Die Kunsthistoriker und der Weltkrieg

1917 folgerte Wilhelm von Bode (1845-1929), Generaldirektor der Königlich Preußischen Museen: „Inter Arma Silent Musae“. Eine gleichnamige Vorlesungsreihe widmet sich vom 29. April bis zum 15. Juli 2015 mittwochs zwischen 18 und 20 Uhr am Berliner Institut für Kunst- und Bildgeschichte (Hauptgebäude der HU, Unter den Linden 6, ikb-sekretariat@culture.hu-berlin.de) dem Ersten Weltkrieg. Denn auch die meisten Kunsthistoriker standen dem Kriegsausbruch wohlgesonnen gegenüber. Doch zerteilten die Fronten auch Forschungszusammenhänge, wuchsen die Begehrlichkeiten zur „Vervollständigung“ der Sammlungsbestände.

Auf dem Programm stehen: 29. April, G. Sievernich (Berlin), „1918“; 13. Mai, N. Doll (Berlin), „Zwischen Kunstschutz und Forschung“; 20. Mai, B. Störtkuhl (Oldenburg), „Entdeckungen und Vereinnahmungen einer ‚terra incognita“; 27. Mai, S. Trinks (Berlin), „Adolph Goldschmidt und die europäische Kunstgeschichte; 3. Juni, P. Winter (Berlin), „Direktoren der Königlichen Museen zu Berlin während des Krieges“; 10. Juni, M. Diers (Berlin/Hamburg), „Warburg, der Weltkrieg und die Wende in der Wissenschaft“; 17. Juni, P. Schneider (Berlin), „Fritz Saxl in den Jahren zwischen 1914 und 1920“; 24. Juni, I. Scheuermann (Dortmund), „Paul Clemen und die deutsche Denkmalpflege im Ersten Weltkrieg; 1. Juli, T. Rudert (Dresden), „Der Dresdner Galeriedirektor Hans Posse“; 8. Juli, A. Dorgerloh (Berlin), „Reims und Die Kathedrale des 20. Jahrhunderts“; 15. Juli, H. Bredekamp (Berlin), „Die Beschießung der Kathedrale von Reims“. (kb, 26.4.15)

Auch Kunsthistoriker meldeten sich (anfangs) begeistert freiwillig an die Front (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-F0313-0208-007)

Der Raum ist sehr geräumig

Der Begriff ist ein bisschen 2002 – als mit einem Mal die Kunst des Yoga, der unverpackte Konsumartikel und die Selbstbestimmung ihre jeweils eigenen Räume erhielten. Zumindest sprachlich, denn der Raum hatte aufgehört, vier Wände und eine Zimmerdecke zu brauchen. Er war aus den Fußballkommentaren und Sozialpädagogengesprächen in die Geisteswissenschaften übergewechselt. Diesem vielzitierten „spatial turn“, der Kehre zum Raum, hat der Medientheoretiker Stephan Günzel nun ein eigenes Buch gewidmet. „Der Raum“, erschienen 2018 in zweiter Auflage im transcript Verlag, ist nicht mehr (und will nicht weniger sein) als eine „kulturwissenschftliche Einführung“. Damit wagt Günzel nicht nur eine Zwischenbilanz der bisherigen Debatte, sondern auch den nächsten Schrit vom Raum zur Landschaft, von der Ikonographie zur Topologie.

Vorlaufend entfaltet Günzel die Gründe und Grundzüge für die Wende zum Raum, um im ersten Kapitel deren „Antinomien“, die Verwerfungslinien darzulegen: Verschwinden vs Erstarken, Determinismus vs Possibilismus, Raum vs Ort. Die sich daraus ergebenden Raumtheorien stehen im Mittelpunkt von Kapitel zwei, als deren Synthese er in Kapitel drei seine Theorie der Topologie anbietet. Unterwegs wird der Leser mit den Größen der Debatte – Ratzel, Simmel, Lewin, Heidegger, McLuhan, Levinas, Benjamin, Foucault, Spencer Brown, Bourdieu, Deleuze, de Certeau – bekannt gemacht. Und genau in dieser Beiläufigkeit liegt eine der großen Stärken der Publkation: Mit dem Autor glückt auch theorieschreckhaften Lesern der Parcours durch die Disskissionsuntiefen der letzten Jahrzehnte. Denn egal, ob man den Raum bricht oder faltet, stapelt oder weit macht, mit Günzel wird man mit den jeweils eigenen Raum-Bildern – noch so ein 2000er-Begriff – im besten Wortsinn anschlussfähig. (kb, 6.5.19)

Günzel, Stephan, Der Raum. Eine kulturwissenschaftliche EInführung, transcript Verlag, Bielefeld 2018, 158 Seiten, 2. Auflage, ISBN 978-3-8376-3972-8.

Leerer Raum (Bild:DarkWorkX , via paxabay)

„Die Tage woher wir kommen“

Mit dem Ersten Weltkrieg, spätestens mit der Machtüberlassung an die Nationalsozialisten wurde das 20. Jahrhundert erwachsen – und schaute zurück auf die eigene Kindheit. Das 19. Jahrhundert interessierte nun Größen aus den verschiedenen Disziplinen – vom Philosophen Ernst Bloch über den Architekturhistoriker Sigfried Giedion, den Politikwissenschaftler Dolf Sternberger und den Theologen Ernst Troeltsch bis zum Soziologen Norbert Elias und zum (Kunst-)Historiker Benedetto Croce. Der Blick auf das 19. sollte die Krisen im 20. Jahrhundert erklären.

Diesem Thema widmet sich die Konferenz „Die Tage woher wir kommen? Das 19. im 20. Jahrhundert“, die vom 12. auf den 13. Dezember 2014 an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stattfinden wird. Es handelt sich zugleich um die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 19. Jahrhunderts. Vorschläge (ca. 300 Wörter, für einen etwa 20-minütigen Vortrag, inkl. CV, Reisekosten werden übernommen) aus allen kulturwissenschaftlichen Disziplinen können bis zum 15. September 2014 gesendet werden an: Prof. Dr. Gregor Wedekind, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft, Jakob-Welder-Weg 12, 55128 Mainz, gregor.wedekind@uni-mainz.de. (kb, 18.7.14)

Schriftsteller und Philosophen wie Ernst Bloch sinnierten im 20. über das 19. Jahrhundert (Bild: Bundesarchiv Bild 183-35545-0009, Bild: Krueger, CC BY SA 3.0)