Schlagwort: Leipzig

PunktHochhausMöbel – PHM 16 (Bild: dein-tischler-leipzig.de)

Viel Stauraum

Das Punkthochhaus PH 16 zählte in der DDR zu einem der höchsten Plattenwohnbautypen. Auch in Leipzig prägte das PH 16 das Stadtbild gleich mehrerer Stadtteile. Inzwischen sind viele dieser markanten Bauten abgerissen oder durch eine Sanierung bis zur Unkenntlichkeit verändert. Vor diesem Hintergrund hat es sich die Leipziger „deinTischler“ – wie wir über einen Hinweis der Plattform ostmodern.org erfuhren, auch „Jeder Quadratmeter Du“ liebt dieses Möbel – der Aufgabe verschrieben, „dieses und anderer Gebäude in Form von Möbelstücken“ zu archivieren.

Das Möbelstück „PunktHochhausMöbel – PHM 16“ eignet sich nach Herstellerangabe für Büro oder Zuhause. Es steht frei im Raum, kann daher über viel ostmodern aussehenden Stauraum hinaus auch als Raumteiler dienen. Hierfür kombiniert „deinTischler“ drei Hochhausschränke zu einer Grundfläche von ca. 150 x 150 cm. Die Maße werden wie folgt angegeben: zwei Stück à 94,3 x 222,5 x 60 cm, ein Stück à 112,7 x 236,7 x 60 cm. Jeder Schrank verfügt über zwei große „Push-to-open“-Türen. Das Innenleben kann den Kundenwünschen individuell angepasst werden. Durch Zahnleisten lassen sich Fachböden, Schubkästen oder Kleiderstangen einsetzen. So praktisch kann Denkmalpflege sein! (kb, 2.10.18)

PunktHochhausMöbel – PHM 16 (Bild: dein-tischler-leipzig.de)

Affe, Kay Bojesen, 1951, Schenkung Hugo Ströh, Kiel, 2016 (Foto: Esther Hoyer)

Made in Denmark

Der Holzaffe von Kay Bojesen, die futuristischen Spiegel-Kantine von Verner Panton, die körpernahen Sitze von Arne Jacobsen – dänische Formgestalter prägten das Gesicht der Moderne der 1950er und 1960er Jahre. Von der Lampe über die Vase bis zum Freischwinger – für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Land im Norden zum Leitbild für stilvollendetes Wohnen.

Die Ausstellung „Made in Denmark“ setzt noch früher an und entfaltet eine kleine Design-Stilgeschichte des 20. Jahrhunderts. Ohne den Skønvirke, den dänischen Jugendstil, sei der spätere Design-Boom nicht vorstellbar. Ebenso verdienen die Formgestaltungen des Art Déco und des Funktionalismus die Aufmerksamkeit des Ausstellungsbesuchers. Ergänzt wird die gezeigte Spannweite um die Schmucksammlung Schwandt aus den eigenen Museumsbeständen. Die Schau ist noch bis zum 7. Oktober 2018 im Leipziger Grassi Museum für Angewandte Kunst zu bewundern. (kb, 24.6.18)

Affe, Kay Bojesen, 1951, Schenkung Hugo Ströh, Kiel, 2016 (Foto: Esther Hoyer)

Sieg des Betonkanu-Teams der HTWK Leipzig (Bild: Philipp Köditz, HTWK Leipzig)

Betonkanufahrn

Synchronschwimmen, Paradetanz und Hundeschauen sind in der Regel heimliche Leidenschaften. Aber diese Sportart ist rundum moderneREGIONAL-tauglich: Betonkanu. Hier geht es um eine ausgewogene Mischung aus Wissenschaft und Wettkampf, aus grauem Kunststein und Glamourfaktor. „Das perfekte Zusammenspiel zwischen Bootsherstellung und Paddeltechnik entscheidet letztlich über den Erfolg“, resümiert Jan Teuchert, Kapitän des Betonkanu-Teams der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig.

