Das neue Heft ist da: Mettigel

In so mancher Küche mit Sitzecke vergeht einem der Appetit – zu steril, zu deutsch-gemütlich oder einfach ein wenig zu farbstark. In der Architekturmoderne wurde der Ort des Zubereitens und Verzehrens zur stilistischen Spielwiese, aber in seltenen Glücksfällen auch zum Herz und Glanzpunkt eines Gebäudes. Ob Einbauküche, Kantine oder Eisdiele – in jedem Fall spiegeln diese Räume des Ernährens und Genießens unser sich wandelndes Bild von Arbeit und Freizeit, von Beziehung und Familie. Diesen besonderen Orten widmet mR nun ein eigenes Themenheft „Mettigel“ (Redaktion: Karin Berkemann).

Mit von der Partie sind der Gastrokritiker Jürgen Dollase, der Ostmodernist Mark Escherich, die Hajek-Expertin Chris Gerbing, der Denkmalschützer Stefan Timpe, der Küchenfachmann Christos Vittoratos und einige Time-Life-Kochbücher. Sie können die einzelne Beiträge rechts über die Seitenleiste anklicken oder das ganze Heft am Stück hier unten als pdf online blättern, durchsuchen oder downloaden. Und am Ende jedes Beitrags wartet ein Rezept zum Nachkochen auf Sie! (db/kb/jr, 14.8.17)

Titelmotiv: ziemlich rote Küche (Bildquelle: leider unbekannt)

Vom Feuerstein zur Einbauküche

Vom Feuerstein zur Einbauküche

In den 1950er Jahren erlebte die Einbauküche den großen Durchbruch (Bild: © Bundesmobilienverwaltung, Foto: Lois Lammerhuber)
In den 1950er Jahren erlebte die Einbauküche den großen Durchbruch (Bild: © Bundesmobilienverwaltung, Foto: Lois Lammerhuber)

Schaltet man nachmittags den Fernseher ein, kommt man kaum an den diversen Show-Köchen vorbei, die gut gelaunt ihre blitzenden Messer schwingen und scheinbar mühelos köstliche Speisen zubereiten. Die Küche ist offensichtlich ein Ort der Unterhaltung geworden, Kochen ein Symbol für die Leichtigkeit des Seins. Dass dies keineswegs immer so war und das Ergebnis einer Evolution über tausende von Jahren ist, zeigt nun die Ausstellung „Küchen/Möbel. Design und Geschichte“ in Wien.

Als „Urküche“ präsentiert die Schau eine einfache Feuerstelle – ein Konzept, das sich mit leichten Veränderungen erstaunlich lange hielt. Wenn sich das offene Feuer auch vom Freien in die Häuser und Wohnungen verlagerte, vollzog sich die entscheidende Evolution zum geschlossenen Herd und einer rauchfreien Küche erst im 19. Jahrhundert. Mit der standardisierten „Frankfurter Küche“ entwarf die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky in den 1920er Jahren schließlich die Mutter aller Einbauküchen. Ihren Siegeszug trat diese aber erst in der Nachkriegszeit an. Die Ausstellung präsentiert die Jahrtausende alte Geschichte der Küche in 12 Stationen. Sie ist bis zum 26. Juli 2015 im Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien zu sehen. (jr, 13.4.15)