Leben in UFOs

Geht man mit offenen Augen im Berliner Treptower Park oder entlang des Rummelsburger Sees spazieren, so hat man vielleicht schon einen Blick darauf erhascht: ein UFO hat an der Bucht geparkt. Genau genommen handelt es sich um das Futuro 13, ein aus Kunststoff fabriziertes Fertighaus des finnischen Architekten Matti Suuronen. Die in den 60er und 70er Jahren produzierten Rundhäuser können durch ihr geringes Gewicht per Hubschrauber transportiert werden, die auf vier Pfeilern gestützte Form passt sich an nahezu jegliche Topografie an. Nach kurzer Beliebtheit geriet der Traum vom Plastikeigenheim jedoch wieder in Vergessenheit. Heute, rund 50 Jahre später, entdeckt eine neue Generation die UFOs für sich. Die schätzungsweise 60 Exemplare, die heute noch existieren, sind auf der ganzen Welt verteilt.  

In ihrer neusten Veröffentlichung “Buch Zwei – Leben in Kunststoffbauten” beschäftigen sich die Architektin Pamela Voigt und die Ingenieurin Elke Genzel mit Kunststoffhäusern wie dem Futuro. Seit 2008 forschen sie in der Arbeitsgemeinschaft BAKU am Thema Bauen mit Kunststoffen. Für die Publikation besuchten die Autorinnen sowohl alte Pionier:innen als auch neue Bewohner:innen der Kunststoffhäuser. Dabei stellten sie sich die Frage, welche Sehnsüchte und Hoffnungen die Menschen antreibt, die ein solches Experiment wagen, und welche Ziele sie verfolgen. Das Buch kann bei sphere publishers vorbestellt werden. (re, 17.8.21)

Genzel, Elke/Voigt, Pamela, Buch Zwei – Leben in Kunststoffbauten, sphere publishers, Leipzig 2021, 176 Seiten, 138 S/W- und Farbabbildungen, Deutsch / Englisch, 24 × 23 cm, Hardcover, 1. Auflage von 500 Exemplaren, ISBN 978-3-9821327-7-8.

Futuro-Haus in Finnland (Bild: J-P Kärnä, CC BY SA 3.0, 2013)

Adieu Aldi-Abstraktion

Die Anekdote sagt: An einem Tag im Jahr 1967 kam der abstrakte Maler Günter Fruhtrunk (1923-82) zu seinen Studenten und bekannte, er habe “gesündigt”. Daraufhin legte er einen hohen Betrag in die Kaffeekasse. Der Grund des schlechten Gewissens: Gerade hatte Fuhtrunk der Firma Aldi zugesagt, die Plastiktüten der Supermarktkette zu gestalten. Heraus kam 1970 das berühmte blau-weiße Muster, die wohl am häufigsten getragene abstrakte Malerei der Bundesrepublik.

Mit den Jahren entwickelte sich das Frutrunk-Werk zum Sinnbild nicht nur der Supermarktkette, sondern auch von allzu schnellem und billigem Konsum. Ein Zeichenwert, die zeitgenössische Künstler gerne aufgriffen und auf ihre jeweils eigene Art umdeuteten. Doch bald ist es aus mit soviel Kunst am Kunden: Aldi hat angekündigt, die Plastiktüte komplett vom Markt zu nehmen. Bereits im letzten Jahr hatte man begonnen, die Tragetasche stufenweise durch Mehrwegbeutel zu ersetzen. Sogar Jute soll den Aldi-Kunden künftig angeboten werden. Graben Sie doch einmal in Ihrer Besenkammer, vielleicht findet sich dort noch das ein oder andere Stück serielle Nachkriegskunst – der Wert könnte steigen! (kb, 5.9.18)

Alditüte (Bild: Like_the_Grand_Canyon, CC BY-NC 2.0)

Sandwich-Konstruktionen

Sandwich-Konstruktionen

sandwich_compositesSchon seit 50 Jahren wird mit Kunststoff gebaut, passte dieser neue Baustoff mit seinen scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten doch perfekt in die zukunftseuphorische Zeit der 1960er und 1970er Jahre. Doch gerade dieser optimistisch-unbesorgte Einsatz macht heute in der Erhaltung Probleme, die es zu lösen gilt.

Die Tagung “Composites in Architecture. Faserverbunde in der Architektur. Sandwich Composites” des Kunststoff-Zentrums (SKZ) widmet sich vom 13. bis 14. Dezember 2016 im Händelhaus und im SKZ in Halle/Saale allen relevanten Fragen zum Thema Composites, zu den Sandwich-Konstruktionen, die Kunststoff mit Stahl, Beton und vielen anderen Materialien eingeht: Wie stellt man eine solche her, wie verbindet man die Elemente, was kann man rechnerisch ansetzen – und nach 50 Jahren Bauen mit Kunststoffen darf man auch fragen: Wie verhält sich das Sandwich über eine solche Lebensdauer? Kann man die überraschend unfertigen Strukturen sanieren, erhalten, und vor allem wie? In den Blick der Vorträge des ersten Konferenztags kommen sowohl neue Sandwich-Verfahren als auch der Umgang mit dem Erbe, dem Einsatz von Composites in der modernen Architektur der letzten 50 Jahre. Am zweiten Tag stehen praktische Vorführungen und Übungen in der SKZ-Werkstatt – von Neubau bis zu Reparatur auf dem Programm. Das Internationale Symposion ist bereits das siebte seiner Art, für die Teilnahme wird eine Gebühr erhoben. (kb, 7.11.16)