KIT reißt Wilhelm-Nusselt-Hörsaal ab

Man möchte glauben, das ist alles nur ein April-Scherz – doch danach sieht es nicht aus. Das Karlsruher Institut für Technologie plant den Neubau eines „Lern- und Anwendungszentrums für Mechatronik“. Was zunächst vielversprechend klingt besitzt aber einen Haken: Der Wilhelm-Nusselt-Hörsaal von 1961 steht dem Vorhaben im Weg. Dessen Fassade wird von einem markanten Beton-Relief des Künstlers Klaus Arnold geprägt. In den 1960er Jahren war Arnold vielfach für Kunst am Bau eingespannt worden und gestaltete unter anderem die Ausstattung verschiedener Sakralbauten in Karlsruhe und Mannheim.

Wie die Badischen Neuesten Nachrichten nun erfuhren, soll im Sommer mit dem Abriss des Hörsaals begonnen werden. Den meisten Studierenden dürfte das Gebäude ohnehin nur von außen bekannt sein, denn es ist bereits seit Jahren aufgrund von Baufälligkeit geschlossen. Bemerkenswert ist, dass das benachbarte Hochhaus der Fakultät für Maschinenbau und Chemieingenieurwesen in den 2000er Jahren saniert wurde, wobei man den Hörsaal nicht ertüchtigte. (mk, 28.03.20)

Karlsruhe, Nusselt-Hörsaal (Bild: karlsruhe.de, PBe, 2013)

Die Botschaften der Wände

Am 24.1. geht es in der Berliner Akademie der Künste um sprechende Wände. Genauer gesagt, um Kunst am Bau. Sie hat als Bindeglied zwischen Architektur, Kunst, Politik und Stadtgestaltung in Deutschland eine lange Tradition und seit den 1920er Jahren in beiden Deutschen Staaten ein reiches baukulturelles Erbe hervorgebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Kunstförderung in der sowjetisch besetzten Zone sofort Teil der sozialistischen Kulturpolitik. Die Kulturverordnung legte 1950 den Etat für baubezogene Kunst an staatlichen Neu- und Umbauten auf ein bis zwei Prozent der Bausumme fest. Kunstwerke sollten die Bauten von Regierung und Partei, Volkseigene Betriebe, Hochschulen und Kulturhäuser ergänzen. Ab den 1960ern wurde diese Kunst in der DDR unter anderem um Skulpturen, Brunnen und Glasgestaltungen erweitert.

Themen der Werke waren meist Völkerfreundschaft, die Verbundenheit mit der Sowjetunion, Fortschritt, Aufbau und Verteidigung. Mit der Wiedervereinigung verloren viele DDR-Bauten ihre Funktion, wurden teils abgebrochen, teils neu genutzt und umgebaut. Oft genug ging die sozialistische Kunst verloren. Nun möchte das Symposium „Kunst am Bau in der DDR“ den Blick wieder auf den Ost-Kunstbestand und seine kulturgeschichtliche Bedeutung lenken. Es sprechen unter anderem Arnold Bartetzky, Thomas Flierl, Sigrid Hofer, Paul Kaiser, Swantje Karich und Ulrike Wendland. Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin, Tel. 030/20057-1000, Anmeldung: kunstamBau@bbr.bund.de (db, 20.1.20)

Berlin, Haus des Lehrers (Bild: Martin Maleschka)

Zum Tode von Erich Reusch

Kein Sockel, keine Blickfang, keine Offensichtlichkeit: Die Kunst von Erich Reusch muss sich der Betrachter zusammensuchen. Sei es durch langes Betrachten aus diversen Perspektiven, sei es durch Zuhören, sei es durch Abschreiten – denn die meisten öffentlichen Werke des in Wittenberg geborenen Bildhauers und Architekten sind Raumarrangements. Und in ihrem Minimalismus fordern sie das Nachdenken geradezu ein. Unter anderem gestaltete Reusch den Hof der NS-Gedenkstätte im Berliner Bendlerblock (1979), den Platz vorm Rathaus Bochum (1980) sowie eine Bodenplastik bei der documenta 6 (1977). Vor der Göttinger Universitätsbibliothek steht die „Grüne Säule“ (1992), vor der Mensa am Schloss Nordkirchen vier flache Edelstahlzylinder (1971) – namenlos, wie viele seiner Kunstwerke.

Sein Studium absolvierte Reusch an der Hochschule für Bildende Künste Berlin. Anschließend war er bis Mitte der 1960er als freier Architekt in Düsseldorf tätig, ehe er sich der Bildhauerei zuwandte. 1975 erfolgte die Berufung an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er den Lehrstuhl „Integration Bildende Kunst und Architektur“ innehielt. Erst 2019 gab es eine Reusch-Retrospektive im Museum Schloss Moyland, eine für 2020 geplante Ausstellung im „Museum unter Tage“ Bochum gerät nun zur posthumen Würdigung: Erich Reusch ist am 29.12.2019 im Alter von 94 Jahren gestorben. Vielleicht ein Anlass für die Ruhruniversität Bochum, das seit Jahren brachliegende „Wasserrelief“ (1972/73) auf dem Campus instandzusetzen. (db, 7.1.20)

Schloss Nordkirchen, Mensa (Bild: Mbdortmund, GFDL 1.2/CC BY SA 3.0)