Bedrohte Moderne in Potsdam

Künstler*innen um die Siebdruckwerkstatt STUDIO114 zeigen ab heute im Potsdamer Haus der Begegnung unterm Titel „Ein Abriss der Potsdamer Moderne“ Ansichten ausgewählter Bauwerke ihrer Stadt. Hauptsächlich solche der Klassischen Moderne bis 1933 sowie der Ostmoderne der 1960er bis 1980er Jahre. Gemein ist den dargestellten Gebäuden ihr besonderer Status: Einerseits sind sie Zeitzugen des Versuchs, neue Philosophien und Anschauungsweisen des Bauens und damit auch der sozialen Funktion von Architektur zu berücksichtigen. Andererseits sind sie mehrheitlich Verfall oder Abriss geweiht, wurde und wird ihnen ihr ästhetischer und historischer Wert abgesprochen.

Diese Ignoranz herrsche noch heute, so die Ausstellungsmacher: Es werde weiterhin mit dem Aufbruch der Moderne gehadert. In einer Zeit, in der eher die traditionellen Bau-Vorstellungen zurückgesehnt werden, als einen eigenen zeitgenössischen Ausdruck zu suchen. Es zeige sich, dass Geld und die Visionen Einzelner Kraft berge, um Dinge positiv wie negativ zu verändern – doch was würde eine wirklich emanzipierte Stadtgesellschaft aus ihrer Umgebung machen? Die Beteiligten wünschen sich einen reflektierten Umgang mit der architektonischen Stadtgeschichte und verurteilen ebenso sinnlosen Abriss wie geschichtsklitternde Rekonstruktionen. Es gehe um Authentizität, einen wertschätzenden Umgang und den Mut in Potsdam in eine Moderne aufzubrechen. Das sehen Sie auch so? Dann kommen Sie heute, am 23. Januar, um 18 Uhr zur Vernissage! (db, 23.1.20)

Moderne in Siebdruck (Bild: Studio114)

Tel Aviv in Wolfratshausen

In Wolfratshausen widmet sich eine Sonderausstellung jüdischen Architekten der Moderne. Im Fokus stehen Arbeiten des Fotografen Jean Molitor, der entsprechende Bauten in Tel Avivs Weißer Stadt porträtiert hat. Beleuchtet wird auch die Migrationsgeschichte ihrer Architekten. Damit wird die erste Sonderausstellung des Erinnerungsortes Badehaus dem Anspruch der kürzlich eröffneten Gedenkstätte gerecht: Der Bau ist Teil der ehemaligen NS-„Mustersiedlung“ Föhrenwald, die Schauplatz mehrerer Migrationsprozesse war.

Die Nationalsozialisten begannen Ende der 1930er Jahre mit dem Bau einer Wohnsiedlung für Rüstungsarbeiter im Wolfratshauser Forst. Im Krieg entstand daraus ein Lager für Zwangsarbeiter, das nach Kriegsende Überlebenden des Holocausts eine provisorische Unterkunft bot. 1956 wurde das Lager aufgelöst und auf dem Gelände eine Wohnsiedlung für Heimatvertriebene errichtet, die später unter dem Namen Waldram ein Ortsteil von Wolfratshausen wurde. Die im Oktober 2018 eröffnete Gedenkstätte wird von einer Bürgerinitiative getragen und soll der komplexen Geschichte des Ortes gerecht werden. Die Sonderausstellung ist bis zum 28. Februar 2019 zu sehen. (jr, 30.11.18)

Tel Aviv, Bauhaus-Stil an der HaYakon-Straße (Bild: Martin Furtschegger, CC BY SA 3.0, 2013)

Kassel: Hallenbad wird Architekturbüro

In Kassel zeichnet sich für das denkmalgeschützte Hallenbad Ost ein Happy End ab.  Nach Informationen der HNA hat sich mit KM Architekten nun endlich ein Käufer gefunden. Die Architekten wollen das ehemalige Schwimmbad zu ihrem Arbeitsplatz umbauen. Wer nach einem Büro in der nordhessischen Stadt sucht und nichts gegen Chlorgeruch einzuwenden hat, sollte sich schleunigst beim neuen Eigentümer melden: das Architekturbüro wird nicht der alleinige Nutzer sein, Mieter werden noch gesucht!

Bei seiner Eröffnung im Jahr 1930 war das Schwimmbad das erste Hallenbad Kassels. Architekt Fritz Graubmann entwarf es als schlichten, flachgedeckten Bau in zeittypischer Formensprache. Die Planung war pragmatisch: Das Wasser wurde durch die überschüssige Wärmeenergie des benachbarten Gaswerks auf Temperatur gebracht. In Zeiten, in denen Badewannen und Duschen noch kein allgemeiner Standard waren, leistete das Schwimmbad mit dem Angebot der „Volksbadewannen“ auch einen wichtigen Beitrag zur Körperpflege der Kasseler Bevölkerung. 2007 wurde das Schwimmbad endgültig geschlossen und stand seitdem vor einer ungewissen Zukunft. Es existierten zwar verschiedene Pläne zur weiteren Nutzung, die sich letztlich aber alle zerschlugen. (jr, 1.11.18)

Kassel, Hallenbad Ost (Bild: Kai Oesterreich, CC BY SA 3.0)