Wiesbaden: Kureck fällt im April

Schon länger war beschlossene Sache, dass der ehemalige Sitz der r+v-Versicherungen in Wiesbaden abgerissen wird. Die Flachbauten des 1971 errichteten Ensembles am sogenannten Kureck sind bereits gefallen, nun ist auch die Uhr für das weithin sichtbare Hochhaus abgelaufen: Nach Auskunft der IFM Immobilien AG wird das Gebäude im April Etage für Etage abgetragen. Die ursprünglich erwogene Sprengung komme nicht mehr infrage. Nachdem die r+v ihr Areal, zu denen auch zwei Gründerzeitvillen und ein denkmalgeschützter Fünfziger-Jahre-Bau gehörten, 2010 räumte, entwickelten es sich zum Zankapfel: Der Baubeginn zögerte sich fünf Jahre hinaus, die ungesicherten Gebäude wurden durch Vandalen verwüstet.

Die Stadtmarke r+v verschwindet zwar, doch sie bleibt nicht ohne Ersatz: Bis 2020 sollen auf dem Areal nun ein neues 19-stöckiges Hochhaus mit 45 Luxuswohnungen sowie zehn Stadtvillen mit weiteren insgesamt 55 Wohneinheiten entstehen, in den erhaltenen Altbauten kommen 20.500 Quadratmeter Gewerbeflächen hinzu. Die Pläne der Neubebauung stammen von Max Dudler Architekten, Hemprich Tophof Architekten sowie Ortner & Ortner Baukunst. (db, 22.2.16)

Wiesbaden, Kureck (Bild: IFM-Immobilien)

Was wird aus dem Kureck?

Ende 2010 hat die r+v-Versicherung ihren Firmensitz am Wiesbadener Kureck verlassen. Der Gebäudekomplex – zwei Gründerzeitvillen, ein Fünfziger-Jahre-Bürobau und das weithin sichtbare, 1971 errichtete Hochhaus – steht seitdem leer. Der Investor IFM, der das Gelände von der r+v erworben hatte, wollte das Hochhaus entkernen und umgestalten. Inzwischen liegen jedoch Entwürfe des Schweizer Architekten Max Dudler vor, die den Neubau eines Wohnturms vorsehen. Die Planungen ließen Großes erwarten, geschehen ist bis heute nichts: Das Gelände liegt seit vier Jahren brach und ist – nur notdürftig umzäunt –  ungebremstem Vandalismus preisgegeben.

Mittlerweile wird in der Stadt vermutet, dass die IFM kein Interesse mehr daran hat, das städtebauliche Großprojekt in Angriff zu nehmen und das Areal als Spekulationsobjekt hält; Stadt und Gebäudeeigner verkehren nur noch über Rechtsanwälte miteinander. Die IFM verweigerte zuletzt, die unzureichende Sicherung der Gebäude nachzubessern. Die Kosten für eine geschlossene Zaunanlage seien unverhältnismäßig, heißt es der FAZ zufolge in einem Schreiben des Unternehmens. Das Bauordnungsrecht verpflichte nicht zur Sicherung gegen den Missbrauch durch unbefugte Dritte. (db, 31.8.14)

„Landmark“ ohne Zukunft: das ehemalige r+v-Hochhaus in Wiesbaden (Bild: Beggi)