Kommunismus unter Denkmalschutz?

Mit jedem Gebäude stellt man auch ein Stück seiner Enstehungszeit unter Schutz. Ein Problem, das sich prinzipell bereits bei Kreuzfahrer-Ordenskirchen, absolutistischen Schlössern und nationalsozialistischen Verwaltungsbauten stellte. Nach 1990 wurde diese Frage dann für Objekte der DDR-Zeit kontrovers diskutiert. Da wurde teils der Systemstreit der kalten Krieger neu aufgelegt, präventiv abgerissen, neutralisierend eingelagert oder – im besten Falle – abgewartet. Mit den Jahren rückte dann der historische Wert, die Frage der Erhaltung dieser Zeugnisse der Ostmoderne in den Blick.

Vor diesem Hintergrund erschien 2018 in der Wernschen Verlagsgesellschaft der Sammelband „Kommunismus unter Denkmalschutz?“. Die Beiträge drehen sich um zeithistorische und denkmalpflegerische Aspekte und deren Wandlung im Umgang mit Denkmälern der DDR-Zeit. Dabei zeichnen die Autoren die gesellschaftlichen Prozesse nach, die sie „im Sinne einer historischen Aufklärung aktiv begleitet und moderiert“ wissen wollen. (kb, 26.3.19)

Danyel, Jürgen/Drachenberg, Thomas/Zündorf, Irmgard (Hg.), Kommunismus unter Denkmalschutz? Denkmalpflege als historische Aufklärung, Wernsche Verlagsgesellschaft, Worms 2018, Hardcover, 180 Seiten, ISBN: 978-3-88462-384-8.

Sockel des ehemaligen sowjetischen Ehrenmals mit Schneelader – nahe der Grenzübergangsstelle Drewitz/Dreilinden (Panzerdenkmal) (Bild: Lichterfelder, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2013)

Sites of Memory of Socialism

25 Jahre nach dem Fall der Mauer ist die Geschichte von Sozialismus und Kommunismus in der europäischen Erinnerungskultur nach wie vor umstritten. In einigen Ländern des ehemaligen „Ostblocks“ wird diese Vergangenheit als Abgrenzungsfolie für nationale Identitätsentwürfe genutzt. Andernorts sind Tendenzen nostalgischer Erinnerung an das Leben vor 1989 bzw. 1991 zu beobachten. In manchen Staaten West- und Mitteleuropas scheint man schließlich ganz zu vergessen, wie die eigene Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert von sozialistisch-kommunistischen Bewegungen geprägt wurde. Von einer gemeinsamen Erinnerungskultur an die Geschichte von Sozialismus und Kommunismus ist Europa heute noch weit entfernt.

Daher widmet sich die internationale Konferenz „Sites of Memory of Socialism and Communism in Europe“ in Münchenwiler bei Bern (Schloss Münchenwiler, Kühergasse 7, 1797 Münchenwiler), veranstaltet vom Historischen Institut der Universität Bern vom 3. bis 6. September 2015 den europäischen Erinnerungskulturen an Sozialismus und Kommunismus vom späten 19. bis ins frühe 21. Jahrhundert. Im Mittelpunkt stehen „Orte der Erinnerung“: ebenso „authentische“ geografische bzw. topographische wie künstlich geschaffene Orte des Erinnerns und Gedenkens, Geschichts-Museen oder metaphorische „Orte“ im symbolischen Raum. Wie wurde zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit dem symbolischen Erbe umgegangen? Welche Bedeutung wurde oder wird den diesen „Orten der Erinnerung“ zugeschrieben? Das Tagungsprogramm ist online einsehbar. (kb, 13.8.15)

Lenin grüßt von ganz oben: Schukos Entwurf für den „Palast der Sowjets“ in Moskau (Bild: PD)

Piktogramme der Macht

Arno Breker, "Die Partei" (Bild: DIREKTOR)
Arno Breker, „Die Partei“ (Bild: DIREKTOR)

Welche Bilder nutzten moderne Diktaturen? Vom 28. bis 29. Mai 2015 folgt eine Münchener Tagung „Piktogramme der Macht“ dieser Frage. Die Hanns-Seidel-Stiftung München und die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig wollen gemeinsam die politischen Bildzeichen des Nationalsozialismus und Kommunismus untersuchen. Denn deren Ästhetik und Symbolik waren, so die These, für die Propaganda der beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts entscheidend.

Bis zum 30. November 2014 können noch Themenvorschläge für die Tagung eingesandt werden. Mögliche Schwerpunkte sind: Ästhetik, Form- und Farbikonographie dieser Bildzeichen von der Hoch- bis zur Trivialkunst; Mechanismen der Auswahl von Motiven; Rückgriff auf ältere politische oder christliche Bildzeichen; die Einbindung politischer Bildzeichen in zeremonielle Vorgänge u. v. m. Die interdisziplinäre Tagung richtet sich besonders an (Kunst-, Design-, und Wirtschafts-)Historiker. Die Vorträge sollen nicht länger als 30 Minuten dauern, Reise- und Unterbringungskosten können nicht erstattet werden. Exposés von max. 1,5 Seiten werden bis zum 30. November 2014 erbeten an: Dr. Annelies Amberger M. A. und Prof. Dr. Johannes Tripps, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) , Karl-Liebknecht-Straße 145, 04277 Leipzig, johannes.tripps@htwk-leipzig.de und dr-amberger@mnet-mail.de. (kb, 1.11.14)