Krematorium

Der unbekannte Peter Behrens

Das Krematorium in Hagen stand bislang im Schatten des Behrens'schen Gesamtwerks (Bild: Klartext-Verlag)
Das Krematorium in Hagen stand bislang im Schatten des Behrens’schen Gesamtwerks (Bild: Klartext-Verlag)

Peter Behrens verbindet man in erster Linie mit seiner Pionierarbeit auf dem Gebiet des Industriedesigns. Im Auftrag der Firma AEG entwarf er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Produktpalette, die in der Folgezeit den Alltag vieler Menschen prägte. Doch nicht nur mit dem Leben, auch mit dem Tod befasste sich Behrens: Eines seiner frühen Projekte was das Eduard-Müller-Krematorium in Hagen, das er 1906 bis 1908 gemeinsam mit Karl Ernst Osthaus baute. Es war das erste Krematorium Preußens. Eine jüngst erschienene Publikation rückt das bislang wissenschaftlich kaum beachtete Bauwerk in den Fokus.

Als das Krematorium 1908 fertiggestellt wurde, war die Feuerbestattung in Preußen gesetzlich noch verboten. Das Bauwerk entwickelte sich trotzdem – oder gerade deswegen – zu einem Besuchermagnet und konnte gegen Eintritt besichtigt werden. Behrens verlieh dem Bau einen überkonfessionellen Charakter, sowohl katholische als auch protestantische Trauernde sollten in der Andachtshalle würdig empfangen werden. Statt eines Bibelverses begrüßte sie hier ein Goethe-Zitat, Figuren und Ornamente hatten keinen direkt religiösen Bezug. Auch mit diesem Bau leistete Behrens Pionierarbeit, 1911 legalisierte das preußische Parlament die Feuerbestattung. (jr, 24.3.015)

Borkopp-Restle, Birgitt/Welzel, Barbara (Hg.), „Eines der wichtigsten Monumente unserer Zeit überhaupt“. Das Krematorium von Peter Behrens in Hagen, Klartext Verlag, Essen 2014, 232 Seiten, ISBN: 978-3-8375-1322-6.

Großer Preis für Axel Schultes

Die Frankfurter Schirn von Axel Schultes (Bild: Warburg)
Ein Blick in die Kuppel der Frankfurter Schirn von Axel Schultes (Bild: Warburg)

Die Anfänge des Architekten Axel Schultes (* 1943) liegen in der Postmoderne. Nach seinem Studium in Berlin gründete er bereits 1972 mit Dietrich Bangert, Bernd Jansen und Stefan Scholz das Architekturbüro BJSS. Neben der Zentralkanzlei der EKD in Hannover stemmte er in diesem Jahren u. a. das Großprojekt der Frankfurter Schirn (1985). Mit der Architektin Charlotte Frank, mit der bereits länger zusammenarbeitete, gründete er 1992 das Büro Axel Schultes Architekten, heute Schultes Frank Architekten.

Seine bekanntesten Projekte liegen in der alten/neuen Hauptstadt: Sein Berliner Kanzleramt (2001), die „Waschmaschine“, wurde zum Zeichen für das wiedervereinte Deutschland. Und für sein Krematorium (1998) wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht – darunter der Architekturpreis Beton und der Deutsche Architekturpreis. Nun erhält er den Großen BDA-Preis für sein Lebenswerk. Verliehen wird die Ehrung am 12. September 2014 anlässlich des 10. BDA-Tags im Kleinen NDR-Sendesaal in Hannover. (kb, 31.7.14)