Laboratorium des modernen Lebens

Es gab mehr als (das eine) Bauhaus, das kann man nach 2019 nicht oft genug sagen und schreiben. Dieser Botschaft hatte sich im vergangenen Jahr auch ein internationales Symposium verschrieben, das vom Slowakischen Design-Zentrum im Goethe-Institut in Bratislava ausgerichtet wurde – als Beitrag zum Bauhausjahr und als Abschlussveranstaltung einer Ausstellung zur Kunstgewerbeschule in Bratislava.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfolgten die Reformströmungen in verschiedensten Ländern Zentraleuropas, so die These der Fachtagung, ein gemeinsames Ziel: eine praxisbezogene Kunstausbildung für die moderne Zeit. Die Beiträge des Symposions sind nun als zweisprachiges Buch erschienen: „Škola ako laboratórium moderného života/School as a Laboratory of Modern Life (Schule als Laboratorium des modernen Lebens)“. Hier werden die Besonderheiten der Kunstgewerbeschule von Bratislava in der frühen Moderne herausgearbeitet und zugleich in den europäischen Kontext gestellt. Und da das Ganze mit EU-Mitteln gefördert wurde, kann das Ergebnis online und gratis eingesehen und heruntergeladen werden. (kb, 23.10.20)

Studentinnen der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule (ŠUR) in Bratislava, 1930er-Jahre, Autor unbekannt (Bild: Slowakisches Design Museum, Archiv von Iva Mojžišová)

Die Frauen der Wiener Werkstätte

Buch jetzt, Ausstellung später – in Corona-Zeiten eine oft gewählte Lösung. So kann sich der geneigte Leser nun auch schon auf die Schau „Die Frauen der Wiener Werkstätte“ einstimmen. In ihren Anfängen stand die Wiener Werkstätte den Reformbewegungen der Zeit – z. B. der Sezession – nahe. Bisher wurden diese Künstlerinnen aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhundert zwar als Gruppe gewürdigt, aber selten mit ihren prägenden Einzelpersönlichkeiten beachtet.

Gudrun Baudisch, Vally Wieselthier, Mathilde Flögl, Paula Lustig oder Mizzi Vogl brachten die Bereiche Gebrauchsgrafik, Textildesign, Modeentwurf, Spielzeug, Wandschmuck und Keramik im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu einer international beachteten Blüte. Das Museum für Angewandte Kunst (MAK) Wien besitzt eine umfangreiche Sammlung der Arbeiten dieser Zeit. Dort soll die Ausstellung – coronabedingt – erst vom 21. April bis zum 3. Oktober 2021 gezeigt werden. Das Begleitbuch ist nun bei Birkhäuser erschienen. (kb, 18.10.20)

Thun-Hohenstein, Christoph/Rossberg, Anne-Katrin/Schmuttermeier, Elisabeth (Hg.), Die Frauen der Wiener Werkstätte. Women Artists of the Wiener Werkstätte, Birkhäuser-Verlag, Basel 2020, gebunden, 30,5 x 23 cm, 288 Seiten, 320 Farb- und Schwarzweißabbildungen, Deutsch/Englisch, ISBN 978-3-0356-2211-9.

Mathilde Flögl, Entwurf für ein Kissen, 1930 (Bild: MAK Wien)

100 Jahre Werkbundausstellung

In Köln feiert man dieser Tage das hundertjährige Jubiläum einer Ausstellung, welche die Weichen für die Moderne stellte. Der 1907 gegründete Werkbund präsentierte in der Stadt am Rhein – die sich damals noch mit C schrieb – seine Vision eines mit dem Fordismus ausgesöhnten Kunsthandwerks. Ziel waren ästhetisch anspruchsvolle Produkte, die erschwinglich, qualitativ hochwertig und industriell herstellbar sein sollten. Die Schau traf international auf positive Resonanz und prägte Ideen, die auch nach dem Ersten Weltkrieg noch Gültigkeit besaßen. An der Gestaltung des Ausstellungsgeländes waren mit Theodor Fischer, Henry van de Velde, Walter Gropius, Bruno Taut und Peter Behrens Architekten, Stadtplaner und Gestalter beteiligt, die ohne weiteres die (Mit-)Vaterschaft der Moderne beanspruchen können.

Anlässlich des Jubiläums lädt der Deutsche Werkbund Nordrhein-Westfalen zu einer Sommerakademie ein, die sich unter dem Titel „Die Geschichte der Zukunft. Variationen der Moderne 1914-2014“ interdisziplinär dem Modernebegriff nähert. Die Akademie findet vom 20. bis zum 22. Juni 2014 auf Schloss Gnadenthal bei Kleve statt. Weitere Informationen und Anmeldeformular sind online abrufbar. (23.5.14)

Bruno Taut gestaltete 1914 den Glaspavillon auf der Kölner Werkbundausstellung (Bild: Deutscher Werkbund NW)