Le Corbusier am Plärrer

Zu den ersten nachkriegsmodernen Bürogebäuden, die in Bayern unter Denkmalschutz gestellt wurden, zählte 1988 das Plärrerhochhaus. Es war seinerzeit gerade einmal 35 Jahre alt und heißt eigentlich „Geschäfts- und Werkstättengebäude der Städtischen Werke Nürnberg am Plärrer“. Architekt war Wilhelm Schlegtendal (1906-1994), der etliche Gebäude in der Frankenstadt entwarf. Unter ihnen sind die Passionskirche (1965-68), das „Sonnenwohnheim“ (1955-57) und das Nicolaus-Copernicus-Planetarium (1961), das sich direkt ans Plärrerhochhaus anschließt. Bis heute ist das mit 56 Metern einst höchste Gebäude Bayerns in Besitz der Stadtwerke. Und wie üblich sorgten die Brandschutzbestimmungen im Lauf der Jahrzehnte für Probleme, sodass seit 2016 eine Grundsanierung durchgeführt wird.

Was hat das jetzt mit Corbu zu tun? Es ist recht simpel, wie aus heutiger Sicht eine positive Überraschung: Bei der denkmalgerechten Sanierung des Hochhauses kamen die Originalfarben, in denen einzelne Wände gestrichen waren, wieder zum Vorschein. Und sie basieren auf dem 1931 und 1959 von Le Corbusier entwickelten, beliebig kombinierbaren Farbkonzept – an dem man sich jetzt wieder orientieren wird: Insgesamt 28 Töne werden das Hochhaus am Plärrer beleben. Jedes Stockwerk erhält an der konvexen Rückwand des Treppenhauses seine eigene Farbe. Die jeweilige Komplementärfarbe dazu findet sich in den nach Plänen des Büros Knerer und Lang neu gestalteten Büroräumen. (db, 7.9.19)

Nürnberg, Plärrerhochhaus (Bild: Andreas Praefcke, CC BY 3.0)

Le Corbusier trifft Fernand Léger

Angeblich lernten sie sich 1920 im „Café de la Rotonde“ in Montparnasse kennen: Le Corbusier und Fernand Léger. In den nächsten Jahren entspann sich eine intensive Freundschaft zwischen dem Maler und dem Architekten, die sich auch auf ihre jeweiligen Arbeiten auswirkte. Die Ausstellung „Le Corbusier et Léger. Visions polychromes“ im lothringischen Briey nimmt die auf Inspiration und Austausch basierende Beziehung in den Blick. Den Besuchern steht hier die von Le Corbusier gestaltete Cité Radieuse offen – inklusive Musterwohnung! Die von 1959 bis 1961 erbaute Hochhausscheibe rekurriert in ihrer farbenfrohen Gestaltung auf die Ansätze Fernand Légers.

Bei anderen Projekten arbeiteten Corbusier und Léger auch direkt zusammen. 1925 lud der Architekt seinen Freund Léger ein, ein Gemälde in seinem „Pavillon de l’Esprit Nouveau“ auf der Weltausstellung des Kunstgewerbes zu präsentieren. Auch in Corbusiers Pavillon für die Pariser Weltausstellung 1937 fand sich eine monumentale Fotomontage Légers. Die Ausstellung in Briey flankiert die Retrospektive „Fernand Léger. Le Beau est partout“ im Centre Pompidou im 40 Kilometer entfernten Metz. Sie ist noch bis zum 24. September zu sehen. (jr, 16.6.17)

Le Corbusier, Cité Radieuse de Briey (Bild: Jony54, CC BY SA 3.0)

Spätkoloniale Moderne

Spätkoloniale Moderne

Spätkoloniale Moderne (Bild: Birkhäuser Verlag)

Le Corbusier, Ernst May und Frank Lloyd Wright – sie alle verbindet der Weltruhm in der klassischen Moderne. Ihre Bauprojekte in Europa und Nordamerika begeisterten Zeitgenossen wie Spätgeborene. Für die jüngst erschienene Monographie von Regina Göckede ist dies jedoch eher zweitrangig. Sie nimmt stattdessen die oft kaum bekannte Tätigkeit der Architekten in den ehemaligen Kolonien Europas in den Blick.

So plante die französische Regierung in den 1930er Jahren, Algier zu einer modernen Metropole nach europäischen Maßgaben zu transformieren, einer „Hauptstadt des französischen Afrikas“. Le Corbusier befasste sich hierfür fast zehn Jahre mit städtebaulichen Entwürfen. Auch Ernst May, seit 1934 Emigrant in Ostafrika, suchte die koloniale Idealstadt. Mitte der 1940er Jahre plante er für die britische Kolonialverwaltung eine Erweiterung für Ugandas Hauptstadt Kampala. Frank Lloyd Wright schließlich entdeckte Bagdad als Schaffensfeld. Der Band stellt die Arbeit dreier Modernisten in Afrika bzw. dem Nahen Osten vor. Dabei dekonstruiert er jedoch den Mythos einer per se moralisch integren Moderne. Neben Bauten und Planungen werden auch die Entstehungsbedingungen beleuchtet, die Verflechtungen mit den imperialen Bestrebungen der europäischen Kolonialmächte offenbaren. Lesenswert! (jr, 8.1.17)

Göckede, Regina, Spätkoloniale Moderne. Le Corbusier, Ernst May, Frank Lloyd Wright. The Architects Collaborative und die Globalisierung der Architekturmoderne, Birkhäuser Verlag, Basel 2016, ISBN 978-3-03821-123-5.