Zum Heulen?

Jeder Abriss ist einer zuviel. Wenn Sie als sensibler Modernist, als zartbeseitete Modernistin schon beim Gedanken an berstenden Beton feuchte Augen bekommen, hätten wir was für Sie: Kleenex-Boxen in Form abgerissener Bauten des 20. Jahrhunderts.

Der amerikanische Künstler Kurt Treeby baut verlorene Architekturen en miniature nach. Einige seiner Klein-Häuser stattet er zusätzlich als Papiertaschentuch-Boxen aus, um die Trauer um die zerstörte gebaute Umgebung zum Ausdruck zu bringen. Unter Treebys Vorbildern finden sich bedrohte oder bereits abgerissene Werke von Größen wie Marcel Breuer, Frank Lloyd Wright, Richard Neutra – und Paul Rudolph, auf dessen (damals teils abgerissene, teils leerstehende) „Shoreline Apartments“ Treeby 2016 mit einem eigenen Modell aufmerksam machen wollte. (kb, 3.5.19)

„Disposable: Shoreline Apartment Complex Unit“, 2016, Kurt Treeby (Bild: citylab.com)

Das ewige Problem mit den Bildern

Protestanten und Kunst verbindet ja bekanntlich keine wirklich enge Liebe. Doch das könnte sich diesen November gleich doppelt ändern. Vom 9. bis 10. November 2018 findet in Marburg – nach dem Vorbild des jahrzentelang bewährten Kirchbautags – der „Erste Evangelische Bildertag“ statt. Das Marburger EKD-Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart lädt alle Interessierten mit Vorträgen und Diskussionsrunden dazu ein, neue „Bildkompetenz“ zu erwerben. Denn, so die These, die intensive Beziehung zum Wort beruhe auf einer intimen Beziehung zum Bild, „die weithin unbemerkt die religiöse Kommunikation im Protestantismus steuert“.

Auch im Ruhrgebiet fragt eine Tagung nach der „Ambivalenz der Bilder in Kunst und Religion“. In Bochum (Kunstmuseum Bochum, Kortumstraße 147, 44787 Bochum) will das CERES-Institut (Centrum für Religionswissenschaftliche Studien) der Ruhr-Universität vom 7. bis 9. November 2018 neu über die „Bilderfrage“ nachdenken. Die Tagung steht im Rahmen der Ausstellung „Bild Macht Religion“ im Kunstmuseum Bochum, die den jahrhundertealten Widerstreit zwischen Bilderkult und Bilderkampf neu aufrollt. Damit können die Tagungsbesucher eben nicht nur viel hören und reden, sondern auch viel schauen, was es mit den Bildern und dem Christentum wirklich auf sich hat. (kb, 29.10.18)

Maler bei der Arbeit (Bild: Lukeroberts, GFDL oder CC BY SA 2.5, 2005)

Arbeiterschließfächer

Nein, das ist keine Schleichwerbung für ein neues Designerstück, das ist Kunst. Erfreulicherweise Kunst mit Augenzwinkern. EVOL arbeitet mit Fundstücken aus dem öffentlichen Raum und weist ihnen durch kleine Eingriffe eine neue Bedeutung zu. Aus Alltagsgegenständen werden aus dem Maßstab gerückte Architekturen. Bekannt wurde EVOL etwa durch Stromkästen, die er in ostmoderne Systembauten verwandelte. In diesem Fall wird aus Metallschränken mit einem guten Schuss Ironie das sprichwörtliche, nicht immer nur freundlich gemeinte „Arbeiterschließfach“.

Vom 18. August bis zum 21. September sind Werke von EVOL in Dortmund im ehemaligen Robert-Schuman-Kolleg (Sckellstraße 5-7, 44141 Dortmund) zu sehen. Unter dem Titel „Doppelplusmodern“ zeigt die Ausstellung gleichberechtigt Arbeiten von Alekos Hofstetter. Er setzt sich in seinem 2012 begonnen Werkzyklus „Tannhäuser Tor“ mit der stetigen Veränderung der Architektur der Epoche von 1950 bis 1980 auseinander. In seinen Zeichnungen und Gemälden stellt er ikonische, emblematische Architekturen und fremdartige, verfremdete Landschaften einander gegenüber. Es handelt sich um eine Ausstellung von Schamp & Schmalöer, BDA Dortmund Unna Hamm im Rahmen von „Big Beautiful Buildings“ (ECHY 2018) – und ist zugleich Teil der Doppelausstellung „Architektur trifft Kunst“, zu der auch „Schwimmen in Geld“ gehört. Die Eröffnung von „Doppelplusmodern“ wird am 17. August um 18 Uhr in der Pausenhalle begangen. (kb, 10.8.18)

EVOL, Arbeiterschließfächer, 2017, Installation (Courtesy: EVOL)

Was macht die Kunst in Frankfurt/Oder?