Am letzen Maiwochenende siegte das Leipziger Team – mit dem streng akademisch orientierten Namen „Bieraten“ – bei der Regatta in Eindhoven: dreimal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze. Ihr Kanu „Eilenburg“ wiegt 42 Kilo bei einer Länge von fünf Metern und einer Wandstärke von fünf Millimetern. Zum Vergleich: Ein herkömmliches Plastikboot kommt auf 25 bis 30 Kilogramm. Prof. Dr.-Ing. Klaus Holschemacher vom Institut für Betonbau der Fakultät Bauwesen, fachlicher Leiter des Projekts, würdigte, „auf welch hohem Niveau die Studierenden der HTWK Leipzig wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Bereich des Textilbetonbaus umsetzen können.“ Die „Bieraten“ wollen 2019 wieder antreten, diesmal in der offenen Klasse schwimmfähiger Fantasie-Gebilde. Die beiden aktuellen Betonkanus des Teams können zur Langen Nacht der Wissenschaften an der HTWK Leipzig am 22. Juni (Campus Connewitz) besichtigt werden – Teammitglieder stehen dann Rede und Antwort. (kb, 8.6.18)

Sieg des Betonkanu-Teams der HTWK Leipzig (Bild: Philipp Köditz, HTWK Leipzig)

Berlin, Deutsche Oper (Bild: Uli Borgert)

Bewegliche Architekturen

Wie verhalten sich Baukunst, Bewegung, städtischer Raum und der Raum für die darstellenden Künste zueinander? Dieser Frage stellt sich vom 18. bis 20. Januar in Leipzig die Tagung „Bewegliche Architekturen – Architektur und Bewegung“. Nachgezeichnet werden Veränderungen, die im alltäglichen Erleben eines Stadtgefüges, in Entwurfsprozessen und Arbeitsmethoden von Planern entstehen – und wie sie sich auch in der (Selbst-)Darstellung von Aufführungsorten wiederfinden. Für solche Spielstätten der Moderne ist Beweglichkeit zu einem zentralen Gradmesser geworden.

Die Tagung präsentiert aktuelle Theater-Neu- und Umbauprojekte und Entwürfe bzw. Planungen im Zusammenhang mit Entwicklungen seit den 1960er Jahren. Damit will man einen Diskurs über Räume für aktuelle Experimente in den Aufführungskünsten anstoßen. Hierfür kommen Experten aus Architektur, Denkmalpflege, Urbanistik, Design, Szenografie, Kuration, Theater, Tanz- und Kulturwissenschaften zusammen. Die Tagung ist eine Veranstaltung des DFG-Forschungsprojekts „Architektur und Raum für die Aufführungskünste – Entwicklungen seit den 1960er Jahren“ der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig und der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Ebenso wie das Thema ist die Tagung selbst dynamisch angelegt und findet an drei Orten in Leipzig statt. Das Projekt kooperiert hierzu mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst und der Residenz Schauspiel Leipzig. Die Teilnahme ist kostenfrei. (kb, 13.1.18)

Berlin, Deutsche Oper (Bild: Uli Borgert)

Alekos Hofstetter/Florian Göpert, Høyblokka, 2014

Harte normierte Welt?

In diesen Tagen setzen sich gleich zwei Ausstellung künstlerisch mit der modernen Baukunst auseinander: In Dallas an der University of Texas ist bis zum 24. September die Präsentation „a hard place“ zu sehen. Vertreten sind Künstler aus ganz Europa: Alekos Hofstetter, Florian Göpfert, Oisin Byrne, Laure Catugier, Cunningham Architects, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Dirk Krecker, Pádraic E. Moore, ScAle Architects, Christine Weber, Julia Zinnbauer und Matias Bechtold. Alekos Hofstetter (und Florian Göpfert) setzen sich seit 2012 im Werkzyklus „Tannhäuser Tor“ mit moderner Baukunst auseinander.

Christoph Liepach hingegen verfolgt die modernen Zeugen der Stadtentwicklung und ihre Veränderungsprozesse mit der Kamera. Mit seinem Werk ist er aktuell in der Ausstellung „Normierte Welt. Zwischen Anspruch und Aneignung von DDR-Architektur heute“ vertreten. Neben Liepach widmen sich hier ebenso die Fotografen Fabian Heublein und Louis Volkmann (kuratiert von Stefan Kausch „in Kollaboration“ mit den Fotografen) dem Thema „Zwischen Anspruch und Aneignung von DDR-Architektur heute“. Die Ausstellung steht im Rahmen von und mit freundlicher Unterstützung von OSTLichter Kulturfestival und Freiraum Festival 2017. Noch bis zum 17. September ist die Präsentation im Leipziger Pöge-Haus (Hedwigstraße 20) zu bestaunen. (kb, 31.8.17)

Bilder: Alekos Hofstetter/Florian Göpert, Høyblokka, 2014

Leipzig, Alte Propsteikirche (1982) (Bild: Rabanus Flavus, CC0)

Propsteikirche verkauft – und bald abgerissen?

