Köln

Köln, Kirche Johannes XIII. (Bild: © Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, 2013)

Köln hört die Signale

Kerngeschäft der Kölner Gesellschaft für Neue Musik sind eigentlich zeitgenössische Klänge und experimentelle musikalische Versuchsanordnungen. Mit „Béton brut & bruits“, „einer Konzertreihe zu und in brutalistischer Architektur“, entdeckt die Vereinigung von Kölner Komponisten und Musikern jetzt Bauwerke der Nachkriegsmoderne als neue Konzertorte. Verstanden werden darf das Projekt aber auch als Hinweis auf den künstlerischen Wert gerade brutalistischer Bauten. Denn sie verdienen „Besseres (…) als die Abrissbirne“, wie der Komponist und Mitorganisator der Veranstaltungsreihe Roman Pfeifer betont.

Los geht es heute, am 22. November 2018, mit zwei Konzerten in der 1968/69 errichteten Kirche Johannes XXIII. Zu hören sind ein AMPICO Player Piano, das selbsttätig komplexe Musik von Conlon Nancarrow und James Tenney hervorbringt, und das composers slide quartet mit Musik für vier Posaunen. Am 24. November spielt der Schlagzeuger Emil Kuyumcuyan im Hörsaalgebäude der Uni Köln – unter anderem Musik des auch als Architekt ausgebildeten Iannis Xenakis. Schließlich folgt am 21. Dezember noch ein Abend mit dem Ensemble hand werk im nicht brutalistischen, aber dennoch sehenswerten Kunstraum Fuhrwerkswaage. Vor den Konzerten gibt es an den Spielstätten jeweils kurze Rundgänge („Beton-Sichtung“), mit denen der Arbeitskreis Nachkriegsmoderne im Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz die Reihe begleitet. (ak, 22.11.18)

Köln, Kirche Johannes XIII. (Bild: © Raimond Spekking, CC BY SA 4.0, 2013)

Flughafen Köln-Bonn (Bild: Qualle, GFDL oder CC-BY-SA-3.0)

Gesucht: Die Bonner Republik

1949 wurde Bonn „Regierungssitz“ der jungen Bundesrepublik. Ein Provisorium, das zum „Provisorium in Permanenz“ wurde, da die Stadt sich erst ab 1970 „Bundeshauptstadt“ nennen durfte. Bonn hatte nichts von einer Metropole, von einer „Hauptstadt“ an sich. Doch in Nordrhein-Westfalen entwickelte sich im Laufe der Zeit eine „Hauptstadtregion“: Die Landeshauptstadt Düsseldorf diente als wirtschaftlich-kulturelles Oberzentrum. Köln trug als Medien- und Kulturzentrum, Sitz des Erzbistums und Standort vieler Lobbyverbände wesentlich zu dieser Hauptstadtregion bei. Ab den 1960er Jahren kam Brüssel als europäische Hauptstadt mit hinzu.

Die Tagung „Die Bonner Republik“, die in Bonn am 18. Oktober 2019, in Düsseldorf am 22. November 2019 stattfinden soll widmet sich der Herausbildung der „Hauptstadtregion“ nach 1949. Ein Thema, mit dem sich Forschungsgruppe zur „Bonner Republik“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des dortigen An-Instituts „Moderne im Rheinland“ in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland schon länger beschäftigen. Gesucht werden noch Themenvorschläge zu diesen Schwerpunkten: die Dynamiken dieser Entwicklung, die damit verbundenen Vorstellungen von „Hauptstadt“, das Verhältnis zum Begriff „Nation“, die Selbst- und Fremdbilder, die Kulturpraktiken und künstlerischen Entwürfe, der Einfluss der Region, die Netzwerke, was vor Ort vorhanden war und was erst hinzugewonnen werden musste. Einsendungen (Abstracts von einer Seite) sind willkommen bis zum 25. November 2018 unter: grande@phil.hhu.de. (kb, 11.10.18)

