Krefeld

Thomas Schütte, Pavillon (Bild: Luise Heuter)

Krefeld: Ein Pavillon fürs Bauhaus

Anfang Februar besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner den „Krefelder Pavillon“, eine Gebäudeskulptur zu Ehren der besonderen Beziehung der Stadt zum Bauhaus: An kaum einem anderen deutschen Ort waren zwischen den 1920er und 1960er Jahren so viele Bauhaus-Meister und -Absolventen gleichzeitig tätig. Die hier ansässige Seidenindustrie und ihre führenden Fabrikanten förderten ein besonderes Interesse an Kunst, Design und Lehre des Bauhaus. Unter den überregional bekanntesten Bauten sind vor allem zu nennen: die von Mies van der Rohe für Krefelder Auftraggeber entworfenen Villen Haus Lange und Haus Esters sowie sein einziger Industriebau, den er für die Verseidag schuf.

Das Projekt MIK (Mies van der Rohe in Krefeld) e. V. widmet sich in diesem Forschungs- und Ausstellungsvorhaben den vielfältigen Verbindungen der Krefelder Seidenindustrie zum Bauhaus und seinen Künstlern. Das MIK-Projekt „map2019 – Bauhaus-Netzwerk Krefeld“ wurde von Nordrhein-Westfalen als „Leuchtturmprojekt“ des Landes in den Bauhaus-Verbund zum Jubiläumsjahr eingebracht. Für diese Projekt schuf der Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte mit seinem „Krefeld Pavillon“ einen besonderen Ausstellungsort. Und das große Plus: Schüttes „Krefeld Pavillon“ finden Sie ganz in der Nähe der Museen Haus Lange und Haus Esters, nur einen fünfminütigen Fußweg davon entfernt. (kb, 12.2.19)

Thomas Schütte, Modell für den „Krefelder Pavillon“ (Bild: Luise Heuten)

Kalender "Bauhaus 2019" (Foto: Sebastian Wanke)

Bauhaus aus der Luft

Weihnachten ist auch dieses Jahr wieder am 24. Dezember – daher haben wir wieder einen Geschenketipp für Sie: ein saisonaler Wandschmuck mit Luftfotografien zum Thema Bauhaus. Der Fotograf Sebastian Wanke nahm das Jubiläumsjahr 2019 zum Anlass für 13 Luftbilder. So werden die technischen und gestalterischen Entwicklungen in graphischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf ganz neue Weise erfahrbar. Der Kalender (20 x 30 cm, 330-Gramm-Papier) entstand in Kooperation mit Philipp Specht in einer limitierten Auflage von 200 Exemplaren, die Bestellung ist direkt möglich über selekkt. Ein Plus: In den Kalender wurden schon die wichtigsten Bauhausdaten und die Geburtstage der dortigen Meister eingetragen.

Und, passend zum Jubiläumsjahr, steht auch eine Krefelder Tagung ganz im „Zeichen des Bauhauses“: Im Kaiser-Wilhelm-Museum geht es vom 3. bis 4. Mai 2019 um „Kunst und Technik 1919-2019“. Für diese Jahrestagung der Gesellschaft für Designgeschichte e. V. werden noch Themenvorschläge gesucht – unter dem Motto von Walter Gropius zur ersten Bauhaus-Ausstellung 1923 im Haus Am Horn in Weimar, „Kunst und Technik – eine neue Einheit“. Abstracts (350 bis 400 Wörter und eine Kurzbiografie) für einen thematisch passenden Vortrag sind willkommen bis zum 7. Januar 2019 unter: info@gfdg.org. (kb, 3.12.18)

Labor des modernen Designs: Werkstatt im Bauhaus Dessau, 1926 (Bild: Bauhaus-Universität Weimar, Archiv der Moderne, Fotograf unbekannt)

„Mit der realen Welt auseinandersetzen“

„Ich würde es für einen Fehler ansehen, wenn sich das Bauhaus nicht mit der realen Welt auseinandersetzt“, schrieb Walter Gropius 1921. Sein Ziel war es, dass Studium und praktische Ausbildung die Studierenden optimal auf die Anforderungen eines späteren Arbeitslebens vorbereiten. Dazu gehörte nicht zuletzt die Zusammenarbeit der Bauhaus-Werkstätten mit der Industrie. Gropius führte daher am Bauhaus den transdisziplinären Unterricht und die sowohl praktische als auch künstlerische Ausbildung in eigenen Werkstätten ein. Sie wurden zu „Produktivbetrieben“ erweitert, in denen auch Aufträge ausgeführt, Einzelstücke und Kleinserien hergestellt und später Prototypen für die Industrie entwickelt wurden.

Dieser Zusammenarbeit folgt die Tagung „Die Industriekooperationen des Bauhauses – zwischen Innovationswille und Imagewerbung“, Auftaktveranstaltung des Forschungs-, Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekts „map 2019 Bauhaus Netzwerk Krefeld“, vom 16. bis zum 17. November 2018 in Krefeld. Arbeitsthese ist, dass die Firmen diese Kooperation aus Innovationswille und Imagewerbung betrieben, die entweder den Namen „Bauhaus“ instrumentalisieren oder ihn bewusst unkenntlich machen konnte. Gesucht werden noch Beiträge aus den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Kunst- oder Kommunikationswissenschaften, Rechts- oder Betriebswissenschaften zu  Produktionsschwerpunkten wie Weberei/Textil, Keramik, Glas, Möbel oder Metall. Exposés (max. 3.000 Zeichen), Kurzvita und ggf. Publikationsliste sind erbeten per Mail an: info@projektmik.com. (kb, 28.1.18)

Labor des modernen Designs: Werkstatt im Bauhaus Dessau, 1926 (Bild: Bauhaus-Universität Weimar, Archiv der Moderne, Fotograf unbekannt)

Krefeld, Seidenweberhaus (Bild: Postkarte, 1970er Jahre)

Krefeld: Keine Chance für das Seidenweberhaus?

