Das Ende einer kunstvollen Überformung

Denkmalpflegerisches Ziel ist es meist, möglichst viel bauliche “Originalsubstanz” zu erhalten. Dadurch wird eine „Überformung“ zum Argument der Nichtdenkmalfähigkeit von Bauwerken. Dass jedoch eben diese Überformung auch die Bedeutung und den Denkmalwert einer baulichen Anlage steigern und zum Teil der Originalsubstanz werden kann, sieht man in großer Deutlichkeit am Schloss Mengkofen: Die einst vierflügelige Anlage wurde ab 1953 Stück für Stück vom Adelssitz zum Kloster umgeformt. Die ersten Um- und Anbauten betrafen das Hauptgebäude sowie den rechten Seitenflügel. Ein filigraner zweistöckiger Balkon wurde risalitartig an das Hauptgebäude angefügt, in den Seitenflügel wurde mit großem Aufwand ein Geschoss mit modernen Räumlichkeiten für die Krankenpflege eingefügt, der historische Dachstuhl dafür angehoben. Von außen ist die Einfügung vor allem durch die vollkommen durchfensterte Südseite sowie eine 15 Meter lange Gebäudebrücke zum Hauptbau hin erkennbar.

Nach dem Verkauf der gesamten Anlage an einen Klinikbetreiber wird jedoch der Seitenflügel momentan abgerissen, Balkon und Brücke sollen demnächst folgen. Angestrebt wird scheinbar der bauliche Zustand zu Beginn der 1950er Jahre. Die vergangenen 70 Jahre bauliche Entwicklung werden mit besagten Gebäudeteilen – goutiert vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege – größtenteils eliminiert. Diese teilen somit das Schicksal mit einem abgerissenen und verändert wiederaufgebauten Torbogen sowie der bis 2017 im Hof befindlichen Gartenanlage aus den 1970er Jahren. Auch die aus derselben Zeit stammenden ebenerdigen, stark verglasten Verbindungsgänge wurden bereits abgerissen. Diese fügten die Schloss- bzw. Klosteranlage mit den etwas höher gelegenen Erweiterungsbauten des Regensburger Architekten Fritz Schwertle zu einer baulichen Einheit zusammen und waren – von zwei Seiten auf die ebenfalls von Schwertle stammende Kreuzkapelle hinführend – ganz dem Motiv des Kreuzgangs verpflichtet. Es bleibt zu hoffen, dass im Falle etwaiger Neubauten die städtebaulich herausgehobene Situation Beachtung findet und man sich zukünftig ein Vorbild am respekt- wie qualitätvollen Weiter- und Umformen der Nachkriegsjahrzehnte nimmt. (fs, 16.11.2021)

Schloss Mengkofen (Bild: Postkarte 1970er Jahre)

Bous: modernes Kloster unter dem Hammer

Am 16. September soll sich das weitere Schicksal des nachkriegsmodernen Klosters Heiligenborn entscheiden: Für diesen Tag ist die Versteigerung der gut 30.000 Quadratmeter großen Anlage angesetzt, die seit 2009 nicht mehr von den Redemptoristen genutzt wird. Die Geschichte des Klosters im saarländischen Bous reicht bis in die 1940er Jahre zurück, als sich der Orden 1949 in einem ehemaligen HJ-Heim einrichtete. An einer Quelle, der die Legende eine Heiligengeschichte zuordnet, hatten die Nationalsozialisten Anfang der 1940er Jahre den Bau eines Jugendheims mit Thingstätte aufgenommen.

Der Grundstein für einen Neubau mit Klosterkirche (unter Einbeziehung einiger NS-Vorgängerbauten) wurde 1951 gelegt. Der Auftrag ging an den ungarischen Künstler György Lehoczky (1930-79) (mit Rösinger), der auch das Kloster im nahegelegenen Püttlingen gestaltete. Die Fertigstellung der Anlage zog sich bis 1957 hin. Nach 2009 waren vielfältige Umnutzungen im Gespräch, die sich alle zerschlugen: Kinderhospiz, Jugendherberge, betreutes Wohnen oder Gründerzentrum. Seit 2015 liegt auf dem denkmalgeschützten Ensemble eine behördliche Veränderungssperre, die gerade erst um ein Jahr verlängert wurde. Die Kommune selbst hat erklärt, das Kloster nicht kaufen zu wollen. Kritiker fordern ein Engagement des Landes, um den Bau zu erhalten und angemessen zu nutzen. Das Mindestgebot wurde auf 365.000 Euro festgesetzt. (kb, 28.8.17)

Bous, Kloster Heiligenborn (Bilder: immobilienscout24.de)