Flughafen Köln-Bonn (Bild: Qualle, GFDL/CC BY SA 3.0)

Dortmund, WestLB-Bank (Bild: Lucas Kaufmann, CC BY SA 4.0, 2015)

Tipps zum TofD: Brutales an Rhein und Ruhr

Beton satt gibt es zum TofD an Rhein und Ruhr zu entdecken. In Köln präsentiert der Rundgang des AK Nachkriegsmoderne im Rheinischen Verein (mit Tobias Flessenkemper und Martin Bredenbeck) „Funktional, rational, brutal?“ Bauten der Universität Köln. Treffpunkt ist das Albertus-Magnus-Denkmal in Köln-Lindenthal. Die Führung (90 Minuten) beginnt am 8. (!) September um 11 Uhr. Nicht minder lohnenswert ist eine Stippvisite in Dortmund bei der ehemaligen WestLB/Dresdner Bank (Kampstraße 45-47, Dortmund). Futuristisch präsentiert sich der von dem Architekten Harald Deilmann 1978 verwirklichte Bau, in dem sich heute das Centrum für Medizin und Gesundheit befindet. Am 9. September ist die Anlage ganztags geöffnet, eine Führung wird um 15 Uhr durch Dipl.-Ing. Katrin Lichtenstein, TU Dortmund und Christoph Wimmeler (Projektmanager DOC) angeboten (Treffunkt: am Eingang DOC).

Unser dritter Tipp führt nach Düsseldorf zur Kunsthalle (Grabbeplatz 4, Düsseldorf). Der 1967 von Beckmann und Brockes erbaute Betonkubus bildet in Düsseldorfs eines der selten gewordenen Zeugnisse brutalistischer Architektur. Der Bau ist von 11 bis 18 Uhr geöffnet, um 15 Uhr wird eine Architekturführung angeboten durch Pilar Lennertz (Kontakt: Katharina Sawatzki, Kunsthalle Düsseldorf, 0211 86393455, sawatzki@kunsthalle-duesseldorf.de). (kb, 2.9.18)

Dortmund, WestLB-Bank (Bild: Lucas Kaufmann, CC BY SA 4.0, 2015)
Düsseldorf, Tausendfüßler (Bild: Johann H. Addicks, GFDL oder CC BY SA 3.0 oder GFDL 1.2)

Von Tausendfüßler bis Laubfrosch

Wenn es ein modernes Bauwerk zum Spitznamen gebracht hat, ist schon viel erreicht: Viele Menschen identifizieren sich damit. Doch auch derart geadelte Zeugen der Nachkriegszeit sind vor der Abrissramme nicht gefeit, wie z. B. die liebevoll „Tausendfüßler“ benannte Düsseldorfer Hochstraße belegt. Um solchen Verlusten künftig entgegenzuwirken, hat der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz jetzt eine Tagung aufgelegt. Unter dem Titel „Tausendfüßler, Laubfrosch und andere Charaktermonster“ geht es am 6. September 2018 in Köln um „das Erbe der Nachkriegsmoderne in der Europäischen Stadt“.

Nach einführenden Begrüßungen sprechen Prof. Dr. Hiltrud Kier (Universität Bonn), Dr. Ulrich Krings (Rheinischer Verein) und Alexander Kleinschrodt M. A. (Werkstatt Baukultur Bonn) zu grundlegenden Aspekten des Kampfes um die Nachkriegsmoderne. Anschließend bieten Infostände und Workshops Gelegenheit zum Austausch und zur Vertiefung. Zuletzt diskutieren auf dem Podium, unter der Moderation von Tobias Flessenkemper, Oliver Elser (Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt), Anke von Heyl (Brutalismus im Rheinland, Köln), Jens Voss (Rheinische Post, Krefeld), Sarah Philipp MdL (Landtag NRW (angefragt), Düsseldorf) und Prof. Dr. Matthias Müller (Rheinischer Verein, Mainz). moderneREGIONAL freut sich darauf, die Veranstaltung mit Infostand und in den Workshops unterstützen zu können. Wir sehen uns in Köln! (kb, 31.7.18)

Düsseldorf, Tausendfüßler (Bild: Johann H. Addicks, GFDL, CC BY SA 3.0 oder GFDL 1.2)

Köln, Bastei, 2008 (Bild: Superbass, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Wem gehört die Kölner Bastei?

