Der Architekt Winfried Sziegoleit ist gestorben

Zu seinen bekanntesten Entwürfen dürfte seine Mitwirkung am Neuen Gewandhaus in Leipzig zählen, doch Winfried Sziegoleit hat in der sächsischen Metropole noch andere prägende Spuren hinterlassen: Geboren 1939 in Insterburg (heute Tschernjachowsk), erlernte er zunächst in Köthen den Beruf des Zimmermanns. Anschließend studierte er Architektur an der TH/TU Dresden, wo er danach arbeitete. 1969 wechselte Sziegoleit nach Leipzig ins Wohnungsbaukombinat Leipzig, um hier zuletzt als freier Architekt tätig zu sein.

In jeweils wechselnden Kollektiven oder Kooperationen wirkte er mit an den Entwürfen für das Rundkino in Dresden (1972), für das Neue Gewandhaus (1981) und den Bowlingtreff (1987) in Leipzig. Sziegoleit wurde 1987 mit dem Architekturpreis des Bezirks Leipzig ausgezeichnet. Nach der Wende plante bzw. sanierte er vorwiegend Wohn- und Geschäftshäuser in der Region Leipzig. Ab 1991 engegierte er sich u. a. in der neuen Architektenkammer Sachsen, der er als Präsident, später als Ehrenpräsident vorstand. Er verstarb am 16. Januar 2021 im Alter von 81 Jahren in Leipzig. (kb, 23.1.21)

Dresden, Rundkino (Bild: historische Postkarte)

Sanierung ante portas

Nach 25 Jahren Leerstand wird das „Gästehaus des Ministerrates und Politbüros der DDR“ in Leipzig nun bis 2025 saniert. Im ostmodernen Gebäudeensemble sollen auf 10.600 Quadratmetern 130 Wohnungen unterschiedlicher Größe entstehen, die Bestandsbauten dafür denkmalgerecht saniert und erweitert werden. Es war quasi die Rettung in letzter Sekunde, denn die Substanz hatte sich zuletzt rapide verschlechtert – mittlerweile sind auch die Fassadenplatten, die auf unserem Bild noch vorhanden sind, abgenommen und keine einzige Scheibe mehr heil. Die Außengestaltung soll ebenso wieder hergestellt werden wie das unter Graffiti verschwundene Relief des Leipziger Malers Bernhard Heisig im Foyer.

Das Gästehaus wurde 1968 durch Walter Ulbricht eingeweiht, geplant hat es der Leipziger Architekt Wolfgang Scheibe. Hier residierten die SED-Größen und ausländische Staatsgäste. 1983 wurde in einem abhörsicheren Bunker unterm Haus der berühmt-berüchtigte Milliardenkredit für die DDR zwischen Erich Honecker, Alexander Schalck-Golodkowski und dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß besprochen. Nach der Wiedervereinigung wurde hier noch bis 1995 das „Hotel am Park“ betrieben, danach verkaufte die Treuhand die Immobilie an eine Restaurant-Kette, die ein Luxushotel einrichten wollte, wozu es unter etlichen Nebengeräuschen nie kam. 2012 übernahm ein Investor das Hotel, 2016 ging das Investorenlotto weiter – nun übernahm die Lewo-Gruppe, die nun die Sanierung tatsächlich in Angriff nimmt. Geht doch! (db, 11.4.20)

Leipzig, Ministerrats-Gästehaus, 2010 (Bild: Martin Geisler, CC BY SA 3.0)

Die Weiße Stadt in der Weißen Kirche

Die Versöhnungskirche in Leipzig-Gohlis gehört zu den bemerkenswertesten sakralen Bauten der Weimarer Zeit. Sie wurde von 1930 bis 1932 nach einem Entwurf von Hans Heinrich Grotjahn im Stil der Bauhausmoderne errichtet. 1928 hatte sich der deutsch-jüdische Architekt Wilhelm (Ze’ev) Haller (1884-1956) mit einem sehr interessanten Entwurf am Architektenwettbewerb beteiligt. Er emigrierte kurz nach der Machtergreifung Hitlers nach Palästina, wo er bald ein eigenes Architekturbüro eröffnete. Bis 1937 schuf er zahlreiche Wohnbauten im Internationalen Stil. 

Die weltweit umfangreichste Ansammlung von 4000 Gebäuden dieser Epoche in Tel Aviv wurde als „White City“ (Weiße Stadt) bekannt und 2003 UNESCO Weltkulturerbe. Nach rund 80 Jahren besteht dringender Bedarf zur umfangreichen Sanierung. Die Kulturstiftung Leipzig widmete dem heute in Deutschland weitgehend vergessenen Haller und der „Weißen Stadt“ im April 2019 ein Kolloquium, eine Wanderausstellung und eine Publikation. Die Wanderausstellung „Weltkulturerbe Tel Aviv, Denkmalpflege in der ‚Weiße Stadt'“ stellt auch zwei Bauten von Wilhelm (Ze’ev) Haller vor und ist i der Leipziger Versöhnungskirche noch bis zum 26. Mai 2019 zu sehen (freitags 13 bis 16 Uhr, samstags 14 bis 16 Uhr und sonntags nach dem Gottesdienst ca. 11.30 bis 16 Uhr). (wf, 11.5.19)

Wilhelm Ze’ev Haller. Modern Architecture, Leipzig/Tel Aviv, deutsch und englisch, Hardcover, 120 Seiten, 21 x 25 cm, 115 Abbildungen, Passage-Verlag, Leipzig 2019, ISBN 978-3-95415-083-0.

Leipzig, Versöhnungskirche (Bild: Wolfram Friedrich)