Schlagwort: Klassische Moderne

Kassel, Hallenbad Ost (Bild: Kai Oesterreich, CC BY SA 3.0)

Kassel: Hallenbad wird Architekturbüro

In Kassel zeichnet sich für das denkmalgeschützte Hallenbad Ost ein Happy End ab.  Nach Informationen der HNA hat sich mit KM Architekten nun endlich ein Käufer gefunden. Die Architekten wollen das ehemalige Schwimmbad zu ihrem Arbeitsplatz umbauen. Wer nach einem Büro in der nordhessischen Stadt sucht und nichts gegen Chlorgeruch einzuwenden hat, sollte sich schleunigst beim neuen Eigentümer melden: das Architekturbüro wird nicht der alleinige Nutzer sein, Mieter werden noch gesucht!

Bei seiner Eröffnung im Jahr 1930 war das Schwimmbad das erste Hallenbad Kassels. Architekt Fritz Graubmann entwarf es als schlichten, flachgedeckten Bau in zeittypischer Formensprache. Die Planung war pragmatisch: Das Wasser wurde durch die überschüssige Wärmeenergie des benachbarten Gaswerks auf Temperatur gebracht. In Zeiten, in denen Badewannen und Duschen noch kein allgemeiner Standard waren, leistete das Schwimmbad mit dem Angebot der „Volksbadewannen“ auch einen wichtigen Beitrag zur Körperpflege der Kasseler Bevölkerung. 2007 wurde das Schwimmbad endgültig geschlossen und stand seitdem vor einer ungewissen Zukunft. Es existierten zwar verschiedene Pläne zur weiteren Nutzung, die sich letztlich aber alle zerschlugen. (jr, 1.11.18)

Kassel, Hallenbad Ost (Bild: Kai Oesterreich, CC BY SA 3.0)

Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck, Bild Kadir Kara, CC by SA 3.0

Lichtspielhaus wieder eröffnet

Cineasten mit Vorliebe für klassisch-moderne Architektur haben ein neues Ausflugsziel: Fürstenfeldbruck. In der oberbayerischen Kleinstadt findet sich eines der dienstältesten Kinos des Bundeslandes. Das Lichtspielhaus wurde jüngst denkmalgerecht saniert und hat den Betrieb nun wieder aufgenommen. Den Besucher erwartet hier täglich ein anspruchvolles Filmprogramm in anregendem baulichen Ambiente. Zur Neueröffnung lief Joseph von Sternbergs „Der blaue Engel“.

Das Kino ist in seiner Formensprache sachlich, aber nicht radikal modern. Es wurde im Jahr 1930 nach Plänen des Fürstenfeldbrucker Architekten Adolf Voll errichtet. Der Baumeister, der bei Theodor Fischer in München gelernt hatte, drückte dem Städtchen mit einer Vielzahl von Gebäuden nachhaltig seinen Stempel auf. 2013 schlossen die Kinokassen wegen Inrentabilität, anschließend stand sogar der Abriss im Raum. Doch schon im nächsten Jahr wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, 2015 beseitigte die Stadt mit dem Kauf des Gebäudes die letzten Zweifel. Nachdem der Innenraum nun vollständig saniert und die originale Einrichtung rekonstruiert ist, steht als letzter Schritt noch die farbliche Gestaltung der Außenfassade aus. (jr, 18.9.18)

Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck (Bild: Kadir Kara, CC BY SA 3.0)

Bad Neuenahr, Hermann-Weiser-Kurgarten (Quelle historisch, Fotograf nicht mehr zuzuordnen)

Bad Neuenahr: Kur-Bauten in Gefahr

Bad Neuenahr kann als Kurort überregionale Bekanntheit für sich beanspruchen. Und auch baulich hat das Städtchen in Rheinland-Pfalz einiges zu bieten. Seit der Entdeckung einer Heilquelle in den 1850er Jahren entwickelte sich eine einzigartige Kuranlage, die stetig erweitert wurde. Die Grundlage schuf eine Planung des renommierten preußischen Garten- und Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné. Auch das 20. Jahrhundert drückte der Anlage architektonisch ihren Stempel auf.