Wer in Köln am Rheinufer flanieren möchte, kommt an ihr nicht vorbei: 1924/27 wurde die Bastei mit ihrem expressionistisch gezackten Aussichtslokal nach Entwürfen von Wilhelm Riphahn auf eine ältere Befestigungsanlage aufgepfropft. Auch nach Kriegsschäden hielt man am beliebten Konzept fest und ermöglichte bis 1958 den Wiederaufbau in alter Form. Doch ab 1997 konnte die Bastei nur noch zu Veranstaltungen gemietet bzw. betreten werden – die Öffentlichkeit musste draußen bleiben. 2017 kam Bewegung in die Diskussion um die Zukunft der Bastei: Die KölnKongress-Gastronomie GmbH übernahm die Bewirtschaftung des Kulturdenkmals von einem privaten Gastronomen.

Am 3. Mai beriet der Kölner Rat über einen Antrag von CDU, Grünen und der Ratsgruppe GUT: CDU und Grüne plädierten für den Rückkauf der Bastei durch die Kommune, während sich die FDP für einen noch zu suchenden privaten Investor aussprach. Die Linke hingegen sah den Bau bei der Koelnmesse gut aufgehoben. Die SPD wollte verstärkt über die Rolle der Bastei in die geplante Neugestaltung des linken Rheinufers sprechen. Einig war man sich darin, dass der Bau bald wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte. Am Ende stand daher der Ratsbeschluss, die Bastei an die eigenbetriebsähnliche Einrichtung „Veranstaltungszentrum Köln“ zu überführen. (kb, 8.5.18)

Köln, Bastei, 2008 (Bild: Superbass, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Peter Behrens, Kaiser’s Kaffeekanne mit Zubehör, 1914 (Bild: MAK Köln)

Und Peter Behrens lächelt

Nicht nur die gut gelaunte Kanne von Kaiser’s Kaffee, auch das AEG-Waben-Logo, der Schriftzug „Dem Deutschen Volke!“ am Berliner Reichstag und viele weitere Entwürfe des Künstlers Peter Behrens haben sich tief ins kulturelle Gedächtnis der deutschen Moderne gegraben. Am 14. April 2018 feiern wir den 150. Geburtstag des großen Gestalters und Architekten. Das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) zeigt aus diesem Anlass vom 17. März bis zum 1. Juli die Ausstellung „#alleskönner. Peter Behrens zum 150. Geburtstag“. Zur Eröffnung der Künstlerkolonie auf der Darmstädter Mathildenhöhe war Behrens mit seinem als Gesamtkunstwerk durchgestalteten Atelierhaus international bekannt geworden. In der Folgezeit entwickelte er beispielsweise das – von der Turbinenhalle bis zum Wasserkessel reichende – „Corporate Design“ für die Delmenhorster Linoleumfabrik Anker-Marke und ab 1907 für die Berliner AEG.

Einen Höhepunkt seiner Bekanntheit erreichte Behrens wohl 1914 mit der Werkbund-Ausstellung in Köln. So steht diese Schaffensphase, der Wandel vom Jugendstil hin zur frühen modernen Sachlichkeit, auch im Mittelpunkt der aktuellen Kölner Behrens-Ausstellung. In acht Themenräumen gibt es rund 230 Objekte zu sehen, darunter Exponate aus der eigenen Sammlung, hochkarätige Leihgaben aus anderen Instituten sowie Objekte aus Privatsammlungen, die damit teilweise erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. (kb, 15.3.18)

