Schlagwort: Le Corbusier

Corbusier-cité-radieuse-Briey-Bild-Jony-CC-BY-SA-3.0

Le Corbusier trifft Fernand Léger

Angeblich lernten sie sich 1920 im „Café de la Rotonde“ in Montparnasse kennen: Le Corbusier und Fernand Léger. In den nächsten Jahren entspann sich eine intensive Freundschaft zwischen dem Maler und dem Architekten, die sich auch auf ihre jeweiligen Arbeiten auswirkte. Die Ausstellung „Le Corbusier et Léger. Visions polychromes“ im lothringischen Briey nimmt die auf Inspiration und Austausch basierende Beziehung in den Blick. Den Besuchern steht hier die von Le Corbusier gestaltete Cité Radieuse offen – inklusive Musterwohnung! Die von 1959 bis 1961 erbaute Hochhausscheibe rekurriert in ihrer farbenfrohen Gestaltung auf die Ansätze Fernand Légers.

Bei anderen Projekten arbeiteten Corbusier und Léger auch direkt zusammen. 1925 lud der Architekt seinen Freund Léger ein, ein Gemälde in seinem „Pavillon de l’Esprit Nouveau“ auf der Weltausstellung des Kunstgewerbes zu präsentieren. Auch in Corbusiers Pavillon für die Pariser Weltausstellung 1937 fand sich eine monumentale Fotomontage Légers. Die Ausstellung in Briey flankiert die Retrospektive „Fernand Léger. Le Beau est partout“ im Centre Pompidou im 40 Kilometer entfernten Metz. Sie ist noch bis zum 24. September zu sehen. (jr, 16.6.17)

Le Corbusier, Cité Radieuse de Briey (Bild: Jony54, CC BY SA 3.0)

Spätkoloniale Moderne

Spätkoloniale Moderne (Bild: Birkhäuser Verlag)

Le Corbusier, Ernst May und Frank Lloyd Wright – sie alle verbindet der Weltruhm in der klassischen Moderne. Ihre Bauprojekte in Europa und Nordamerika begeisterten Zeitgenossen wie Spätgeborene. Für die jüngst erschienene Monographie von Regina Göckede ist dies jedoch eher zweitrangig. Sie nimmt stattdessen die oft kaum bekannte Tätigkeit der Architekten in den ehemaligen Kolonien Europas in den Blick.

So plante die französische Regierung in den 1930er Jahren, Algier zu einer modernen Metropole nach europäischen Maßgaben zu transformieren, einer „Hauptstadt des französischen Afrikas“. Le Corbusier befasste sich hierfür fast zehn Jahre mit städtebaulichen Entwürfen. Auch Ernst May, seit 1934 Emigrant in Ostafrika, suchte die koloniale Idealstadt. Mitte der 1940er Jahre plante er für die britische Kolonialverwaltung eine Erweiterung für Ugandas Hauptstadt Kampala. Frank Lloyd Wright schließlich entdeckte Bagdad als Schaffensfeld. Der Band stellt die Arbeit dreier Modernisten in Afrika bzw. dem Nahen Osten vor. Dabei dekonstruiert er jedoch den Mythos einer per se moralisch integren Moderne. Neben Bauten und Planungen werden auch die Entstehungsbedingungen beleuchtet, die Verflechtungen mit den imperialen Bestrebungen der europäischen Kolonialmächte offenbaren. Lesenswert! (jr, 8.1.17)

Göckede, Regina, Spätkoloniale Moderne. Le Corbusier, Ernst May, Frank Lloyd Wright. The Architects Collaborative und die Globalisierung der Architekturmoderne, Birkhäuser Verlag, Basel 2016, ISBN 978-3-03821-123-5.

Stuttgart hat Welterbe!

Stuttgart, Weissenhof-Siedlung, Haus Le Corubsier (Bild: Andreas Praefcke, CC BY 3.0.de)
Karrieresprung: Das Haus Le Corbusier in der Stuttgarter Weissenhof-Siedlung wurde heute von der UNVESCO geadelt (Bild: Andreas Praefcke, CC BY 3.0.de)

In Stuttgart ist es nie verkehrt, laut und deutlich und mit internationaler Unterstützung zu sagen: Dieses Bauwerk hat Weltniveau, darauf solltet ihr achten! In diesem Fall handelt es sich um das Werk des Altmeisters der Moderne Le Corbusier (1887-1965), die von der UNESCO heute früh als Weltkulturerbe eingestuft wurden. Fast wäre noch die Weltpolitik dazwischengekommen, als die Jurysitzung wegen des Türkei-Putsches unterbrochen wurde.