Als die Formen der Moderne andernorts bereits als „Kulturbolschwewismus“ gebrandmarkt wurden, entstanden hier in den 1930er Jahren nach Plänen des Architekten Hermann Weiser die sog. Große Trinkhalle mit drehbarer Musikmuschel und die Wandelhallen in ebendieser Formensprache. Abgesehen von der Musikmuschel genießen sie jedoch keinen Denkmalschutz und sind derzeit akut vom Abriss bedroht. Eine gemeinsame Initiative des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, ICOMOS Deutschland, dem Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, der Bürgerinitiative Lebenswerte Stadt und der Technischen Hochschule Köln stemmt sich dagegen und fordert die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler in einem gemeinsamen Appell dazu auf, dieses Kulturerbe zu schützen und statt des Abrisses seine Sanierung zu prüfen. Dem können wir uns nur anschließen. (jr, 22.8.18)

Kurpark Bad Neuenahr (Bild: historische Aufnahme, Fotograf unbekannt)

Theodor Fischer (Bild Wasmuth Verlag)

Ein neues Buch zu Theodor Fischer

Er gilt als Wegbereiter der Moderne und zeichnete für die Ausbildung diverser bedeutender Architekten des 20. Jahrhunderts verantwortlich: Theodor Fischer. Dennoch hat die kunsthistorische Forschung den Baumeister, Theoretiker und Hochschullehrer bislang nur selten berücksichtigt. In diese Lücke stößt eine neue Monografie von Rose Hajdu und Dietrich Heißenbüttel hinein. Sie nimmt Fischers Stuttgarter Bauten in den Blick, die eine zentrale Werksphase des Architekten darstellen.

Fischer folgte 1901 einem Ruf an die Technische Hochschule in Stuttgart, wo er als Professor für Bauentwürfe und Städtebau Maßstäbe setzte. Hier und an seiner zweiten Wirkstätte München war er Mentor von Architekten wie Ernst May, Bruno Taut, Ferdinand Kramer, Paul Bonatz oder Erich Mendelsohn. Seine Bauten distanzieren sich von den überladenen Formen des Historismus und präferierten einen gemäßigt modernen Stil. Der  Band porträtiert dies anhand des Stuttgarter Beispiels und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur überfälligen wissenschaftlichen Revision des Architekten. Es bleibt zu hoffen, das weitere entsprechende Literatur folgen wird. (jr, 2.3.18)

Hajdu, Rose, Heißenbüttel, Dietrich, Theodor Fischer. Architektur der Stuttgarter Jahre, Wasmuth Verlag, Tübingen 2018, ISBN 978 3 8030 0795 7.

Alfred Breslauer: Landhaus Selchow (Bild: Lienhard Schulz, CC-BY-SA 3.0))

Alfred Breslauer und die traditionelle Moderne

Die Moderne – das ist die weiße Pracht des Bauhaus, eine streng sachliche Formensprache und das zum Verbrechen erklärte Ornament. Dieser einseitigen Wahrnehmung, die in den letzten Jahren von der Forschung vermehrt aufgebrochen wird, tritt am 9. und 10. März 2018 ein Colloquium des Architekturmuseums der TU Berlin entgegen. Mit Alfred Breslauer widmet es sich einem heute fast vergessenen Architekten, dessen traditionell orientierten Entwürfe in der Weimarer Republik großen Zuspruch erfuhren. Themenvorschläge für Vorträge können bis zum 15. Oktober 2017 eingereicht werden (Architekturmuseum der TU Berlin, Dr. Robert Habel, Sekr. A 7, Straße des 17. Juni 152, 10623 Berlin).