Name und Preis sind zwar noch unbekannt, doch eines hat der Leipziger Propst Gregor Giele gegenüber „KNA/katholisch.de“ bestätigt: Die Alte (sprich nachkriegsmoderne) Propsteikirche in Leipzig ist verkauft. Der kubische Bau in der Emil-Fuchs-Straße entstand 1982 nach Plänen der DDR-Bauakademie. Zuvor war 1954 die „erste“ Propsteikirche (1847) in der Rudolphstraße nach Kriegsbeschädigungen gesprengt worden. Nach der Wiedervereinigung entschied sich die katholische Gemeinde für einen Neubau an der prominenten Kreuzung von Martin-Luther-Ring, Peterssteinweg und Nonnenmühlgasse. Ein vielbeachteter Architektenwettbewerb mündete in den 2015 geweihten Neubau durch das Leipziger Architekturbüro Schulz & Schulz.

Der nunmehr „alte“ Kirchenraum wurde 2015 sowohl profaniert als auch (als besonderes Zeugnis der DDR-Architektur) unter Denkmalschutz gestellt – und damit war ein Konflikt programmiert, wollte die Gemeinde doch das Grundstück veräußern (inklusive Abriss der bestehenden, als „baufällig“ bezeichneten Kirche). Inzwischen sollen die Arbeiten des Berliner Metallbildhauers Achim Kühn, der für Leipzig die liturgischen Orte und Portale gestaltete, eingelagert worden sein. Sie sollen künftig in einem Museum in Borna gezeigt werden. Und der Käufer des ostmodernen Kirchengebäudes habe, so „KNA/katholisch.de“, „bei Bauamt und Denkmalpflege erfolgreich prüfen lassen, dass ein Abriss (…) doch möglich wäre“. (kb, 21.8.17)

Leipzig, Alte Propsteikirche (Bild: Rabanus Flavus, CC0)

Leipzig, Sachsenplatz, 1980 (Bild: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons, "Leipzig, Sachsenplatz -- 1980 -- 14", CC BY SA 4.0)

10 Jahre ohne: „Mein Leipzig lob‘ ich mir …“

Nach zehn Jahren Wartezeit soll es in diesem Herbst endlich soweit sein: Leipzig bekommt sein Wahrzeichen wieder! Das berühmte Goethe-Zitat, entnommen aus einem der Stadt nicht ganz so freundlich gesinnten Faust-Passus („Mein Leipzig lob‘ ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute“, gesprochen von einer dem geistlichen Getränk zugewandten Figur namens „Frosch“ im Auerbacher Keller), prangte seit 1967 über einem ostmodernen Wohnblock am Brühl. Gegenüber dem Hauptbahnhof wurden so, mit einem viersprachigen „Willkommen“, Gäste der Messestadt begrüßt.

2007 hatte man den Plattenbau abgerissen und an seine Stelle ein neues Einkaufszentrum gesetzt. Der denkmalgeschützte Schriftzug wurde zerlegt und ins Depot verbracht – mit ungewisser Zukunft. Jahrelang stritt man vor Gericht über die weitere Montage. Die Betreiber des angrenzenden Hotels hatten eine zu hohe „Lichtintensität“ gefürchtet, so dass die Eigentümer der „Brühl-Arkade“ (mit dem besagten Hotel) gegen den Wiederaufbau der Neonwerbung klagten. Erst vor wenigen Monaten einigten sie die neuen Besitzer mit der Stadt auf einen Kompromiss (die zum Hotel gewandte Seite wird um 22.00 Uhr ausgeschaltet). Nun muss die monumentale Lichtreklame noch restauriert werden, dann können sich die Gäste der Stadt mit einem – tourismusfähig umgedeuteten – Goethezitat gegrüßt fühlen. (kb, 19.8.17)