Peter Behrens, Kaiser’s Kaffeekanne mit Zubehör, 1914 (Bild: MAK Köln)

Maria Schwarz, geborene Lang (Bild: Copyright Elke Wetzig, CC BY SA 3.0)

Maria Schwarz ist gestorben

Sie wurde lange immer in einem Atemzug mit ihrem Mann genannt – doch Maria Schwarz, geborene Lang, war viel mehr als die Frau an der Seite des legendären Kirchen- und Städtebauers Rudolf Schwarz. Geboren am 3. Oktober 1921 in Aachen, studierte Maria Lang in ihrer Heimatstadt in den Kriegsjahren Architektur. Nach ihrem Abschluss 1946 war sie u. a. als Mitarbeiterin von Hans Schwippert tätig. Ihr Wechsel zur Kölner Wiederaufbaugesellschaft brachte sie endgültig in den Kreis von Architekturgrößen wie Fritz Schaller, Gottfried Böhm, Karl Wimmenauer und natürlich Rudolf Schwarz, den sie nach zwei Jahren heiraten sollte.

In dieser Arbeits- und Lebensgemeinschaft war Maria Schwarz vom Entwurfsprozess bis zur Ausstattung beteiligt an zahlreichen (nicht nur) Kirchenbauten. Nach dem Tod ihres Manns 1961 führte sie das Büro weiter, vollendete Projekte, widmete sich dem Erhalt, den Um- und Neugestaltungen der Schwarz-Kirchen – spätestens nachdem sie mit dem Abriss der Berliner Raphaelskirche den Verlust eines ihrer „Kinder“ erleben musste. Weiterhin war sie auch als eigenständige Entwerferin tätig, u. a. für die Gestaltung von liturgischen Orten und  Orgelprospekten. Zudem lehrte sie an der TU München im Fach Sakralbau. Maria Schwarz starb gestern in Köln im Alter von 96 Jahren. (db/kb, 16.2.18)

Maria Schwarz, geborene Lang (Bild: Copyright Elke Wetzig, CC BY SA 3.0)

Köln, Ulrich-Haberland-Haus (Bild: Stadt Köln)

Köln: Brandschutzkeule überm Haberland-Haus

Seit bald 18 Jahren steht das denkmalgeschützte Ulrich-Haberland-Haus im Schlosspark Köln-Stammheim leer. Es wurde 1952 von der Bayer AG als Alterssitz für ehemalige Mitarbeiter erbaut. Das Gebäude ersetzte das im Krieg zerstörte spätbarocke Schloss der Reichsfreiherren von Fürstenberg-Stammheim; ein erhaltenes Portal wurde als Reminiszenz im Haberland-Haus verbaut. Bayer gab in den 1980ern die 120 Zimmer fassende Wohnanlage auf und verkaufte sie an die Stadt, die sie bis 2000 als Studentenwohnheim nutzte. Seither wird um ihre Zukunft debattiert. Viele potentielle Investoren wie Architekten sehen die Ursache der Verzögerung eher bei der Stadtverwaltung: Es gab etliche Entwürfe, teils schon konkret angekündigt, jedoch wurden sie nie realisiert. Zumindest ein Abriss des von Vandalismus gezeichneten Baus scheint vom Tisch. Scheint …

Nach sechs Jahren ohne Nutzung war der Bestandsschutz der nicht mehr vorschriftsgemäßen Brandschutzeinrichtungen erloschen. Mit einem Investorenwettbewerb will die Stadt nun für neues Leben im ruinösen Bau sorgen. Zunächst sollen Interessenten „Grobkonzepte“ vorlegen – so solle sich zeigen, ob ein „sich selbst tragender Erhalt bei sinnvoller Nutzung“ möglich sei. Im zweiten Schritt müssen dann die Preisangebote auf den Tisch. Spätestens dabei kommt dann wohl zu tragen, dass die Stadtverwaltung selbst auch bei erneuter Prüfung keine Chance sieht für den veralteten Brandschutz. Es wird in jedem Fall eine neue Baugenehmigung benötigt. (db, 21.1.18)

