Bremen: Elefant wieder gesund

Bremen: Elefant wieder gesund

Fritz Behn: Elefant (Bild: Godewind, CC-By-SA 3.0)
Da harrte er noch der Sanierung: der Elefant im Bremer Nelson-Mandela-Park (Bild: Godewind, CC BY SA 3.0)

Der älteste Elefant der Welt lebte dem Vernehmen nach in einem Zoo in Taipeh und starb im gesegneten Alter von 86 Jahren. In Bremen schickt sich nun ein steinerner Verwandter an, diesen Rekord zu brechen – mit besten Aussichten. Die denkmalgeschützte  Elefantenskulptur im Nelson-Mandela-Park in der Hansestadt wurde in den letzten Monaten umfassend saniert und kann seiner Zukunft nun gelassen entgegen blicken.

Das Elefantengedächtnis des steinernen Riesen kann auf eine wechselhafte Geschichte zurückblicken. Vom Bildhauer Fritz Behn und dem Architekten Otto Blendermann entworfen, sollte das 1932 eingeweihte Denkmal ursprünglich in revanchistischer Absicht an die ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika erinnern. 1990 wurde der Elefant zum Antikolonialdenkmal umgewidmet, 2009 um ein Hererodenkmal in Sichtweite ergänzt. In den letzten Jahren plagte den Dickhäuter das Zipperlein: die zunehmende Durchfeuchtung des Denkmals drohte, es bei Frost förmlich zu sprengen. Diese Gefahr ist nun gebannt, so dass der rüstige Rentner seinen anstehenden 85. Geburtstag in alter Frische begehen kann. (jr, 6.2.17)

Spätkoloniale Moderne

Spätkoloniale Moderne

Spätkoloniale Moderne (Bild: Birkhäuser Verlag)

Le Corbusier, Ernst May und Frank Lloyd Wright – sie alle verbindet der Weltruhm in der klassischen Moderne. Ihre Bauprojekte in Europa und Nordamerika begeisterten Zeitgenossen wie Spätgeborene. Für die jüngst erschienene Monographie von Regina Göckede ist dies jedoch eher zweitrangig. Sie nimmt stattdessen die oft kaum bekannte Tätigkeit der Architekten in den ehemaligen Kolonien Europas in den Blick.

So plante die französische Regierung in den 1930er Jahren, Algier zu einer modernen Metropole nach europäischen Maßgaben zu transformieren, einer „Hauptstadt des französischen Afrikas“. Le Corbusier befasste sich hierfür fast zehn Jahre mit städtebaulichen Entwürfen. Auch Ernst May, seit 1934 Emigrant in Ostafrika, suchte die koloniale Idealstadt. Mitte der 1940er Jahre plante er für die britische Kolonialverwaltung eine Erweiterung für Ugandas Hauptstadt Kampala. Frank Lloyd Wright schließlich entdeckte Bagdad als Schaffensfeld. Der Band stellt die Arbeit dreier Modernisten in Afrika bzw. dem Nahen Osten vor. Dabei dekonstruiert er jedoch den Mythos einer per se moralisch integren Moderne. Neben Bauten und Planungen werden auch die Entstehungsbedingungen beleuchtet, die Verflechtungen mit den imperialen Bestrebungen der europäischen Kolonialmächte offenbaren. Lesenswert! (jr, 8.1.17)

Göckede, Regina, Spätkoloniale Moderne. Le Corbusier, Ernst May, Frank Lloyd Wright. The Architects Collaborative und die Globalisierung der Architekturmoderne, Birkhäuser Verlag, Basel 2016, ISBN 978-3-03821-123-5.

Moderne in Afrika

Moderne in Afrika

Moderne in Afrika (Bild: Reimerverlag)
Moderne in Afrika (Bild: Reimerverlag)

Das ostafrikanische Eritrea war in den Jahren 1889 bis 1941 Teil des italienischen Kolonialreichs. Erst der Einsatz alliierter Truppen im Zweiten Weltkrieg beendete diese Fremdherrschaft, die zuletzt von Mussolinis Faschisten ausgeübt wurde. In den vorangegangenen 50 Jahren prägte sie das Land maßgeblich, nicht zuletzt auf den Gebieten Stadtplanung und Architektur. Besonders die Hauptstadt Asmara wurde zum Spielfeld italienischer Baumeister, die das Land in kolonialer Manier als gigantisches Laboratorium adaptierten, ohne lokale Bautraditionen zu berücksichtigen. Eine jüngst erschienene Monografie nimmt diesen bislang kaum berücksichtigten Teil der Moderne ausführlich in den Blick.

In Asmara finden sich bis heute zahlreiche bauliche Zeugnisse der kolonialen Vergangenheit Eritreas. Avantgardistisch anmutende Bauten zeigen eine Spielart der Moderne, die für europäische Verhältnisse vielleicht zu radikal gewesen wäre, im kolonialen Kontext jedoch den rigorosen kulturellen Führungsanspruch der Kolonialherren verdeutlichte. Die Autorin wertete für die Untersuchung bislang unberücksichtigte Quellen und Archivalien aus, die tieferen Aufschluss über Moderne und Nationalismus als Strategien kolonialer Entwicklung, die koloniale und später faschistische Raumorganisation in Eritrea und die Entwicklung einer neuen Identität in Asmara ermöglichen. (jr, 6.6.16)

Bader, Simone, Moderne in Afrika. Asmara – Die Konstruktion einer italienischen Kolonialstadt 1889 – 1941, Reimer Verlag, Berlin 2016, 200 Seiten, Hardcover, ISBN 978-7861-2759-8.