Schon zweimal war der Antrag auf Anerkennung der Le Corbusier-Bauten abgelehnt worden. Doch im dritten Anlauf überzeugte das  Vorhaben, an dem sich Deutschland, Argentinien, Belgien, Frankreich, Indien, Japan und die Schweiz beteiligten: Zu den als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannten Le-Corbusier-Bauten zählen zwei Häuser der Stuttgarter Weissenhof-Siedlung (1927). Mit von der Partie sind u. a. Ronchamp oder die Wohnmaschine in Marseille. Unter den weiteren drei neuen Weltkuturerbe-Orten findet sich das Pampulha Modern Ensemble in Brazil (O. Niemeyer, 1940). Le Corbusier sei, so zitiert die Stuttgarter Zeitung den dortigen Oberbürgermeisters Fritz Kuhn (Grüne), zurkunftsweisend: „günstige Wohnungen mit innovativen Grundrissen und neuen Materialien zu bauen, ist noch immer wegweisend und muss daher Ansporn für unsere Architekten und Stadtplaner sein.“ (kb, 17.7.16)

Dem Corbusier sein Haus

Berlin, Corbusierhaus (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0)
Wie die Wohnungseinrichtungen wohl aussehen mögen? Das Berliner Corbusierhaus (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0)

Schon Pläne für den Sonntag? Flohmarkt? Wir hätten einen Tipp für das gehobene Trödeln: Am 8. Mai findet im Corbusierhaus (Flatowallee 16, 14055 Berlin) eine Wohnungsauflösung statt. Zwischen 11.00 und 16.00 Uhr gibt es in der Wohnung 237 einen „großen Ausverkauf“, so der Ankündigungstext auf Facebook: Möbel, Geschirr, etc. von Corbusier, Perriand, Aalto, Rams, Starck, Thut und Eichenberger.

Der schöngeistige Hintergrund zum möglichen Shoppingerlebnis: Die „Unité d’Habitation“, die „Wohneinheit Typ Berlin“ wurde von Le Corbusier 1957 zur Interbau gestaltet. Ursprünglich sollte der Riegel als westliches Manifest gegen die Bauten der Ost-Berliner Karl-Marx-Allee (damals noch nach Stalin benannt) im Hansaviertel zu stehen kommen. Doch wegen der schieren Größe entschied man sich schließlich für ein städtisches Grundstück im „Heilsberger Dreieck“ nahe des Olympiastadions. Errichtet wurde der heute denkmalgeschützte Komplex mit 530 Wohnungen auf 17 Geschossen zwischen 1956 und 1958. So ist diese Ikone der Moderne auch ohne das Luxuströdeln einen Besuch wert. (kb, 7.5.16)

Corbu-Strip

Vincent Mahé illustriert das Leben des Architekten Le Corbusier (Bild: V. Mahé)
Vincent Mahé illustriert die Lebensstationen des Architekten Le Corbusier (Bild: V. Mahé auf „arch-daily“)

Auf „arch-daily“ ist jetzt einer der charmantesten Beiträge zum 50. Todestag des Architekten, Designers und Role Models Le Corbusier erschienen: ein „Comic-Strip“, der die Stationen des bewegten Lebens in Grün und Pink aufs Papier bringt. Der französische Künstler und Illustrator Vincent Mahé wirft auch darüber hinaus gerne einen Blick auf die architektonischen Erzeugnisse der letzten Jahrzehnte – so z. B. zum 40. Geburtstag des Flughafens Charles de Gaulle.

