser selbst) sollen soziale und kulturelle Funktionen für den Stadtteil gebündelt werden. Aus einem Wettbewerb für den Umbau der Kirche gingen der erste Preis an das Berliner Büro ff-Architekten, der zweite Preis an as-if Architekten, Berlin. Bis 2013 erfolgten bereits erste Arbeiten am Platz, um diesen mit einer neuen Pflasterung barrierefrei herzurichten. Für die Kirche ist der Einbau von Kindergartenfunktionen und ein multifunktionaler Versammlungsraum vorgesehen. (kb, 29.11.21)

Berlin-Spandau, Zufluchtskirche (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0, 2019)
Berlin-Spandau, Zufluchtskirche (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0, 2019)
Berlin-Spandau, Zufluchtskirche (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0, 2019)
Berlin-Spandau, Zufluchtskirche (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0, 2019)

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Werne: Böhm-Sakristei fällt

Jetzt ist es offiziell: In Bochum-Werne wird ein Böhm-Bau abgerissen. 1999 wurde der Sakristeianbau für die gotische Hallenkirche St. Christophorus eingeweiht. Kein Geringerer als der Architekt Stephan Böhm (Sohn von Gottfried, Enkel von Dominikus Böhm) lieferte damals die Pläne. Programmatisch setzt sich die Sakristei-Konstruktion vom Kirchenbau ab: V-förmig zusammenlaufende Doppelstützen – deren Verkleidung an ihren Nahtstellen und an ihrer Spitze pointiert mit Plexiglas überbrückt wird – formen ein Gebilde, das mit metallischem Hammerschlag-Lack an eine Mondlandefähre erinnert. Der Bau birgt auf mehreren Ebenen die Ankleidezonen und Paramentenschränke. Über einen gläsernen Gang ist er verbunden mit der Kirche, die ebenfalls Ende der 1990er Jahre prägende Ausstattungsstücke erhielt.

Nach außen zeigt das Böhm’sche Baukunstwerk schon seit Jahren starke Patina. Stephan Böhm verwies 2018 gegenüber der Presse auf den mangelnden Bauunterhalt seitens der Gemeinde, der man dabei (fast) schon Absicht unterstellen könne. Formal sprach er von „einem unserer besten Bauten“, für den man sich auch mit zeitlichem Abstand heute nicht schämen müsse. In der Gemeinde hingegen mehrten sich rasch die Stimmen, den “Altbau” Sakristei lieber zu ersetzen, zumal man damit begann, das finanzielle Engagement etwa auf die Sanierung von St. Konrad zu verlagern. Auch ästhetisch blieb bei vielen Gemeindegliedern eine starke Distanz zum Böhm’schen Entwurf bestehen. Ein Antrag auf Unterschutzstellung wurde von der Denkmalfachbehörde 2018 mit der Begründung abgewiesen, dass man aktuell nur Objekte bis zum Baujahr 1990 bewerten könne. Nun hat sich die Kirchengemeinde mit einem mehrere Standorte umfassenden Immobilienkonzept neu aufgestellt – dazu gehört auch der (baldige) Abriss der Sakristei. (kb, 9.10.21)

Werne, St. Christophorus, Sakristei (Bild: Uli Borgert, 2018)
Werne, St. Christophorus, Sakristei (Bild: Uli Borgert, 2018)

Werne, St. Christophorus, Sakristei (Bild: Uli Borgert, 2018)

Abriss in Nördlingen?

Tourist:innen schätzen an Nördlingen den noch sichtbar erhaltenen Stadtmauerring. Außerhalb dieser historischen Grenzziehung entstand in den 1950er Jahren ein Neubaugebiet mit neuer Kirche. Für St. Josef konnte der Architekt Hansjakob Lill (1913-1967) gewonnen werden, der sich im süddeutschen Raum nach dem Zweiten Weltkrieg einen Namen im katholischen Kirchenbau machte. Nach seinen Entwürfen wurde die Nördlinger Kirche 1962 fertiggestellt wurde. Jetzt soll das neben der Kirche gelegene Pfarrheim, ebenso von Lill entworfen und ebenso denkmalgeschützt wie die Kirche selbst, einem Neubau weichen. Das gesamte Areal um St. Josef herum soll neu erschlossen werden – für eine Kindertagesstätte (nach dem Abriss des bisherigen 1950er-Jahre-Baus), eine Versammlungsstätte, ein Hospiz und ein Sozialzentrum. Für die Katholische Kirchenstiftung St. Josef Nördlingen ist auch das bestehende Pfarrzentrum im Weg, da eine Sanierung unzumutbar sei.

Nun hat der Stadtrat über den Fall beraten. Wie die Presse berichtet, spreche aus der Sicht des Stadtbauamts Vieles für den Abriss: die fehlende Barrierefreiheit, die niedrige Deckenhöhe der Kellerräume, eine mögliche Schadstoffbelastung. “Außerdem sei der Denkmalschutz auf die Verbindung von sakralem Bau und Pfarrheim mit Versammlungsstätte und Pfarrwohnung für die Seelsorge zurückzuführen, das sei auch beim Nachfolgebau gegeben.” Die Gegenargumente des Stadtheimatpflegers – ein Abriss beeinträchtige das Einzeldenkmal Kirche und die Architektursprache der 1950er/60er Jahre werde zunehmend von den Fachleuten geschätzt – konnten den Stadtrat am Ende nicht überzeugen. Das Vorhaben soll insgesamt vier Millionen Euro kosten und bis 2023 fertiggestellt werden. (kb, 4.10.21)

Nördlingen, St. Josef mit Pfarrheim (Bild: J.Richter, CC BY 3.0, 2004)