Gleich zwei Türme gesichert

Gute Nachrichten dürfen sich zu Jahresende ruhig häufen. In diesem Fall gibt es Positive zu zwei (fast) gleichnamigen Kirchen zu vermelden: In Landau wurde die Johanneskirche unter Denkmalschutz gestellt. 1964 hatte man den Bau fertiggestellt, der nach Plänen des Architekten Wilhelm Eckner gestaltet wurde. Für die abstrahierende Glasgestaltung konnte der Künstler Hermann Jürgens gewonnen werden. Aktuell bereitet die Gemeinde eine umfassende Kirchensanierung mit Umbauten vor. Unter der Empore will man Gemeindefunktionen einbeziehen. Das damit freiwerdende Gemeindehaus wird dann für den Kindergarten hergerichtet. Für die Sanierung werden (ohne Photovoltaik-Anlage) rund 500.000 Euro veranschlagt.

Hamburg-Harburg, Johanniskirche (Bild: historische Postkarte)

Hamburg-Harburg, Johanniskirche (Bild: historische Postkarte)

In Hamburg-Harburg brachte das Jahresende den rettenden Geldsegen von Bund und Stadt: Die denkmalgeschützte Johanniskirche (nach einer Gemeindefusion zu St. Trinitatis gehörig) entstand bis 1954 nach Plänen der Architekten Karl Trahn und Einhart Hölscher. Betonschäden am schlanken Kirchturm bereiteten der Gemeinde bereits seit Jahren einiges Kopfzerbrechen. 2019 hatte man die vorliegenden Sanierungspläne als unzureichend abgelehnt (die Schäden waren größer als gedacht) und das gestellte Gerüst abbauen lassen. Vor Kurzem wurde der Abriss des Turms genehmigt. Doch jetzt kommen 750.000 Euro vom Bund – und noch einmal dieselbe Summe von der Stadt. Damit steht einem Erhalt nichts mehr im Wege. (kb, 6.12.20)

Landau, Johanneskirche (Bild: Rübenbrei, CC BY NC SA 2.5, 2020)

Parkplätze statt Süwega-Halle

Jetzt ist es also so weit: Aktuell wird die Süwega-Halle in Landau abgerissen. Damit kommt die Debatte um die 1949 errichtete Hozhalle zum Ende. Und der Umgang mit dem architektonischen Erbe erinnert irgendwie stark an die 1970er Jahre: Anstelle der Halle entstehen nun Parkplätze. Auch die Universität hatte Interesse am Grunstück angemeldet, doch ob sie irgendwann einmal mit einem Neubau zum Zug kommt, steht in den Sternen. Jetzt gibt es erstmal Platz für Autro, denn die über 70 Jahre alte Süwega-Halle wurde schon 2017 als nicht denkmalwürdig eingestuft, und so werden jetzt Fakten eschaffen.

Süwega steht für die „Südwestdeutsche Gartenschau“: Von Juli bis Oktober 1949 fand die Veranstaltung, aus der später bundesweit die Landesgartenschauen hervorgingen, in Landau statt. Die große Holzhalle am Messplatz war Teil der Schau. Jahrzehntelang hat sie danach in der Stadt als Sport- und Veranstaltungsort gedient, wurde kaum verändert und entwickelte sich allmählich zur Zeitkapsel: Bis zuletzt nahm man etwa Platz auf Stapelstühlen aus den 1950ern. Besondere Schadstoffe, die immer als Argument für den in der Bevölkerung umstrittenen Abriss herhalten mussten, sind bislang übrigens kaum aufgetaucht. (db, 29.11.20)

Landau, Süwega-Halle (Bild: Stadt Landau)

Vater des Bauhäusles verstorben

Der Architekturprofessor Peter Sulzer ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Wie die Rheinpfalz berichtet, starb der gebürtige Karlsruher bereits am 18. Dezember des vergangenen Jahres. Nach dem Abitur entschloss Sulzer sich zunächst für ein Studium der Malerei an der Hamburger Hochschule für bildende Künste. Hier wurde er unter anderem von dem Bauhausschüler Kurt Kranz unterrichtet. Später folgten Stationen an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und schließlich das Architekturstudium an der Technischen Hochschule Karlsruhe bei Egon Eiermann.

Eine prägende Begegnung fand 1959 auf einer Frankreich-Reise des jungen Architekten statt: Sulzer machte Bekanntschaft mit Jean Prouvé. In der Folge wurde er zu einem wichtigen Experten für dessen Werk, was sich bis heute in der von Sulzer und seiner Frau Erika Sulzer-Kleinemeier gegründeten Stiftung Simonshof ausdrückt. Stiftung und Museum Simonshof baute Peter Sulzer parallel zu seiner Tätigkeit als Professor an der Universität Stuttgart (1969-1997) aus. Größere Aufmerksamkeit erregte das dortige Projekt „Bauhäusle“, ein Wohnheim, das er mit seinem Kollegen Peter Hübner 1982 in Eigenarbeit durch und für Studierende errichten ließ. Zudem war Peter Sulzer lokalpolitisch aktiv, als persönliches Vermächtnis und als Ort der Erinnerung bleibt indes vor allem der Simonshof in Gleisweiler. (mk, 10.1.20)

Stuttgart, Bauhäusle (Bild: Inkunabella, CC BY-SA 4.0)