Eine naheliegende Idee, lebt doch die Architektur selbst mehr vom Zeichenstift als vom gedruckten Wort. Und mit einem Hauch Retro-Ästhetik folgt man Mahé nur allzu gerne auf dem Weg Le Corbusiers hin zur klassischen Moderne, von seinen ersten kantigen Bauerfolgen über die Umbrüche des Zweiten Weltkriegs bis hin zu seinen betonplastischen Neuanfängen nach 1945. (kb, 12.11.15)

Dialoge. Fotografien von Hélène Binet

LevCorbusier, Kloster Sainte Marie de la Tourette, Eveux/Frankreich (© Hélène Binet, 2002)
Le Corbusier, Kloster Sainte Marie de la Tourette, Eveux/Frankreich (© Hélène Binet, 2002)

Die international tätige Fotografin Hélène Binet (* 1959) hält seit nunmehr 25 Jahren das architektonische Werk weltweit bekannter Architekten mit der Kamera fest:  Le Corbusier bis Peter Zumthor, von Ludwig Leo bis Zaha Hadid. Ihre Fotografien, vorwiegend schwarz-weiß, bestechen durch ihre präzise Licht- und Schatteneffekte im Raum. Binet arbeitet Strukturen und Material, Formen und Geometrien als etwas gänzlich Eigenständiges heraus. Damit entstehen Motive, die über eine pure Architektur-Abbildung weit hinausgehen.

In seiner aktuellen Ausstellung „Dialoge. Fotografien von Hélène Binet“ stellt das Berliner Bauhaus Archiv (Klingelhöferstraße 14, 10785 Berlin) Aufnahmen unterschiedlicher Bauten berühmter Architekten einander gegenüber – oder kontrastiert sie mit Landschaftsaufnahmen. Diese Dialoge heben das Besondere der jeweiligen Architektur hervor und eröffnen dem Betrachter zugleich vielschichtige Assoziationsmöglichkeiten. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Accademia di architettura in Mendrisio, Schweiz. Wegen des großen Interesses wurde die Ausstellung jetzt bis zum 26. Oktober 2015 verlängert. (kb, 11.9.15)

Mit Le Corbusier in die Stille

Ronchamp, Notre Dame du Haut, Wasserspeier (Bild: Wladyslaw, GNU oder CC BY SA 3.0)
Bis ins Detail stilbildend: die Wallfahrtskirche in Ronchamp (Bild: Wladyslaw, GNU oder CC BY SA 3.0)

Es sind „die“ modernen Kirchen schlechthin: die organisch geformte Wallfahrtskirche in Ronchamp und – nicht weniger folgenreich – die kantige Klosteranlage Sainte Marie de la Tourette. Der schweizerische Architekt Le Corbusier (1887-1965) hat mit seiner Formensprache nicht nur im Profanbau seine Spuren hinterlassen, sondern auch gleich mehrere Generationen von Kirchenbauern geprägt. Vom 23. Mai bis zum 26. Juli 2015 widmet sich nun – begleitend zum Kirchentag – eine Ausstellung dem Thema: „Stille und Frieden – die Sakralbauten von Le Corbusier“ ist im Haus Mies van der Rohe (Am Weissenhof 20, 70191 Stuttgart) zu sehen. Veranstaltet wird sie vom Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier/Freunde der Weissenhofsiedlung.

Zur Vernissage am 21. Mai um 19 Uhr hält – nach einem Grußwort von Arne Fentzloff, Vorstand Freunde der Weissenhofsiedlung – Reinhard Lambert Auer, Kunstbeauftragter der Landeskirche Württemberg – den Kurzvortrag „Neuer Kirchenbau“,Hanna Kölbel, Cello,  Kottos von Iannis Xenakis. Am 17. Juli informiert Arthur Rüegg um 19:30 Uhr in der Weissenhofwerkstatt im Haus Mies van der Rohe (Am Weissenhof 20, 70191 Stuttgart) mit seinem Vortrag Bild-„Architektur“ über den Fotoreporter und -künstler René Burri, der als fotografischer „Chronist“ von Le Corbusier gilt. Wegen der geringen Platzzahl, wird um Voranmeldung gebeten: 0711 2579187, info@weissenhofmuseum.de. (kb, 19.5.15)

Neuauflage für Corbu

Neu aufgelegt: Le Corbusiers Pionierschrift zum Städtebau (Bild: DVA Verlag)
Neu aufgelegt: Le Corbusiers Pionierschrift zum Städtebau (Bild: DVA Verlag)

„Die Stadt ist ein Arbeitswerkzeug. Die Städte erfüllen im Allgemeinen diese Aufgabe nicht mehr.“ Mit diesen anklagenden Worten beginnt Le Corbusiers erstes Buch zum Städtebau. Der Architekt veröffentlichte es 1925 unter dem ebenso schlichten wie treffenden Titel „Urbanisme“. Etliche seiner hier vertretenen Standpunkte zur idealen Stadt brachte er 1933 beim internationalen Architektenkongress der CIAM in die Charta von Athen ein, die für den Städtebau jahrzehntelang Gültigkeit beanspruchen konnte und bis heute nachwirkt. Anlässlich des  50. Todestags Le Corbusiers hat die Deutsche Verlagsanstalt das wegweisende Buch nun mit einem Vorwort von Wolfgang Pehnt neu aufgelegt.