Es ist nicht neu, hat aber leider noch nicht ganz den Weg gefunden aus den Herzen der Ostmodernisten in die Köpfe der Entscheider: Kunstobjekte der DDR-Zeit verschwinden im großen Stil aus dem öffentlichen Raum und landen im besten Fall im städtischen Depot. Sie aus diesem unfreiwilligen Winterschlaf wieder hervorzuholen, hat sich die Ausstellung „Was macht die Kunst?“ in Frankfurt/Oder vorgenommen. In Zusammenarbeit mit dem Kultureigenbetrieb der Stadt werden so für einige Zeit wieder Kunstwerke sichtbar, die sonst aktuell nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Objektschau ist Teil einer kleinen Bestandsaufnahme noch vorhandener Kunst im öffentlichen Raum – mit Fotografien von Martin Maleschka.

Dass gerade Frankfurt Oder über einen reichen Schatz baugebundener Kunst verfügte, verdankte man u. a. dem Status als Bezirkshauptstadt mit ihren vielen ostmodernen Neubauten . Der Ausstellungsort selbst bildet einen solchen authentischen Rahmen für die Präsentation: Das zuletzt als Mensa der Viadrina genutzte Nebengebäude des Audimax ist Teil der ehemaligen Bezirksparteischule. In den letzten Jahren nicht mehr zugänglich, bergen die Räume eine großflächige Hinterglasmalerei, die sich in die Ausstellung einreihen wird. Die Vernissage findet am 2. Juli um 18 Uhr statt, im Anschluss ist die Präsentation bis zum 13. August 2017 zu sehen. (kb, 8.6.17)

Frankfurt/Oder, ehemalige Bezirksparteischule, Hinterglasmalerei (Foto: Martin Maleschka) 

Blick zurück nach vorn

Blick zurück nach vorn

Tagung in Berlin: "Blick zurück nach vorn" (Bild: Arbeitskreis Kunst in der DDR)
Tagung in Berlin: „Blick zurück nach vorn“ (Bild: Arbeitskreis Kunst in der DDR)

Am 6. und 7. November 2014 findet in Berlin die fünfte Tagung des Arbeitskreises Kunst in der DDR statt. Der Arbeitskreis, der seit 2008  besteht, ist am kunsthistorischen Lehrstuhl von Prof. Dr. Sigrid Hofer an der Philipps-Universität in Marburg angesiedelt. Jeden Herbst finden Tagungen zu unterschiedlichen Themen statt. Für 2014 steht steht die Veranstaltung unter dem Motto „Architektur und Stadtplanung in der DDR“. Sie wird in Zusammenarbeit mit PD Dr. Christoph Bernhardt vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung in Erkner an der Technischen Universität Berlin ausgerichtet.

Die Themen reichen dieses Mal von der Architekturtheorie über sozialistische Zentrumsplanungen und Umgang mit Altbauten bis zu Fragen der Denkmalwürdigkeit und Aneignung. Einer der Höhepunkte dürfte die Podiumsdiskussion sein: Bruchlinien im Städtebau zwischen Alt und Neu. Namhafte Vertreter der Architektur- und Städtebauforschung unterschiedlicher Generationen werden ihre Standpunkte sicher auch streitbar austauschen: Prof. Dr. Thomas Topfstedt, Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert, Dr. Matthias Lerm und Dr. Andreas Butter. (tm, 1.10.14)

Gestern die Stadt von morgen

Gestern die Stadt von morgen

Videoprojektion "gestern die stadt von morgen" von Nico Joana Weber (Bild: N. J. Weber
Die Videoproduktion „gestern die stadt von morgen“ von Nico Joana Weber (Bild: N. J. Weber)

Drei Orte, sechs Künstler und eine Frage: Wie leben wir heute mit den baulichen Utopien der 1960er und 1970er Jahre? Die Urbanen Künste Ruhr und das Netzwerk RuhrKunstMuseen finden hierauf bis zum 7. September 2014 eine ganz eigene Antwort. Gerade im Ruhrgebiet ist für die Ausstellungsmacher der Kontrast allgegenwärtig: die optimistische Geste moderner Betonarchitektur auf der einen, der Niedergang der Montanindustrie auf der anderen Seite.

Herausgegriffen werden drei schlagkräftige Beispiele modernen Bauens: das Rathaus von Marl (J. H. van den Broek/J. B. Bakema, 1967), das Forum (City Center) Mülheim (H. H. Lautz, 1974) und die Ruhr-Universität Bochum (Büro HPP, 1963-84). Mit diesen besonderen Orten setzen sich zeitgenössische Künstler durch Interventionen, Installationen, Ausstellungen oder Gesprächsrunden auseinander. Über die öffentlichen Führungen hinaus ermöglicht ein Booklet zum kostenfreien Download, die Stationen auf eigenen Faust zu erkunden. Und zu guter Letzt lädt das Skulpturenmuseum Marl am 7. September 2014 zur Finissage ein. (kgb, 27.6.14)