Köln-Stammheim: Ulrich-Haberland-Haus (Bild: Stadt Köln)

Sitzmöbel von Egon bis Eiermann

Bevor er mit eleganten Konzernzentralen für Neckermann und Co. berühmt wurde, war der Architekt Egon Eiermann (1904–1970) bereits Ende der 1940er Jahre im Industrie- und Wohnungsbau unterwegs. Die Folgestationen sind ikonisch: der Brüsseler Weltausstellungspavillon mit Sep Ruf, der Wiederaufbau der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und der Bonner Lange Eugen. Aber auch im nachkriegsmodernen Möbeldesign hinterließ Eiermann unübersehbare Spuren. Ohne den Klappstuhl SE 18, den Stahlrohrstuhl SE 68 oder den Korbsessel E 10 hätte so manchem Firmenfoyer, Forschungsinstitut und so Gutbetuchtenwohnzimmer der international wirkende Glanzpunkt gefehlt.

Dafür erprobte und bog Eiermann, in enger Kooperation mit Möbelherstellern, Holz- und Stahlrohrgestelle, Formholzsitze, Gurt- oder Korbbespannungen, Korbsessel und -sofas und vereinzelt sogar Kunststoffschalen. Zu den ersten Studenten seiner Karlsruher Lehrtätigkeit zählte der junge Oswald Mathias Ungers, weshalb sich auch das Kölner Ungers-Archiv für Architekturwissenschaft (UAA) des Themas besonders angenommen hat. Die Ausstellung „Der Stuhl des Architekten. Sitzmöbel von Egon Eiermann“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) am Karlsruher Institut für Technologie. Die Präsentation ist noch bis zum 9. Februar in Köln (UAA, Belvederestraße 60, 50933 Köln) zu sehen. (kb, 16.1.18)

Egon Eiermann, Korbsessel E 10 (Copyright: Foto Horst Horstheinz Neuendorff)

Werner Mantz Café Wien, Köln, 1929 Bromsilberdruck Museum Ludwig, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Werner Mantz in Köln

Werner Mantz ist einer der prominentesten Architekturfotografen der Weimarer Republik. In seinen Fotografien verewigte er ab 1926 das Neue Bauen in seiner Kölner Variante. Architekten wie Wilhelm Riphahn, Peter Franz Nöcker oder Caspar Maria Grod schätzten seine Arbeit. Weitgehend unbekannt, obwohl nicht weniger qualitätsvoll, sind dagegen Mantz Portätfotografien. Die Sonderausstellung „Werner Mantz. Architekturen und Menschen“ im Museum Ludwig schließt diese Lücke und zeigt bis zum 21. Januar 2018 Mantz‘ Werk in seiner vollen Bandbreite.

1932 eröffnete er in Maastricht ein Atelier und widmete sich der Portätfotografie. Bereits in den frühen 1920ern hatte er zahlreiche Vertreter der intellektuellen Szene in Köln porträtiert. 1938 siedelte Mantz, der wegen seiner jüdischen Wurzeln in Deutschland um sein Leben fürchten musste, gänzlich in die Niederlande über. Die Portätaufnahmen aus der Maastrichter Zeit wurden bislang noch nie ausgestellt. Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Museums Ludwig mit dem Nederlands Fotomuseum in Rotterdam, das den umfangreichen Bestand von Mantz‘ Fotografien aus den Niederlanden bewahrt. (jr, 18.10.17)

Werner Mantz, Café Wien, Köln, (Bild: © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Rheinisches Bildarchiv Köln)

Portland, Supermarkt (Bild: lyzadanger, CC BY SA 2.0)