Mit „Urbanisme“ begründete Le Corbusier seinen Weltruhm auf dem Gebiet des Städtebaus. 1923 hatte er mit „Vers une architecture“ bereits  seine architektonischen Visionen zu Papier gebracht, mit dieser Pionierschrift erweiterte er sie auf den Städtebau. Auf Deutsch erschien „Urbanisme“ unter dem Titel „Städtebau“ erstmals 1929 in der Übersetzung des Kunsthistorikers Hans Hildebrandt, der ein begeisterter Anhänger der Theorien Le Corbusiers war. Die letzte Neuauflage – ein Reprint – gab es im Jahr 1979 (jr, 6.5.15)

Le Corbusier. Städtebau. Mit einem Vorwort von Wolfgang Pehnt, in der Übersetzung von Hans Hildebrandt, DVA Verlag 2015, 288 Seiten, 218 Abbildungen, ISBN 978-3-421-03984-2.

Le Corbusier: l’oeuvre à l’épreuve

Das Züricher Le-Corbusier-Haus (Bild: Roland zh)
Zürich, Le-Corbusier-Haus (Bild: Roland zh)

Vor 50 Jahren starb der große Schweizer Architekt Le Corbusier – und hinterließ ein großes Erbe an modernen Bauten, die erhalten werden wollen. Gewinnen diese Inkunabeln der Baugeschichte mit dem Gebrauch oder müssen sie vor allzu deutlichen Spuren ihrer Nutzung bewahrt werden? Um dieser Frage nachzugehen, haben sich nun die „Fondation Le Corbusier“ und das „Institut national d’histoire de l’art“ zusammengetan. Mit der Tagung „Le Corbusier: l’ouvre a l’epreuve de sa restauration“ widmet sie sich vom 16. bis zum 18. April 2015 in Paris der Zukunft des baulichen Erbes von Le Corbusier.

Im Rahmen der Konferenz werden Runde Tische, Fallstudien und Exkursion angeboten. Das Tagungsprogramm umfasst Grundsatzbeiträge – Wie findet man die rechte Balance zwischen Erhalt und lebendiger Nutzung? – ebenso wie Einzelfragen – Wie restauriert man die Innenausstattung von Le Corbusierts Baukunstwerken? – und Einzelbeispiele – die Unité d’habitation in Marseille oder die Wallfahrtskirche von Ronchamp. Veranstaltungsorte sind am 16 April das Auditorium de la Cité de l’architecture et du patrimoine (7, avenue Albert de Mun, 75116 Paris), am 17. und 18. April das Auditorium de la Galerie Colbert (6, rue des Petits-Champs ou 2, rue Vivienne, 75002 Paris), jeweils freier Eintritt soweit Plätze vorhanden). (kb, 7.4.15)

Das Versprechen der Moderne

Margret Hoppe, "Das Versprechen der Moderne" (Bild: Scheidegger & Spiess)
„Das Versprechen der Moderne“ spürt in Fotos und Beiträgen den Baukunstwerken Le Corbusiers nach  (Bild: Scheidegger & Spiess)

Sichtbeton, klare Formen und wechselnde Farbflächen: Die Fotografin Margret Hoppe (* 1981) fing mit der Kamera ein, was Le Corbusiers Bauten zu Inkunabeln der Klassischen Moderne macht. Zum Jahreswechsel 2014/15 zeigte Hoppe ihre Aufnahmen bereits in einer Einzelausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig – und wurde dafür mit dem Kunstpreis der Sachsen Bank 2014 ausgezeichnet.