Leipzig, Sachsenplatz, 1980 (Bild: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons, „Leipzig, Sachsenplatz — 1980 — 14″, CC BY SA 4.0)
Leipzig, Interpelz Blick aus der Katharinenstraße über die Ruinen zum Brühl, nach 1966 (Copyright: Klaus Liebich)

2 x Leipzig

In Leipzig setzte sich in den frühen 1960er Jahre der Traum von einer Stadtlandschaft mit großen Freiräumen durch. Typisiertes und industrielles Bauen waren die Instrumente dieser Stadterneuerung von innen. Die Ausstellung „Plan! Leipzig, Architektur Städtebau 1945-1976“ zeigt zum ersten Mal die wechselvolle Baugeschichte der Messestadt in den drei Jahrzehnten nach Kriegsende bis zur Grundsteinlegung des Wohngebietes Leipzig-Grünau im Sommer 1976. Die Vernissage wird am 16. Mai um 18 Uhr begangen. In Anschluss ist die Ausstellung „Plan! Leipzig Architektur und Städtebau 1945-1976“ bis zum 27. August zu sehen im Haus Böttchergäßchen (Böttchergäßchen 3, 04109 Leipzig).

Parallel bietet das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig (Böttchergäßchen 3, 04109 Leipzig) einen fotografischen Blick in die Stadtgeschichte: Klaus Liebich, von 1963 bis 1992 Dozent für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, widmete sich in den 1960er Jahren der Dokumentation der noch immer vom Krieg gezeichneten Stadt. Das Besondere an seinen Farbfotografien sind die bewusst gewählten Kontraste zwischen den auch nach fast 20 Jahren immer noch sichtbaren Spuren des Kriegs und dem langsam beginnenden Aufbau. Die Ausstellung „Kontraste. Leipziger Stadtansichten“ wird  noch bis zum 30. Juli 2017 gezeigt. (kb, 14.5.17)

Leipzig, Interpelz, Blick aus der Katharinenstraße über die Ruinen zum Brühl, nach 1966 (Copyright: Klaus Liebich)

Marcel Breuer: Chaise longe 313 (1932) im Museum Boijmans van Breuningen (Bild: Sandra Fauconnier, CC BY SA 3.0)

Bauhaus in Sachsen

Was passiert, wenn „Bauhaus“ auf Alltag trifft. Die Veranstaltung „Bauhaus in Sachsen. Experimentelle Gestaltung gestern und heute“ will dieser und anderen Fragen am 15. Mai 2017 in Leipzig (Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, Karl-Tauchnitz-Straße 9-11) nachgehen. Das Kolloquium – ein Gemeinschaftsvorhaben der Sächsischen Akademie der Künste und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen – verspricht hierfür eine ausgewogene Mischung aus Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Mediencollage.

Die Veranstalter haben sich insgesamt drei Themenschwerpunkte vorgenommen. Unter dem Titel „Bauhaus in der Fabrik“ wird betrachtet, die Künste in die serielle Fertigung von Leuchten, Glas oder Möbeln hinein wirkten und wie sich deren Gestaltung dadurch veränderte. Das Schlagwort „Bauhaus im Museum“ will zeigen, wie die Ergebnisse des oft experimentellen Bauhaus-Bewegung heute in den Museen inszeniert und von den Besuchern wahrgenommen werden. Nicht zuletzt fragt der Themenschwerpunkt „Bauhaus in der Stadt“, wo Bauhaus heute zu finden ist, wie sich die Künstler heute mit den Experimentierräumen Architektur und Stadt auseinandersetzen. Zum Abschluss des Kolloquiums zeigt Lutz Dammbeck per Film eine Installation im Bauhaus Dessau aus der Mitte der 1980er Jahre. (kb, 28.4.17)

M. Breuer: Chaise longe 313, 1932, Museum Boijmans (Bild: Sandra Fauconnier, CC BY SA 3.0)

Erichs Lampenladen reloaded?