Nach einer Ausbildung an der Technischen Hochschule Berlin arbeitete Breslauer ab 1896 für zwei Jahre im Büro Alfred Messels und war dort u. a. als Bauleiter für den Neubau des Warenhauses Wertheim an der Leipziger Straße tätig. Als Inspirationsquelle dienten ihm barocke Bauformen und der preußische Klassizismus. Seiner traditionell orientierten Formensprache aus der Vorkriegszeit blieb Breslauer auch in den 1920er Jahren treu. Breslauers Spezialität waren Villen und Landhäuser, zahlreiche seiner Bauten haben sich bis heute erhalten und stehen inzwischen unter Denkmalschutz. (jr, 26.9.17)

Alfred Breslauer: Landhaus Selchow (Bild: Lienhard Schulz, CC BY SA 3.0)

"Blaupause" (Bild: Hanser Verlag)

Bauhaus-Belletristik

Das Bauhaus und seine Akteure waren in den letzten Jahren Gegenstand unzähliger wissenschaftlicher Abhandlungen. Das anstehende 100-jährige Jubiläum im Jahr 2019 lässt einen weiteren Schwung an Fachliteratur erwarten. Das jüngst erschienene Buch „Blaupause“ von Theresia Enzensberger nähert sich der Kunstschule stattdessen von der literarischen Seite und macht Gropius, Meyer und Co zu Romanfiguren.

Hauptfigur und Ich-Erzählerin ist die junge Luise Schilling, die Anfang der 1920er Jahre ein Architekturstudium am Bauhaus in Weimar beginnt. Hier trifft sie auf die abgehobenen Bauhausdirektoren Walter Gropius und Hannes Meyer, die trotz der Modernität der Kunstschule Frauen im Architektenmetier skeptisch gegenüber stehen. Viele ihrer Kommilitonen sind begeisterte Anhänger Johannes Ittens und verehren den Bauhaus-Meister wie einen Guru. Den jungen Bauhäuslern erscheint die von ihm vertretene Mazdaznan-Lehre als ideales spirituelles Gegenstück zu den avantgardistischen Positionen der Kunstschule. Der Roman liefert einen fiktiven, aber gut recherchierten Einblick in den Alltag des Bauhaus und ist als Sommerlektüre absolut empfehlenswert! (jr, 28.7.17)

Theresia Enzensberger, Blaupause, Hanser Verlag, München 2017, ISBN 978-3-446-25643-9.

Titelmotiv: Buchover (Hanser Verlag)

Taut baut (Bild: Wagenbach Verlag)

Taut baut

Sein Nachname ist wohl jedem Kenner der klassischen Moderne ein Begriff. Wenn er fällt, denken aber die wenigsten an den Architekten, von dem hier die Rede ist: Taut. Max, nicht Bruno. Obwohl seine innovativen Schul- und Gewerkschaftsbauten in den 1920er Jahren große Bekanntheit erlangten, konnte er doch nie aus dem Schatten seines ungleich berühmteren Bruders hervortreten. Dies änderte sich auch nicht nach dessen Tod im Jahr 1938, obwohl Max Taut bis zu seinem Tod 1967 noch mit verschiedenen Bauprojekten in der Bundesrepublik reüssieren konnte. Zu seinem 50. Todestag ist nun ein Bildband erschienen, die sein Werk würdigend in den Blick nimmt.

Das Buch versammelt die wichtigsten Bauten Tauts und präsentiert sie in Aufnahmen des Architekturfotografen Stefan Müller. Max Dudler, Gert Heidenreich, Vittorio Magnago Lampugnani, Martin Mosebach, Jenny Schily, Wim Wenders, Hanns Zischler und viele andere Autoren ergänzen sie mit persönlichen Texten zu den einzelnen Bauten. (jr, 21.6.17)

Taut baut. Geschichten zur Architektur von Max Taut, fotografiert von Stefan Müller und erzählt von Max Dudler, Gert Heidenreich, Vittorio Magnago Lampugnani, Martin Mosebach, Jenny Schily, Wim Wenders, Hanns Zischler u. a. Wagenbach Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-8031-3666-4.

