Tel Aviv in Wolfratshausen

In Wolfratshausen widmet sich eine Sonderausstellung jüdischen Architekten der Moderne. Im Fokus stehen Arbeiten des Fotografen Jean Molitor, der entsprechende Bauten in Tel Avivs Weißer Stadt porträtiert hat. Beleuchtet wird auch die Migrationsgeschichte ihrer Architekten. Damit wird die erste Sonderausstellung des Erinnerungsortes Badehaus dem Anspruch der kürzlich eröffneten Gedenkstätte gerecht: Der Bau ist Teil der ehemaligen NS-„Mustersiedlung“ Föhrenwald, die Schauplatz mehrerer Migrationsprozesse war.

Die Nationalsozialisten begannen Ende der 1930er Jahre mit dem Bau einer Wohnsiedlung für Rüstungsarbeiter im Wolfratshauser Forst. Im Krieg entstand daraus ein Lager für Zwangsarbeiter, das nach Kriegsende Überlebenden des Holocausts eine provisorische Unterkunft bot. 1956 wurde das Lager aufgelöst und auf dem Gelände eine Wohnsiedlung für Heimatvertriebene errichtet, die später unter dem Namen Waldram ein Ortsteil von Wolfratshausen wurde. Die im Oktober 2018 eröffnete Gedenkstätte wird von einer Bürgerinitiative getragen und soll der komplexen Geschichte des Ortes gerecht werden. Die Sonderausstellung ist bis zum 28. Februar 2019 zu sehen. (jr, 30.11.18)

Tel Aviv, Bauhaus-Stil an der HaYakon-Straße (Bild: Martin Furtschegger, CC BY SA 3.0, 2013)

Kassel: Hallenbad wird Architekturbüro

In Kassel zeichnet sich für das denkmalgeschützte Hallenbad Ost ein Happy End ab.  Nach Informationen der HNA hat sich mit KM Architekten nun endlich ein Käufer gefunden. Die Architekten wollen das ehemalige Schwimmbad zu ihrem Arbeitsplatz umbauen. Wer nach einem Büro in der nordhessischen Stadt sucht und nichts gegen Chlorgeruch einzuwenden hat, sollte sich schleunigst beim neuen Eigentümer melden: das Architekturbüro wird nicht der alleinige Nutzer sein, Mieter werden noch gesucht!

Bei seiner Eröffnung im Jahr 1930 war das Schwimmbad das erste Hallenbad Kassels. Architekt Fritz Graubmann entwarf es als schlichten, flachgedeckten Bau in zeittypischer Formensprache. Die Planung war pragmatisch: Das Wasser wurde durch die überschüssige Wärmeenergie des benachbarten Gaswerks auf Temperatur gebracht. In Zeiten, in denen Badewannen und Duschen noch kein allgemeiner Standard waren, leistete das Schwimmbad mit dem Angebot der „Volksbadewannen“ auch einen wichtigen Beitrag zur Körperpflege der Kasseler Bevölkerung. 2007 wurde das Schwimmbad endgültig geschlossen und stand seitdem vor einer ungewissen Zukunft. Es existierten zwar verschiedene Pläne zur weiteren Nutzung, die sich letztlich aber alle zerschlugen. (jr, 1.11.18)

Kassel, Hallenbad Ost (Bild: Kai Oesterreich, CC BY SA 3.0)

Lichtspielhaus wieder eröffnet

Cineasten mit Vorliebe für klassisch-moderne Architektur haben ein neues Ausflugsziel: Fürstenfeldbruck. In der oberbayerischen Kleinstadt findet sich eines der dienstältesten Kinos des Bundeslandes. Das Lichtspielhaus wurde jüngst denkmalgerecht saniert und hat den Betrieb nun wieder aufgenommen. Den Besucher erwartet hier täglich ein anspruchvolles Filmprogramm in anregendem baulichen Ambiente. Zur Neueröffnung lief Joseph von Sternbergs „Der blaue Engel“.

Das Kino ist in seiner Formensprache sachlich, aber nicht radikal modern. Es wurde im Jahr 1930 nach Plänen des Fürstenfeldbrucker Architekten Adolf Voll errichtet. Der Baumeister, der bei Theodor Fischer in München gelernt hatte, drückte dem Städtchen mit einer Vielzahl von Gebäuden nachhaltig seinen Stempel auf. 2013 schlossen die Kinokassen wegen Inrentabilität, anschließend stand sogar der Abriss im Raum. Doch schon im nächsten Jahr wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, 2015 beseitigte die Stadt mit dem Kauf des Gebäudes die letzten Zweifel. Nachdem der Innenraum nun vollständig saniert und die originale Einrichtung rekonstruiert ist, steht als letzter Schritt noch die farbliche Gestaltung der Außenfassade aus. (jr, 18.9.18)

Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck (Bild: Kadir Kara, CC BY SA 3.0)