Seit 1948 wird in Krefeld über eine Stadthalle diskutiert: Mit aller Gründlichkeit spielte man zunächst verschiedene Standorte und Funktionsmischungen durch und lobte 1970 gleich zwei Ideenwettbewerbe aus. Die Planungsgruppe „Stappmann Thörissen Winter“ überzeugte mit ihrem Entwurf für den Sprödentalplatz und wurde beauftragt. Parallel entwarf die städtische Bauabteilung für den zweiten Standort, den (später so genannten) Theaterplatz einen Bau auf wabenförmigem Grundriss. 1971 wurde auf politischem Weg der Standort Theaterplatz durchgesetzt. Dafür sollte der wabenförmige Vorentwurf des Bauamts als Grundlage dienen. Das bereits für den (nun verworfenen) Standort Sprödentalplatz beauftragte Planungsteam „Stappmann Thörissen Winter“ lehnte einen Neubau am Theaterplatz ab, so dass der Zuschlag an das Büro „Sippel Trubert Klein“ ging.

1972 konnte das „Seidenweberhaus“ endlich eingeweiht werden – und ist weiterhin Gegendstand der Dsikussion. 2016 erklärte das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland gegenüber der Presse, dass der Bau nicht unter Schutz gestellt werden solle. Die Wabenform sei zeittypisch, aber in diesem Fall nicht künstlerisch außergewöhnlich. Trotzdem wünsche man dem Bau einen „respektvollen Umgang“. Im Gespräch sind nun Neugestaltung, Umnutzung oder Abriss des bestehenden Gebäudes. (kb, 8.7.17)

Krefeld, Seidenweberhaus (Bild: Postkarte, 1970er Jahre)

Krefeld: Experten für Eiermann

Eiermann: Stadthaus Krefeld (Bild: PD)
Das Stadthaus in Krefeld von Egon Eiermann (Bild: PD)

In den Jahren 1951 bis 1953 entstand in Krefeld das Verwaltungsgebäude der Vereinigten Seidenwerke (Verseidag) nach Plänen des Architekten Egon Eiermann. Ende der 1970er Jahre wurde es zum Stadthaus umfunktioniert. Die Zukunft des sanierungsbedürftigen Baus ist trotz Denkmalschutz seit Jahren ungewiss: Sowohl eine Sanierung als auch Abriss und Neubau stehen im Raum. Ein jüngst veröffentlichtes Gutachten spricht sich jedoch für den Erhalt des Gebäudes aus.

Das von der Stadt beauftragte Planerbüro kam zu dem Schluss, dass eine Sanierung des Baus kostengünstiger sei als ein Neubau. Die günstigste Alternative wäre demnach ein Private-Public-Partnership-Modell, bei dem die Stadt nach einer Sanierung durch private Investoren als Mieter des Stadthauses auftreten würde. Diese Lösung soll die Stadt maximal 128 Millionen Euro kosten. Derzeit wird nur noch ein Teil des Stadthauses provisorisch genutzt, die meisten städtischen Angestellten sind in eigens angemieteten Räumen untergebracht. Die Entscheidung über die Zukunft des Eiermannbaus soll noch in diesem Jahr gefällt werden. (jr, 11.7.16)

Bei Mies im Garten

Die Krefelder Häuser Lange und Esthers von Mies van der Rohe stehen bei den 10. Krefelder Architekturtagen im Fokus (Bild: Hans Peter Schaefer, CC-BY-SA 3.0)
Die Krefelder Häuser Lange und Esters von Mies van der Rohe werden umfassend saniert (Bild: Hans Peter Schaefer, CC-BY-SA 3.0)

Das 100-jährige Jubiläum des Bauhaus‘ im Jahr 2019 kommt immer näher. Neben den klassischen Bauhausstädten Weimar, Dessau und Berlin will sich auch Krefeld nicht lumpen lassen und mit einem großzügigen Geburtstagsgeschenk glänzen. Hier befinden sich drei Bauten des ehemaligen Bauhausdirektors Mies van der Rohe. Bis 2019 sollen sie umfassend saniert werden. Jüngst wurde das Pensum nochmals erhöht: Nun sollen auch die Gärten nebst zugehöriger Laube in die Sanierung mit einbezogen werden.

Die geplanten Garten-Arbeiten sollen nach Informationen der Krefelder Zeitung rund 95 000 Euro kosten, von denen ein Großteil aus Fördermitteln des Bundes bestritten wird. Insgesamt lassen sich die Geldgeber das Krefelder Geburtstagsgeschenk 1,3 Millionen Euro kosten. Die Bauarbeiten sollen 2016 beginnen und 2018 abgeschlossen werden. In der letzten Etappe ist die Innenrestaurierung der Villen Haus Esters und Haus Lange geplant. Die hier angesiedelten Museen werden in dieser Zeit vorübergehend geschlossen bleiben. (jr, 11.12.15)