Titelmotiv: Cuchcover „Taut baut“ (Bild: Wagenbach Verlag)

Wassilychair, Bild: Spyrosdrakopoulos, CC-BY-SA 4.0

Handwerk am Bauhaus

Kunst, Handwerk oder Kunstgewerbe? Keine dieser Kategorien trifft eindeutig auf die historische Tätigkeit der Bauhaus-Werkstätten in Dessau zu. In der Tischlerei, Metallwerkstatt und Weberei der Kunstschule suchten ihre Akteure ebenso nach idealen Prototypen für die industrielle Produktion, wie sie einzigartige künstlerische Artefakte fertigten. Auf eine einheitliche Position konnten sie sich nicht einigen. Die Ausstellung „Handwerk wird modern. Vom Herstellen am Bauhaus“ widmet sich dem Themenkomplex am historischen Schauplatz: der Weberei im Dessauer Bauhausgebäude. Sie stellt das Handwerk des Bauhaus dabei auch aktuellen Designpositionen gegenüber.

Manche der Erzeugnisse der Bauhaus-Werkstätten avancierten vom handwerklich gefertigten Prototyp zum industriell gefertigten Bestseller, andere blieben gestalterisches Experiment. Neben diesen eigentlichen Produkten stehen auch die Werkzeuge und Maschinen im Fokus der Ausstellung. Auch hier bewegte sich das Bauhaus zwischen klassischem Handwerk und Mechanisierung: So war etwa die Metallwerkstatt mit modernen Drehmaschinen und Drückbänken aus den Junkers-Werken ausgestattet, dennoch blieb auch die Gefäßherstellung an den Silberschmiedebänken bestehen. Die Ausstellung ist bis zum 7. Januar 2018 zu sehen. (jr, 13.7.17)

Wassilychair im Bauhaus (Bild: Wassilychair, Bild: Spyrosdrakopoulos, CC BY SA 4.0)

Krayl und das Bunte Magdeburg

Krayl: Buntes Magdeburg, Bild: Julius Reinsberg
In der Otto-Richter-Straße wurde das Bunte Magdeburg rekonstruiert (Bild: Julius Reinsberg)

Anfang der 1920er Jahre sorgte die Stadt Magdeburg architektonisch für Aufsehen. Mit Bruno Taut war ein Baurat angetreten, der die Stadt an der Elbe in eine moderne Kapitale zu transformieren versprach. Besonders sein avantgardistisches Programm zur farbigen Fassadengestaltung brachte ihr überregionale Bekanntheit ein, bald sprach man nur noch vom „Bunten Magdeburg“. Maßgeblich verantwortlich für diese Kampagne war Tauts Mitarbeiter Carl Krayl.

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg widmet dem Werk des Architekten mit der Schau „Bunte Stadt – Neues Bauen. Die Baukunst von Carl Krayl“ nun erstmals eine eigene Sonderausstellung. Krayl machte sich nicht nur während der vergleichsweise kurzen Amtszeit Tauts (1921-24) einen Namen als moderner Baumeister. Als freier Architekt plante er eine Reihe bedeutender Bauten der Magdeburger Moderne, darunter das Gebäude der AOK, das Gewerkschaftshaus, das Oli-Kino oder Teile der Siedlung Cracau, der Curie-Siedlung und der Gartenstadt-Kolonie Reform. Die Ausstellung beleuchtet seine Arbeit in historischen Zeichnungen und Fotografien sowie realen und virtuellen Modelle. Sie ist bis zum 12. Februar 2017 zu sehen. (jr, 28.10.16)

WOGA-Komplex: Wie geht’s weiter?

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Der von Erich Mendelsohn entworfene WOGA-Komplex in Berlin: Nur die Markierungen lassen die bedrohten Tennisplätze noch erahnen (Bild: UIi Borgert)

Dem WOGA-Komplex, der zwischen 1925 und 1931 nach Plänen Erich Mendelsohns in Berlin errichtet wurde, droht nach wie vor eine ungewisse Zukunft. So ist das städtebauliche Ensemble zwar denkmalgeschützt, ein Investor plant jedoch eine umstrittene „Verdichtung“ des Quartiers. Während Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller Ende Juli diesen Jahres die Maßnahme noch befürwortete, nahm die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf noch kurz vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus einen Antrag zum Erhalt einstimmig an.

