Deutliches Ruckeln beim Denkmalschutzgesetz NRW

Mit dem Rückenwind des europäischen Denkmaljahres 1975 wurde in Nordrhein-Westfalen (NRW) 1980 ein Denkmalschutzgesetz verabschiedet. Seit geraumer Zeit versucht sich nun die Landesregierung an dessen Novellierung. Damit sollen, so die Befürworter:innen, vor allem die Punkte Klimaschutz und Barrierefreiheit gestärkt werden. Schon in einer ersten Diskussionsrunde schlug dem Entwurf harsche Kritik entgegen – Ähnliches zeichnet sich nun im zweiten Anlauf ab. Vor zwei Tagen, am 9. April, endete die Einreichungsfrist für Verbandsstellungnahmen zum überarbeiteten Gesetzesentwurf. Schon am 12. März erklärte Dr. Andrea Pufke, Leiterin des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland: „Ich habe zum ersten Mal wirklich große Sorgen um die Baudenkmäler im Rheinland.“ Sie hebt hervor, dass die Expert:innen „künftig nur noch angehört, aber an Entscheidungen nicht weiter beteiligt werden“ sollen. Als positive Ansätze ließe sie die verstärkte Förderung und die Einrichtung eines Landesdenkmalrats gelten, aber selbst hier fehle es dem Gesetzesentwurf noch die Konkretion. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz moniert in ihrer Stellungnahme, dass sich mit dem Neuentwurf die Zielsetzung des Gesetzes verschieben würde: „An erster Stelle stehen nun wissenschaftliche Erforschung und Weitergabe des Wissens“ – auf Kosten von Schutz und Pflege. Auch führende Lehrstuhlinhaber:innen reiben sich in einem gemeinsamen Schreiben an diesem Punkt: „Mit großen [sic] Erstaunen lesen wir, dass im neuen Gesetz der Schutz der Denkmäler in §1 nicht mehr an erster Stelle steht. Damit werden Sinn, Zweck und Zielrichtung des Denkmalschutzes wie des Gesetzes ganz grundsätzlich verkehrt.“

Der Verband deutscher Kunsthistoriker vermisst eine enge Verzahnung von Denkmalforschung und -praxis: Es fehle „das Recht der Landschaftsverbände bzw. der dort angesiedelten Denkmalfachämter auf Eintragung eines Denkmals“. Gegenüber dem Westfalenspiegel erklärte Dr. Silke Eilers, Geschäftsführerin des Westfälischen Heimatbunds, sie sehe eine deutliche Verschlechterung für das baukulturelle Erbe. Zudem werde ausgeblendet, was Denkmalpflege an Nachhaltigkeit schütze und schaffe: „Hier wird graue Energie erhalten, natürliche Baustoffe und Handwerker aus der Region werden eingesetzt.“ In seiner Stellungnahme erteilt der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) der Gesetzesnovellierung insgesamt eine schlechte Schulnote: „Sie ist in der Darstellung des Problems und den abgeleiteten Lösungen mangelhaft. Insgesamt werden Denkmäler abgewertet, die fachliche Dimension wird geschwächt“. Die vorgeschlagenen Änderungen fielen deutlich hinter demokratische und europäische Standards zurück. Weitere Verbände haben ebenfalls Stellungnahmen angekündigt. Das Fazit aller hier aufgeführten Fachverteter:innen: Der vorgelegte Entwurf schwäche den Schutz der (Bau-)Denkmäler. Es brauche kein komplett neues Denkmalschutzgesetz, das bestehende funktioniere – und bei Bedarf ließe sich hier mit kleinen Änderungen nachjustieren. (kb, 11.4.21)

Überblick über die Stellungnahmen online

Kinetische Installation von Otto Piene in der Hohen Straße in Köln (Bild: Elke Wetzig, CC BY SA 4.0, 2021)

Trotz Denkmalschutz: Aus für Rodenkirchener Brücke?