Der erste Supermarkt

Wie das so ist mit den Superlativen, irgendwer war immer früher. Da gab es schon 1949 diesen „Blauen Laden“ in Augsburg, bei dem die Selbstbedienung angepriesen wurde. Und die Amerikaner, die haben das Prinzip ja quasi schon auf der Mayflower erfunden. Doch in Köln-Ehrenfeld, wo der Unternehmer Herbert Eklöh am 26. September 1957 seinen „Laden“ in der Rheinlandhalle eröffnete, soll die Sache mit dem Supermarkt zum ersten Mal auf bundesdeutschen Boden so richtig groß aufgezogen worden sein: 200 Quadratmeter Verkaufsfläche, 200 Parkplätze, 160 Regalmeter, 60 Meter Kühltheken.

Was in der DDR bescheidener Kaufhalle heißen sollte, traf im amerikaorientierten Westen einen Nerv. Die Ladenbesitzer verkauften das Weniger an Service als Mehr an Freiheit, versprachen den Wirtschaftswunderkunden mehr Auswahl bei weniger Zeitaufwand. Der Kölner Supermarktpionier Eklöh eröffnete bereits 1938 einen größeren Selbstbedienungsladen in Osnabrück, der sich allerdings – mag es am Zeitpunkt oder am Standort gelegen haben – nicht hatte durchsetzen können. Von Köln aus jedoch bediente und befeuerte Eklöh, Konsul von Mexiko, klug den Trend. Seine Filiale auf Kuba verkaute er zum rechten Zeitpunkt noch an die Amerikaner. Seine 24 deutschen Supermärkte gab er an ein Konsortium (Horten, Hertie, Kaufhof, Karstadt) – und saß dort fortan im Aufsichtsrat. (kb, 5.10.17)

Portland, Supermarkt (Bild: lyzadanger, CC BY SA 2.0)

 

Liebe-Deine-Stadt-Museum, Architekt: BeL Sozietät für Architektur, Bauherr: Merlin Bauer, Köln (Fotos: Veit Landwehr)

50 Jahre Kölner Architekturpreis

Er zählt zu den ältesten deutschen Architekturpreisen: 2017 feiert der Kölner Architekturpreis sein 50-jähriges Bestehen und wurde gerade zum dreizehnten Mal verliehen. Im Blick der Jury sind vorbildliche Bauwerke (Neubau, Umbau, Ausbau), städtebauliche Anlagen, Freianlagen und Interventionen im öffentlichen Raum in Köln und Umgebung. Die Auszeichnung will dazu beitragen, das öffentliche Bewusstsein für Baukultur zu schärfen und die kulturelle Relevanz des Planens und Bauens zu verdeutlichen.

Gestern wurden die Preisträger 2017 bekanntgegeben. Darunter Neubauten wie das Erzbischöfliche Berufskolleg in Köln-Sülz (3pass Architekt/innen, Kusch Mayerle BDA), das :envihab – Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin (Glass Kramer Löbbert Architekten mit Prof. Uta Graff) oder die Neuordnung östliche Domumgebung Köln (Allmann Sattler Wappner Architekten) – und das mobile Liebe-Deine-Stadt-Museum, entworfen von BeL Sozietät für Architektur. Gelobt wird der mobile Pavillon für seine „Belebung des Stadtbildes“, die „feingliederigen Kolonaden und die Leichtigkeit der Überdachung“. Die Initiative „Liebe Deine Stadt“ wärmt seit Jahren das Herz der Kölner für ihre Nachkriegsbauten. Zum runden Geburtstag des Architekturpreises ist zudem eine Ausstellung erstellt worden. Zu sehen ist die Präsentation noch bis zum 27. September täglich von 11 bis 18 Uhr im Kölnischen Kunstverein (Hahnenstraße 6, 50667 Köln), der Eintritt ist frei. (kb, 23.9.17)

Liebe-Deine-Stadt-Museum, Architekt: BeL Sozietät für Architektur, Bauherr: Merlin Bauer, Köln (Fotos: Veit Landwehr)