Le Corbusier: der dritte Anlauf

Dass das Werk Le Corbusiers für die Moderne von großer Bedeutung war, wird wohl niemand bestreiten. Aber reicht das auch für den Status als UNESCO-Welterbe? Selbstverständlich, meint eine länderübergreifende Initiative. Tatsächlich scheint das einzigartige Erbe des berühmten Schweizer Architekten, das über drei Kontinente verteilt ist, prädestiniert für diesen Titel. Bisher wurden entsprechende Anträge jedoch abgelehnt, ein dritter Versuch soll nun endlich klappen, eine Entscheidung wird für Mitte 2016 erwartet.

Die beiden missglückten Anläufe von 2009 und 2011 waren unter anderem an der stilistischen Vielfältigkeit der eingereichten Liste von Bauten und Planungen gescheitert. Dass gerade dies die Entwicklung der Moderne exemplarisch verdeutliche, konnte den internationalen Denkmalrat Icomos nicht überzeugen. Diesmal stehen die Chancen jedoch besser, da auch der Kreis der Antragsteller die internationale Bedeutung verdeutlicht. Neben Frankreich sind auch Argentinien, Deutschland, Belgien, Japan, die Schweiz und vor allem Indien – das mit Chandigarh die größte Einzelplanung Le Corbusiers beim letzten Versuch wieder zurückgezogen hatte – mit dabei. In Deutschland würden zwei Bauten der Stuttgarter Weißenhofsiedlung unter den Welterbe-Status fallen. (jr, 20.2.15)

Das Hohe Gericht in Chandigarh ist Teil des indischen Erbes Le Corbusiers (Bild: gb pandey, CC-BY-SA 2.0)

Gruppenbild mit Meister

Gruppenbild mit Meister. Le Corbusier und seine Mitarbeiter
Gruppenbild mit Meister. Le Corbusier und seine Mitarbeiter (Bild: Berenburg Verlag)

Er gilt als einer der wichtigsten Architekten der Moderne: Le Corbusier, 1887 als Charles-Éduard Jeanneret in der Schweiz geboren. Für viele angehende Kollegen war er Mentor und Idol, unter seinen Schülern und Mitarbeitern finden sich renommierte Architekten wie Oscar Niemeyer, Albert Frey  oder Josep Lluís Sert. Trotz unterschiedlich langer Zusammenarbeit und einer oft miserablen Bezahlung betrachteten sie alle die Arbeit mit bzw. für Le Corbusier als prägend für ihre Laufbahn.

Dieser Begeisterung geht die Architektin Ursula Muscheler in ihrer jüngst erschienenen Monographie nach. Das Buch widmet sich einer Auswahl der zahlreichen Mitarbeiter Le Corbusiers. Ausgehend von verschiedenen berühmten Projekten des Architekten untersucht Muscheler, welchen Anteil seine Mitarbeiter an den Bauten und Planungen hatten. Darüber hinaus beleuchtet sie auch das Schaffen der ehemaligen Schüler nach ihrer Zeit im Atelier des Meisters. Hier zeigt sich, wie prägend seine Ansätze tatsächlich waren, und wie nachhaltig die Begeisterung für Le Corbusier wirkte.  (jr, 24.10.2014)

Muscheler, Ursula: Gruppenbild mit Meister. Le Corbusier und seine Mitarbeiter, Berenberg Verlag, Berlin 2014,  200 Seiten, 16,4 x 22,8 cm, ISBN 978-3-937834-74-0.

Homo Mensura

Homo Mensura (Bild: Faguswerke)
Der Mensch als Maß der modernen Architektur (Bild: Faguswerk)

Gerne wird der modernen Architektur vorgeworfen, sie sei zu groß, zu abstrakt, zu industriell – schlicht unmenschlich. Dabei stellten gerade die Vorreiter der klassischen Moderne – von Le Corbusier bis zu Ernst Neufert – den Mensch in den Mittelpunkt. Diesem Motiv folgt die Tagung “Homo Mensura” , die vom 31. Oktober bis 2. November 2014 im Tagungszentrum des Faguswerks Alfeld stattfindet. Die Vorträge kreisen um die architekturtheoretische Denkfigur “Mensch” in der Architektur der Moderne.

Die Tagung bildet zugleich den Abschluss zum Fagus-Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Baugeschichte der RWTH Aachen (Prof. Dr. Jan Pieper). Demnach ließen sich die Planer des Faguswerks, Walter Gropius und Adolf Meyer, nicht allein von den vordergründigen Ziele der Moderne leiten: Die Gestaltung müsse der Funktion, der Konstruktion, dem Material und der Ökonomie folgen. Stattdessen standen für sie die Denkfigur des „vitruvianischen Menschen“ und die klassischen Maß-Verfahren im Vordergrund. Die Konferenz im Tagungszentrum des Faguswerks ist kostenfrei. Gegen eine Gebühr von 150 Euro kann sie als Fortbildung der Architektenkammer NRW anerkannt werden. Anmeldungen bitte schriftlich an: homomensura@synthese-web.de. (kb, 12.10.14)