Adieu Aldi-Abstraktion

Die Anekdote sagt: An einem Tag im Jahr 1967 kam der abstrakte Maler Günter Fruhtrunk (1923-82) zu seinen Studenten und bekannte, er habe „gesündigt“. Daraufhin legte er einen hohen Betrag in die Kaffeekasse. Der Grund des schlechten Gewissens: Gerade hatte Fuhtrunk der Firma Aldi zugesagt, die Plastiktüten der Supermarktkette zu gestalten. Heraus kam 1970 das berühmte blau-weiße Muster, die wohl am häufigsten getragene abstrakte Malerei der Bundesrepublik.

Mit den Jahren entwickelte sich das Frutrunk-Werk zum Sinnbild nicht nur der Supermarktkette, sondern auch von allzu schnellem und billigem Konsum. Ein Zeichenwert, die zeitgenössische Künstler gerne aufgriffen und auf ihre jeweils eigene Art umdeuteten. Doch bald ist es aus mit soviel Kunst am Kunden: Aldi hat angekündigt, die Plastiktüte komplett vom Markt zu nehmen. Bereits im letzten Jahr hatte man begonnen, die Tragetasche stufenweise durch Mehrwegbeutel zu ersetzen. Sogar Jute soll den Aldi-Kunden künftig angeboten werden. Graben Sie doch einmal in Ihrer Besenkammer, vielleicht findet sich dort noch das ein oder andere Stück serielle Nachkriegskunst – der Wert könnte steigen! (kb, 5.9.18)

Alditüte (Bild: Like_the_Grand_Canyon, CC BY-NC 2.0)

Sandwich-Konstruktionen

Sandwich-Konstruktionen

sandwich_compositesSchon seit 50 Jahren wird mit Kunststoff gebaut, passte dieser neue Baustoff mit seinen scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten doch perfekt in die zukunftseuphorische Zeit der 1960er und 1970er Jahre. Doch gerade dieser optimistisch-unbesorgte Einsatz macht heute in der Erhaltung Probleme, die es zu lösen gilt.

Die Tagung „Composites in Architecture. Faserverbunde in der Architektur. Sandwich Composites“ des Kunststoff-Zentrums (SKZ) widmet sich vom 13. bis 14. Dezember 2016 im Händelhaus und im SKZ in Halle/Saale allen relevanten Fragen zum Thema Composites, zu den Sandwich-Konstruktionen, die Kunststoff mit Stahl, Beton und vielen anderen Materialien eingeht: Wie stellt man eine solche her, wie verbindet man die Elemente, was kann man rechnerisch ansetzen – und nach 50 Jahren Bauen mit Kunststoffen darf man auch fragen: Wie verhält sich das Sandwich über eine solche Lebensdauer? Kann man die überraschend unfertigen Strukturen sanieren, erhalten, und vor allem wie? In den Blick der Vorträge des ersten Konferenztags kommen sowohl neue Sandwich-Verfahren als auch der Umgang mit dem Erbe, dem Einsatz von Composites in der modernen Architektur der letzten 50 Jahre. Am zweiten Tag stehen praktische Vorführungen und Übungen in der SKZ-Werkstatt – von Neubau bis zu Reparatur auf dem Programm. Das Internationale Symposion ist bereits das siebte seiner Art, für die Teilnahme wird eine Gebühr erhoben. (kb, 7.11.16)

Kunststoffhaus zu verkaufen!

Das moderne Kunststoffhaus für den modernen Menschen (Bild: W. Feierbach)
Das moderne fg 2000 für den modernen Menschen (Bild: W. Feierbach)

Ans Plastikgeld haben wir uns inzwischen gewöhnt, nun können Sie Geld zu Plastik machen – genauer gesagt zu einem Plastikhaus. Noch dazu ist es ein Prototyp, der im hessischen Altenstadt zum Verkauf steht. Der Vorzeigebau entstand 1968 als stylisher Beweis dafür, dass Kunststoff auch für den modernen Wohnungsbau taugt. Wolfgang Feierbach (1937-2014), der Erfinder des Fertigbausystems fg 2000, wohnte hier bis 1979 mit seiner Familie. Anschließend diente der Bau als Büro für Feierbachs Firma fg design.

Mit seinem Prototyp hatte Feierbach alle Kritiker und Zweifler eines Besseren belehrt. Bis 1979 standen 39 Häuser seines Fertigteilsystems. Als „Paradebeispiel des Bauens mit glasfaserverstärkten Kunststoffen“, so Pamela Voigt über das von ihr erforschte Modellhaus, steht der Altenstädter Bau seit 2009 unter Denkmalschutz. Und nun steht er zum Verkauf. Auf dem Grundstück von 2.282 Quadratmetern finden sich der Prototyp – noch mit originalen Ausstattungselementen vom Deckenteppich bis zur Kunststofftreppe -, eine zweigeschossige Werkhalle sowie ein mobiles fg 2000. Weitere Informationen können Sie dem Exposé entnehmen oder bei Daniela Hettrich (Miterbin) erfragen: 0175/9370048. Investieren Sie Ihr gutes Geld doch in noch besseres Plastik! (ber, 7.1.15)