Nun hat der Züricher Verlag Scheidegger & Spiess die Fotografien in einem opulenten Bildband zusammengefasst. Margret Hoppes Fotografien zeigen Le Corbusiers Bauten menschleer, doch voller Spuren ihrer Nutzung. Sie verwandeln sich zu Zeichen, die an malerische oder skulpturale Werke der frühen Moderne erinnern. Ergänzt wird diese Werkübersicht durch weitere Fotografien internationaler Bauten der klassischen Moderne, durch Texte fachkundiger Autoren – von Oliver Fern und Hans-Werner Schmidt über Sarah Alberti bis zu Marc Ries – und ein Interview mit der Künstlerin selbst. (kb, 16.3.15)

Hoppe, Margret, Das Versprechen der Moderne, hg. von Hans-Werner Schmidt in Zusammenarbeit mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig, Englisch/Deutsch, Scheidegger & Spiess, Zürich 2014, gebunden, 51 Farb- und 34 Schwarzweiß-Abbildungen, 24 x 30 cm, ISBN 978-3-85881-461-6.

Le Corbusier: der dritte Anlauf

Das Hohe Gericht in Chandigarh ist ein Teil des indischen Erbes Le Corbusiers (Bild: gb pandey, CC-BY-SA 2.0)
Das Hohe Gericht in Chandigarh ist Teil des indischen Erbes Le Corbusiers (Bild: gb pandey, CC-BY-SA 2.0)

Dass das Werk Le Corbusiers für die Moderne von großer Bedeutung war, wird wohl niemand bestreiten. Aber reicht das auch für den Status als UNESCO-Welterbe? Selbstverständlich, meint eine länderübergreifende Initiative. Tatsächlich scheint das einzigartige Erbe des berühmten Schweizer Architekten, das über drei Kontinente verteilt ist, prädestiniert für diesen Titel. Bisher wurden entsprechende Anträge jedoch abgelehnt, ein dritter Versuch soll nun endlich klappen, eine Entscheidung wird für Mitte 2016 erwartet.

Die beiden missglückten Anläufe von 2009 und 2011 waren unter anderem an der stilistischen Vielfältigkeit der eingereichten Liste von Bauten und Planungen gescheitert. Dass gerade dies die Entwicklung der Moderne exemplarisch verdeutliche, konnte den internationalen Denkmalrat Icomos nicht überzeugen. Diesmal stehen die Chancen jedoch besser, da auch der Kreis der Antragsteller die internationale Bedeutung verdeutlicht. Neben Frankreich sind auch Argentinien, Deutschland, Belgien, Japan, die Schweiz und vor allem Indien – das mit Chandigarh die größte Einzelplanung Le Corbusiers beim letzten Versuch wieder zurückgezogen hatte – mit dabei. In Deutschland würden zwei Bauten der Stuttgarter Weißenhofsiedlung unter den Welterbe-Status fallen. (jr, 20.2.15)

Gruppenbild mit Meister

Gruppenbild mit Meister. Le Corbusier und seine Mitarbeiter
Gruppenbild mit Meister. Le Corbusier und seine Mitarbeiter (Bild: Berenburg Verlag)

Er gilt als einer der wichtigsten Architekten der Moderne: Le Corbusier, 1887 als Charles-Éduard Jeanneret in der Schweiz geboren. Für viele angehende Kollegen war er Mentor und Idol, unter seinen Schülern und Mitarbeitern finden sich renommierte Architekten wie Oscar Niemeyer, Albert Frey  oder Josep Lluís Sert. Trotz unterschiedlich langer Zusammenarbeit und einer oft miserablen Bezahlung betrachteten sie alle die Arbeit mit bzw. für Le Corbusier als prägend für ihre Laufbahn.

Dieser Begeisterung geht die Architektin Ursula Muscheler in ihrer jüngst erschienenen Monographie nach. Das Buch widmet sich einer Auswahl der zahlreichen Mitarbeiter Le Corbusiers. Ausgehend von verschiedenen berühmten Projekten des Architekten untersucht Muscheler, welchen Anteil seine Mitarbeiter an den Bauten und Planungen hatten. Darüber hinaus beleuchtet sie auch das Schaffen der ehemaligen Schüler nach ihrer Zeit im Atelier des Meisters. Hier zeigt sich, wie prägend seine Ansätze tatsächlich waren, und wie nachhaltig die Begeisterung für Le Corbusier wirkte.  (jr, 24.10.2014)

Muscheler, Ursula: Gruppenbild mit Meister. Le Corbusier und seine Mitarbeiter, Berenberg Verlag, Berlin 2014,  200 Seiten, 16,4 x 22,8 cm, ISBN 978-3-937834-74-0.