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Könnte bald wieder aktuell sein: Innenansicht des entkernten Palast der Republik (Bild: elya, CC-BY-SA 3.0)

In Leipzig bahnt sich das ostmoderne Comeback des Jahrzehnts an: der Palast der Republik soll wieder aufgebaut werden! Der Leipziger Architekt Daniel Theiler möchte den monumentalen Bau, der in Berlin dem neuen Stadtschloss weichen musste, in seiner Heimatstadt am Wilhelm-Leuschner-Platz neu aufbauen. Der Zeitplan ist ehrgeizig: bereits 2018 sollen die Bauarbeiten beginnen, 2019 der Palast seine Pforten öffnen – zeitgleich mit der Berliner Stadtschloss.

Leipzig ist das neue Berlin – was Hipster schon lange wissen, soll mit dieser Aktion untermauert werden. Vorbild für die Planung ist nicht der Zustand des Baus zu DDR-Zeiten, sondern das kurze Intermezzo von 2004 bis 2006. In dieser Zeit stand der entkernte Palast verschiedenen Kunst- und Ausstellungsprojekten zur Verfügung und entfachte bundesweit Begeisterung. Der Abriss konnte dennoch nicht verhindert werden, 2008 war der Palast der Republik Geschichte. Die Finanzierung des Leipziger Projekts ist noch offen, wer möchte, kann die Idee aber bereits durch den Kauf von Merchandising-Artikeln unterstützen. (jr, 12.3.17)

Schnatterinchen liest

"Schnatterinchens Puppenecke" (Motiv der Leipziger Ausstellung)
„Schnatterinchens Puppenecke“ (Motiv der Leipziger Ausstellung)

Am 1. Juni 1949 (Internationaler Kindertag) gegründet, wuchs der KinderbuchVerlag Berlin unter Leitung von Günther Schmidt schnell zum zentralen Organ dieses Genres heran. Durch die Zusammenarbeit mit namenhaften Illustratoren gewannen die Veröffentlichungen regelmäßig Preise als „Schönste Bücher der DDR“. Insgesamt prägte der Verlag 44 Editionsformen, vom Taschen- bis zum Maxibuch.

Eine der bekanntesten Reihen waren Illustrierte Geschichten in einem dünnen Hard-Cover-Buchformat von 27 x 18,5 Zentimeter. Die Leipziger Ausstellung „Schnatterinchens Puppenecke“ versteht sich als Streifzug durch die bis 1990 gedruckte Edition. Für durchschnittliche 5,40 M wurden die unterschiedlichsten Kinderwelten reich illustriert. Eine minimalistische Typografiegestaltung und wiederkehrenden Illustrationsstile verliehen den Büchern einen hohen Wiedererkennungswert. Vom 19. März bis zum 1. April 2017 ist die Präsentation im „N‘OSTALGIE-Museum“ Leipzig (Nikolaistraße 28) zu sehen. (kb, 23.2.17)

Begreifbare Baukunst

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Bei einigen Exponaten musste das Grassimuseum nicht lange suchen: Türklinke im Museumsbau von Hans Kollhoff (Bild: Grassimuseum Leipzig)

Im Leipziger Grassimuseum geben sich in den kommenden Monaten Karl Friedrich Schinkel, Walter Gropius, Jasper Morrison und andere bedeutende Baumeister die Klinke in der Hand. Gewürdigt werden sie jedoch nicht in Einzelausstellungen, vielmehr ein verbindendes Detail ihrer Arbeit vergleichend nebeneinander gestellt: der Türdrücker. Als haptischer Berührungspunkt zwischen Mensch und Bauwerk sahen und sehen sich Türdrücker und -griffe stets in der Verantwortung, Architektur im Kleinen zu repräsentieren.

Die Ausstellung „Begreifbare Baukunst. Die Bedeutung von Türgriffen in der Architektur“ versammelt 30 Stelen mit historischen und zeitgenössischen Türgriffen, die in Form, Material und Konzeption deutlich divergieren. Ihre Entstehungszeit reicht vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Die Schau fordert ihre Besucher ausdrücklich zum „Begreifen“ aus. So können sie etwa im Selbstversuch ergründen, ob die Handschmeichler den „Vier Gebote des Greifens“ folgen, welche der Designer Otl Aicher in den 1980ern in Form obligatorischer Must-Haves für Klinken aufstellte: Daumenbremse, Zeigenfingerkuhle, Ballenstütze und Greifvolumen. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Mai 2017 zu sehen. (jr, 26.11.16)