Alles nur Kulisse?!

Alles nur Kulisse?!

Alles nur Kulisse?! (Bild: asw-Verlag)
Alles nur Kulisse?! (Bild: asw-Verlag)

Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Fritz Lang beantwortete diese Frage in den 1920ern in „Metropolis“ mit einer expressionistischen Wolkenkratzerlandschaft. Spektakuläre Kulissen wie diese prägten das ästhetische Empfinden des 20. Jahrhunderts, indem sie proto- oder archetypische Räume im kollektiven Gedächtnis verankerten. Die Ausstellung „Alles nur Kulisse?!“ widmet sich dem Phänomen mit Schwerpunkt auf den Studios Babelsberg, die als Produktionsstandort von Ufa und DEFA zahlreiche Filmkulissen hervorbrachten.

Die Ausstellung nimmt den Entstehungsprozess des Szenenbildes von ersten Skizzen, farbigen Entwürfen, Modellen und dem drehfertigen Set bis zum vollendeten Film in den Blick und beleuchtet die beteiligten Gewerken und ihren Aufgaben. Die Exponate kommen aus der Filmstadt Babelsberg und präsentieren die Geschichte des Szenenbildes von der UFA über die DEFA bis zum heutigen Studio Babelsberg. Ein jüngst erschienener Begleitband nimmt die in der Ausstellung behandelten Themengebiete vertiefend in den Blick. Die Ausstellung ist bis zum 4. Dezember 2016 im Filmmuseum Potsdam zu sehen. (jr, 8.6.16)

Kino-Architekten-Kino

Was hat Kino mit Architektur zu tun? Eine Frage, die mehr meint als Filmschaffende, die sich futuristische Kulissen bauen lassen oder Architekten, die sich nach der Baustelle im Lichtspieltheater entspannen. Vom 14. bis 15. Oktober 2015 sucht die Pariser Veranstaltung „Architectes cineastes, cineastes architectes“ – veranstaltet von der INHA (Paris) und der ENSA Normandie – einen neuen Zugang. Denn sicher ist, dass viele Architekten die Orte, die sie besuchten, zu ihrer Inspiration filmisch dokumentierten. Und dass Filmschaffende auch architektonische Studien betrieben. Glaubt man ihren Erfahrungen, dann liegen diese beiden Dinge nah beieinander: ein Haus bauen und einen Film bauen.

Die Kernfrage ist: Wie haben sich Kino und Architektur gegenseitig beeinflusst – und wie haben sie ihre jeweilige Arbeitsweise dabei erneuern können? Forschende und Lehrende der Architektur, des Kinowesens, der Geschichtswissenschaften ebenso wie praktisch beteiligte Künstler, Filmschaffende und Architekten sind eingeladen, originelle und anregende Themen und Perspektiven einzubringen. Vorschläge können – als Resümee von max. 2.000 Zeichen mit einer Vita von max. 400 Zeichen und einem Schriftenverzeichnis von max. 5 Titeln – noch bis zum 30. April 2015 eingereicht werden unter: architecte.cineaste@gmail.com. (kb, 8.2.15)

Der Rest versendet sich: eine Filmkulisse für „Der Chinese“ im Jahr 2010 (Bild: Duke of W4, CC BY-SA 3.0)

Schauplatz Tatort

Es gibt nur zwei wahre Glaubensrichtungen: Die einen schauen am Sonntag Rosamunde Pilcher, die anderen wählen den Tatort. Nun gibt es einen Grund mehr, zu dieser ältesten Krimireihe im deutschen Fernsehen umzuschalten. Seit 1970 wurde die Sendung mehr als 850-mal ausgestrahlt. Jeden Sonntag sehen mehr als 8 Millionen Zuschauer zu. Und jedes Ermittler-Team setzt regelmäßig eine andere deutsche Großstadt oder Region in Szene.

Mit ihrem Buch „Schauplatz Tatort“ blicken die Autoren Udo Wachtveitl, Alexander Gutzmer, Guido Walter und Oliver Elser erstmals hinter die Kulissen auf die Film-Architektur der Serie. Durch Interviews mit unterschiedlichen Akteuren wie einem Regisseur, einem Designer und natürlich den Kommissaren erhält der Leser spannende Informationen rund um die Schauplätze und ihre architektonische Inszenierung. Und in vielen grafischen Übersichten kommt im Buch jede Krimi-Region zu ihrem Recht. (kb, 1.6.14)

Udo Wachtveitl u. a., Schauplatz Tatort. Die Architektur, der Film und der Tod, Verlag Callwey, 2013, gebunden, 192 Seiten, 29 x 26 cm, ISBN 978-3766720528.

Damit lässt sich die Zeit bis zum nächsten Tatort gut überbrücken (Bild: Callwey-Verlag)