Leerstandskonferenz in Brandenburg

Seit 2011 organisiert das Büro nonconform aus Wien/Berlin die Leerstandskonferenz. 2018 findet sie erstmals in Deutschland statt – von 10. bis 12. Oktober in Luckenwalde. Das Thema: „Strategien gegen Leerstand und für Nachnutzung von Produktionsstätten“. Womit auch die Ortswahl – im Brandenburgischen, nicht im hippen Berlin – erklärt wäre. In Luckenwalde steht die Hutfabrik Friedrich Steinberg, Herrmann & Co. von Erich Mendelsohn. Das expressionistische Meisterwerk ist eines der Vorzeigebeispiele, wenn es um die Sanierung ehemaliger Industrieareale geht. Derer gibt es reichlich: Die sich verändernde Arbeitswelt hinterließ gerade außerhalb der Ballungszentren etliche leerstehende, ortsbildprägende Fabrikbauten.

Luckenwalde ist ein Beispiel, dass man auch ohne Abriss und  unendliche Debatten Industriebrachen revitalisieren kann. Die Stadt habe „den Strukturwandel der letzten Jahrzehnte vorbildlich gestaltet und daraus einen echten Mehrwert für die Lebensqualität der Menschen erzeugt“, heißt es in der Ankündigung.  Zum Konferenzprogramm zählen eine Vorführung des Dokumentarfilms „Orte der Arbeit“ (2017), Podiumsdiskussionen u.a. mit der Kunsthistorikerin Gabriele Dolff-Bonekämper, Elke Knöss-Grillitsch von Peanutz Architekten und Roland Gruber von nonconform. Hinzu kommen Workshops u.a. mit Martin A. Ciesielski und dem Kolbermoorer Bürgermeister Peter Kloo, Themenimpulse von Reiner Nagel und Turit Fröbe sowie diverse Kurzvorträge. Die Teilnahme kostet 180 Euro, für Studierende 50 Euro. Anmeldung unter: www.leerstandkonferenz.at. (db, 24.9.18)

Luckenwalde, Hutfabrik Friedrich Steinberg, Herrmann & Co. (Bild: Doris Antony, CC BYSA 3.0)

Für Spontane: Konferenz „LeerGut“

Für Spontane: Konferenz „LeerGut“

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Bitte beachten: Anmeldeschluss ist MORGEN!

Die Konferenz „Leergut. Positionen zum Umdenken, Umprogrammieren und Umnutzen von Leerstand“, die vom 30. Juni bis zum 1. Juli im Eiermannbau in Apolda stattfinden wird, will nicht weniger bieten als dies: innovative und überraschende Beispiele für die Finanzierung, den Betrieb, die Gestaltung, aber auch Nutzung leerstehender Gebäude und brachgefallener Standorte in nicht wachsenden Regionen.

Ein Ziel, das aktueller ist denn je, müssen wir doch heute z. B. drängend flüchtende Menschen unterbringen oder bezahlbare Wohnungen für Bedürftige anbieten. Für Projektakteure und fachlich Interessierte versteht sich die Konferenz als Gelegenheit zur Information und Vernetzung. Neben internationalen Projekten und Impulsen wird die Thüringer IBA Prozesse zum Thema LeerGut vorstellen und einen Einblick in das IBA Initiativprojekt Eiermannbau geben. Eine temporäre Ausstellung zeigt darüber hinaus Thüringer LeerGut-Beispiele, Fakten zum Thüringer Leerstand und internationale Referenzprojekte zur Aktivierung leerstehender Standorte abseits der Metropolen. Die Teilnahme an der Konferenz, eine Veranstaltung der IBA Thüringen in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung, ist kostenlos, weitere Informationen und die Anmeldungsformalitäten (Anmeldeschluss ist der 23. Juni!) gibt es online. (kb, 22.6.16).

Leerstand in Mainz

In der aktuellen Flüchtlingsdebatte wird gerne der Eindruck vermittelt: „Das Boot ist voll“, die Städte sind belegt, es ist kein Wohnraum übrig für Flüchtlinge. Anders sieht es aus, klickt man sich z. B. durch den „Leerstandsmelder Mainz“. Eine Fülle von Bauten wird da von engagierten „Stadthumanisten“ auf einer virtuellen Karte vermerkt. Im Datenfensters heißt es da z. B. zum „Allianzhaus“ (Große Bleiche 60): „Leerstand: teilweise; Leer seit: mindestens 3 Jahren; Eigentümer: öffentliche Hand; Abrissgerüchte: ja; Beschreibung: Zur Zeit teilweise zwischengenutzt durch unterschiedliche Projekte“.

Das sandsteinverkleidete Allianzhaus, lange Sitz eben jener Versicherung, in zentraler Lage neben der unübersehbaren Barockkirche St. Peter gehört neuerdings der Mainzer Aufbaugesellschaft. Diese möchte den weitgehend leergezogenen, nachkriegsmodernen Komplex abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Doch bis dahin bemühen sich Kreise wie der Mainzer Verein „Schnittstelle 5. Raum für Stadtentwicklung und urbane Projekte“, der eben jenen Leerstandsmelder betreibt, um eine kulturell-soziale Zwischennutzung: Da gibt es den Kulturclub „Schon Schön“ (dem immer mal wieder die Schließung droht), das „café blumen“ und Diskussionen über eine Unterbringung von Flüchtlingen in den darüberliegenden Wohnungen. Platz gäbe es also im städtischen Boot. Wie war das noch: Kinder und Flüchtlinge zuerst? (kb, 17.9.15)

Leerstand mit Chancen? Das ehemalige Allianzhaus im Zentrum von Mainz (Bild: Ralf Roletschek, GFDL oder CC BY 3.0)