Architekturgeschichte der Ukraine

Während wir täglich Bilder vom Krieg in der Ukraine, von Toten und Verletzten, zerschossenen Gebäuden und zerstörten und gefährdeten Denkmalen und Kulturgütern sehen, wissen die meisten von uns nur sehr wenig über die Kunst- und Architekturgeschichte der Ukraine. Das zu ändern haben sich verschiedene Institute der TU Berlin unter Federführung des Fachgebiets Städtebauliche Denkmalpflege und urbanes Kulturerbe (Prof. Dr. i.R. Gabi Dolff-Bonekämper) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Nationalkomitee von ICOMOS vorgenommen.

Gemeinsam laden sie zu einer Ringvorlesung ein, im Rahmen derer Wissenschaftler:innen und Künstler:innen aus der Ukraine jeden Freitag über die Kunst- und Architekturgeschichte ihres Landes sprechen werden. Die erste Veranstaltung findet bereits an diesem Freitag, dem 6. Mai ab 16.00 Uhr statt. Sprechen wird die Architekturhistorikerin Svitlana Smolenska zum Thema “Modernist Architecture and Architectural Heritage in Kharkiv”. Die Zugangsdaten zum Zoom-Meeting sowie alle weiteren Referent:innen und deren Themen und Termine sind hier zu finden. (fs, 5.5.2022)

Kiew, Markthalle Rey, 1980 (Bild: robert at made-by-architects.com, CC BY NC-ND 4.0)

Den Horror beim Namen nennen

Die russische Architekturzeitschrift Projekt Rossija rief zum Protest gegen den Krieg in der Ukraine auf. Rund 6500 Architekt:innen und Designer haben dort einen offenen Brief unterzeichnet, der am 26. Februar auf der Website veröffentlicht wurde. Unter der Losung “Nein zum Krieg” stand Folgender offener Brief:

“Wir, die Architekten und Stadtplaner Russlands, halten die Offensive der russischen Truppen auf ukrainischem Gebiet für inakzeptabel. Außenpolitische Fragen können nur mit friedlichen Mitteln gelöst werden!  

Der Krieg entwertet das Wesen der Arbeit eines Architekten und Stadtplaners, egal in welchem Land sie stattfindet. Sie verletzt das Recht der Menschen auf Leben, Sicherheit, Selbstverwirklichung, auf ein angenehmes und gesundes Umfeld – all diese Werte, die die Grundlage unserer Tätigkeit bilden. Den Respekt der Nachbarn kann man sich nicht durch Gewalt oder Zerstörung verdienen. Aber er kann erreicht werden, indem man sein eigenes Land, sein eigenes Zuhause verbessert. Nein zum Krieg!”

Bis zum 4. März wuchs die Zahl der Unterschriften stetig. Doch dann wurde wie so viele auch Projekt Rossija von staatlicher Seite mundtot gemacht: Das in einer Sondersitzung der Duma beschlossene Gesetz gegen Fake News sieht ab sofort für “unzutreffende Berichterstattung über die Streitkräfte” eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren vor. Das Wort Krieg darf nicht verwendet werden. Die Losung “Nein zum Krieg” ist auf der Website (deren englische Version derzeit auch nicht funktioniert) nun Picassos Friedenstaube gewichen, der Text darunter lautet jetzt so:

“Hier stand der offene Brief der Architekten und Stadtplaner Russlands, in dem sie ihren Standpunkt zur aktuellen Politik unseres Landes zum Ausdruck brachten. Von seiner Veröffentlichung am 26. Februar bis zum 4. März 2022 wurde er von mehr als 6.500 Personen unterzeichnet.

Unter Androhung strafrechtlicher Verfolgung aufgrund eines heute in Kraft getretenen Gesetzes sahen wir uns gezwungen, den Text des Schreibens zu entfernen. Wir sind für den Frieden!”

moderneREGIONAL ist ebenso gegen den Krieg wie die Unterzeichner dieses Briefs. Und ehe er im Nebel der Zensur verschwindet, dachten wir, dass wir ihn hier wiedergeben. Sie können ihn auch gerne teilen. Morgen gibt´ s wieder was zum Thema Nachkriegsarchitektur. (db, 8.3.22)

Chandigarh, Le Corbusier: Open Hand Monument (Bild: Anamdas, CC BY-SA 3.0)

Deutsche Kriegsfotografie

“Bewaffnet mit der Kamera”, diese Redewendung hatte zwischen 1939 und 1945 eine sehr wörtliche Bedeutung. Der Workshop widmet sich vom 13. bis zum 14. März 2015 dem Thema “Deutsche Kriegsfotografie im Zweiten Weltkrieg. Zwischen privater und professioneller Praxis”. Dabei werden Aspekte wie Produktion, Distribution und Rezeption der fotografischen Dokumente betrachtet und diskutiert. So sollen Abhängigkeiten, Ähnlichkeiten und Unterschiede der privaten und professionellen deutschen Kriegsfotografie im Zweiten Weltkrieg aufgezeigt werden.

Am ersten Tag des Workshops bieten Vorträge einen Gesamtüberblick über die professionelle und private Fotografie geleistet: von “Fotkokonvoluten der Wehrmachtssoldaten” bis zur “Verschränkung professioneller und amateurhafter Fotografie”. Am zweiten Tag werden Dissertationsprojekte zum Thema vorgestellt und diskutiert: wie “Amateurfotografischen Fotoalben deutscher Wehrmachtssoldaten zwischen Weltanschauung, Selbstmitteilung und Erinnerung”, “Die Fotoproduktion der ‘Heeres-Propagandakompanie 689′” oder “Der Einsatz von PK-Fotografen im Krieg gegen die UdSSR”. Alle Interessierten sind eingeladen, Veranstaltungsort ist der Anna-Maria von Schürmann-Raum (3.229) im Philosophikum im Historischen Institut an der Universität zu Köln. (kb, 5.3.15)

Balkan, Soldat fotografiert Zivilist, 1943 (Bild: Bundesarchiv Bild 101I-191-1656-14)