Das Bauhaus leuchtet

Wir feiern ja im Moment das Bauhaus. Permanent. Aber jetzt können Sie daraus ganz praktischen Nutzen ziehen. Vor wenigen Monaten ließen sich die Designer Niklas Jessen und Julia Mülling von den klaren Formen und Farben der 100-jährigen Stilrevolution zu etwas Neuem inspirieren (ein bisschen spielten vielleicht auch Erinnerungen an ihre Kinderzimmerlampe aus den 1980er Jahren mit hinein): „Junit Record“ ist ihre „modulare Pendelleuchte“. Dafür werden acht verschiedenen Elemente aus Eschenholz gedrechselt und in einer deutschen Werkstatt liebevoll lackiert.

Einige Module behalten ihre natürliche Oberfläche, andere werden in je eine klare Farbe getaucht. Das Herzstück bildet das „großes milchige Leuchtmittel“ (Milchglas LED, 6 Watt, 2700 K, dimmbar), das – so der Hersteller – warmes und diffuses Licht abstrahlt. Zum Abschluss kann sich der Käufer noch eine von acht verschiedenen Kabelfarben aussuchen. Das Ganze ist nicht ganz billig, aber preisgekrönt (German Design Award 2017 ‚Special Mention‘) und kann online mit einem „Konfigurator“ individuell zusammengestellt werden. Wem das zu viel Entscheidungsfreiheit ist, der kann eine von fünf „exklusiven kuratierten Versionen“ (was man heutzutage so alles kuratieren kann) anklicken. Oskar Schlemmer jedenfalls hätte seine helle Freude daran gehabt. (kb, 2.9.17)

Foto: schneid.de

Moderne am Main

Moderne am Main

Christian Dell, Tischleuchte (Dell-Lampe Type K), 1929, hergestellt von Chr. Zimmermann GmbH (Bild: Bauhaus-Archiv Berlin, Foto: Jost Schilgen)
Christian Dell, Tischleuchte (Dell-Lampe Type K), 1929, hergestellt von Chr. Zimmermann GmbH (Bild: Bauhaus-Archiv Berlin, Foto: Jost Schilgen)

Ab sofort zeigt das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung Berlin aktuell die Kabinettausstellung „Die Frankfurter Kunstschule – Moderne am Main“ und gibt damit neue Einblicke in seine umfangreichen Bestände. Das Bauhaus-Archiv besitzt weltweit die größte Sammlung zum Bauhaus und forscht und sammelt seit Jahrzehnten auch zu parallelen und nachfolgenden kunstreformerischen Akteuren. Dazu zählt auch die 1923 reformierte Frankfurter Kunstschule, die in enger inhaltlicher und personeller Verbindung zum Bauhaus stand. Die Ausstellung präsentiert Arbeiten von Schülern und Lehrern, einige Objekte darunter sind erstmals öffentlich zu sehen.

Im Zentrum des Neuen Frankfurt stand ein städtebauliches Großprojekt, bei dem von 1925 bis 1930 mehr als 12.000 Wohnungen, Verwaltungsgebäude und soziale Einrichtungen im Stil des Neuen Bauens entstanden. An dem von Ernst May geleiteten Stadtplanungsprogramm waren zahlreiche renommierte Architekten wie Walter Gropius oder Mart Stam beteiligt. Darüber hinaus strebte das Neue Frankfurt die Neugestaltung aller Lebensbereiche an und umfasste unter anderem auch Innenarchitektur, Typografie und Grafik. Zahlreiche private und öffentliche Akteure waren neben der städtischen Verwaltung Teil des Neuen Frankfurt, so auch die Frankfurter Kunstschule. Die Ausstellung „Moderne am Main“ ist noch bis zum 27. Februar 2017 zu sehen. (kb, 26.7.16)