Der drohende Verlust der Rodenkirchener Autobahnbrücke zeichnet sich schon seit geraumer Zeit ab, doch nun wird er durch ein Gutachten untermauert. Die Brücke bei Köln war die erste Autobahnbrücke über den Rhein. Ihre Urform als „Adolf-Hitler-Brücke“ entstand von 1938 bis 1941 nach Plänen von Paul Bonatz und den Ingenieuren Karl Schaechterle und Fritz Leonhardt. 1945 wurde die Hängebrücke bei einem Luftangriff zerstört, den Wiederaufbau leitete von 1952 bis 1954 der Bauingenieur Hellmut Homberg. Hierbei wurden u. a. die Bonatz’schen Pylonen weiterverwendet.

Wegen des starken Verkehrsaufkommens auf der A4 hatte man den Bau von 1990 bis 1994 an seiner Nordseite gedoppelt, ohne das Erscheinungsbild spürbar zu verändern. Die 567 Meter lange Brücke, ein Wahrzeichen Rodenkirchens, steht unter Denkmalschutz. Doch der Landesbetrieb „Straßen.NRW“ plant im Zuge der neuen „Rheinspange“ A553, die A4 zwischen den Autobahnkreuzen Köln-Süd und Köln-Gremberg über 5,5 Kilometern hinweg auszubauen. Dies betrifft auch die Rodenkirchener Brücke, die man bereits jetzt als überlastet ansieht. Hatte man in der Zwischenzeit auch einen Teilabriss (und damit auch Teilerhalt) diskutiert, kommt das aktuelle Gutachten zu dem Schluss: „Soll die A4 acht Spuren bekommen“, so der „Express“, „muss die unter Denkmalschutz stehende Brücke abgerissen und neu gebaut werden.“ Auftraggeber dieser Studie ist just „Straßen.NRW“. (kb, 13.1.20)

Köln, Rodenkirchener Brücke (Bild: ToLo46 CC BY-SA 4.0)

Köln, Rodenkirchener Brücke (Bilder: ToLo46, CC BY-SA 4.0)

Köln: St. Hildegard in der Au kommt weg

Selbst routinierte Kirchenabrissbeobachter*innen reiben sich gelegentlich verwundert die Augen: In Köln-Nippes soll die römisch-katholische Kirche St. Hildegard in der Au im September diesen Jahres nicht nur geschlossen, sondern in der Folge auch zugunsten neuer Wohnbauten niedergelegt werden. Der organisch geschwungene Bau auf einem Grundriss, der elegant aus zwei breitgespreizten Parabelbögen gefügt wurde, entstand bis 1961 nach Plänen des rheinischen Architekten Stefan Leuer (1913-79). Im Rheinland ist Leuer kein Unbekannter, wo er den Kirchenbau lehrte und ebenso zahlreiche kirchliche Projekte als Architekt umsetzen konnte.

In Nippes entstand der Gottesdienstraum gemeinsam mit der neuen Gemeinde, die 1960 zunächst die Seitenkapelle für kleinere liturgische Formen in Besitz nehmen konnte. Für die Innenausstattung des 1961 geweihten Kirchenraums, der über knapp 150 kleinformatige Fensteröffnungen belichtet wird, sorgten klangvolle Künstlernamen wie Klaus Balke, Hubert Schaffmeister und Jochem Pechau. (kb, 18.6.20)

Köln-Nippes, St. Hildegard in der Au (Bild: Elke Wetzig, CC BY SA 4.0, 2020)

Köln-Nippes, St. Hildegard in der Au (Bild: Elke Wetzig, CC BY SA 4.0, 2020)

Köln-Nippes, St. Hildegard in der Au (Bild: © Raimond Spekking, CC BY SA 4.0, 2020)

Köln-Nippes, St. Hildegard in der Au (Bild: © Raimond Spekking, CC BY SA 4.0, 2020)

Köln-Nippes, St. Hildegard in der Au (Bild: © Elke Wetzig, 2020)

Köln-Nippes, St. Hildegard in der Au (Bild: © Elke Wetzig, 2020)

Titelmotiv: Köln-Nippes, St. Hildegard in der Au (Bild: wiki06, CC0 1.0, 2020)

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