Von der Verdichtung werden konkret die Tennisplätze des Komplexes bedroht. Mendelsohn konzipierte das Gebäudeensemble als Stadt in der Stadt, die den Bewohnern  auch die Möglichkeit zu Erholung und sportlicher Betätigung bot. Und die Planung ging auf: Bis in die 2000er sausten im begrünten Innenhof der Anlage regelmäßig gelbe Bälle durch die Luft, unter anderem vergnügten sich Erich Kästner, Vladimir Nabokov und Willy Brandt auf den Tennisplätzen. Die Befürworter neuer Bauprojekte im Komplex argumentieren dagegen, dass bereits in Mendelsohns Planung eine Verdichtungsoption angelegt war, und der Denkmalschutz die Tennisplätze nicht einschließe. Es wird spannend, wie sich die neue Berliner Regierungskoalition in dieser Frage positioniert. (jr, 1.10.16)

Mendelsohn in der Kultur Ambulanz

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Der Einsteinturm ist eines der prominentesten Bauwerke Mendelsohns (Bild: Astrophysikalisches Institut Potsdam)

Die Ausstellung „Erich Mendelsohn – Dynamik und Funktion“ reiste 13 Jahre lang um die Welt und machte unter anderem in Berlin, Tel Aviv und St. Petersburg Station. Nun ist sie in der thüringischen Provinz angekommen: noch bis zum 31. Juli 2016 ist die Schau in einer verkleinerten Variante in der Liebenroder Kultur Ambulanz (Liebenroder Kirchstraße 18, 99755 Hohenstein) zu sehen. Dieses kulturelle Highlight haben die Liebenroder ihren Nachbarn Ramona Krone und Andreas Tapio Scheid zu verdanken. Das Paar zeigt in seinem Café Sero regelmäßig kleine, aber feine Ausstellungen und bespielt mit der Kultur Ambulanz außerdem ein ehemaliges Krankenhaus aus DDR-Zeiten.

Die Ausstellung fokussiert das vielseitige Werk Erich Mendelsohns in Skizzen, Fotos und einem Modell. Der Architekt gilt als einer der wichtigsten Baumeister der klassischen Moderne. Er machte in der Weimarer Republik besonders durch seine schwungvollen Bauten in Berlin oder den organischen Einsteinturm von sich reden. 1933 emigrierte er nach Großbritannien, später in die Vereinigten Staaten, wo er 1953 starb. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Juli zu sehen, die Sprechstunden der Kulturambulanz sind Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. (jr, 28.7.16)

Der verputzte Taut

Dorotheenlyzeum_1930 (Bild: Koepenickerbruecken e.V.)
Vertafelt, nicht verputzt: das Dorotheenlyzeum um 1930 (Bild: Koepenickerbruecken e. V.)

1929 konnten sich die Architekturfreunde unter den Schülerinnen des Dorotheen-Oberlyzeums freuen: Der Unterricht fand von nun an in einem modernen Bau Max Tauts statt. Dessen elegante Rotunde, die großen Fensterflächen und die Dachterrasse wiesen die Schule architektonisch als moderne Institution aus. Die Fassade des Baus wurde von dominanten vertikalen Fensterbändern und kleinteiligen gelben Tontafeln gegliedert. Nach einer Umnutzung zum Lazarett während des Kriegs wurde Tauts Bauwerk in der DDR wieder als Schule genutzt.

Anfang der 1970er zeigte der Bau unter dem neuen Namen „Alexander-von-Humboldt-Oberschule“ Sanierungsbedürfnisse: die gelben Tontafeln begannen, sich zu lösen. Man reagierte brachial und schlug sie kurzerhand ab, um das Gebäude für den Übergang mit Rauputz zu versehen. Dieses Provisorium ist inzwischen 45 Jahre alt. Nun werden Stimmen laut, dem mittlerweile denkmalgeschützten Taut-Bau seine ursprüngliche Fassade zurückzugeben. Besonders engagiert zeigt sich der Verein Köpenicker Brücken e.V., der auf Crowdfunding setzt: Für 25 Euro kann man die Patenschaft für eine der 26 x 42 cm großen Tontafel übernehmen. (jr, 14.6.16)