Rudolf Horn zum 85. Geburtstag

„Er ist für Ostdeutschland der Repräsentant für das Systemdesign.“ Zu diesem Urteil kommt Sabine Epple, Kuratorin für Moderne im Leipziger Grassi Museum für Angewandte Kunst gegenüber rp-online. Die Rede ist vom Designer Rudolf Horn (* 1929) Denkt man an moderne Möbel der DDR, führt kein Weg an der MDW-Anbauwand vorbei. Sie wurde 1967 von Rudolf Horn entworfen und steht bis heute in vielen Wohnzimmern. Mit flexiblen Wohn-Systemen wollte er, so Horn rückblickend, „die Menschen vielmehr in die Lage versetzen, dass sie selbst entscheiden können, wie sie leben und wohnen wollen.“

Noch bis zum Jahresende widmet das Leipziger Grassi-Museum für Angewandte Kunst Horn nun zum 85. Geburtstag eine kleine Präsentation. Bis Ende Dezember 2014 sind in der Dauerausstellung so nicht allein Stücke des MDW-Programms und Kunststoff-Garderobenteile zu bewundern. Zusätzlich werden zwei von Horn gestaltete Clubsessel aus den 1960er Jahren gezeigt. Viele seiner Entwürfe hat man auch digital aufbereitet: Mit einem kleinen Film kann der Besucher auf gut 50 Jahre DDR-Design zurückblicken. (tw, 14.8.16)

Rudolf Horn entwarf die legendäre MDW-Anbauwand, hier als Arbeitszimmereinrichtung im DDR-Museum Radebeul  (Bild: Stefan Kühn)

Awaiting – wartende Gebäude

Dass Verfall eine besondere Anziehungskraft hat, weiß jeder Spaziergänger mit lost-places-Ambitionen. Doch entlocken die Fotokünstler des Online-Projekts „Regentaucher“ – Petra Mattheis und Sascha Nau – ihren Objekten einen ganz eigenen Reiz. Für die Bilderserie „Wartende Gebäude“ suchen sie im Umland von Leipzig stillstehende Bauten – zumeist des 20. Jahrhunderts – auf und stellen sie in den Mittelpunkt.  Ungeschönt und menschenleer wird so jedes Haus seinem Betrachter in einem Einzelporträt persönlich vorgestellt.

„Leipzig ist nicht mehr die gleiche Stadt, wie wir sie vor wenigen Jahren erlebt haben.“ Mattheis und Nau frieren den Moment der Veränderung ein: Baulücken, Brachen und sanierungsbedürftige Häuser. Noch warten ihre Fotomotive auf den bevorstehenden Wandel, noch ist offen, ob Grund zur Hoffnung besteht. Seit 2013 haben Nau und Mattheis bereits drei Serien ihrer Aufnahmen online gestellt – und damit große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nicht nur „Die Zeit“ berichtete bereits über die Plattform, auch internationale Online-Projekte schauen neugierig auf die Leipziger Motive. (kb, 9.8.14)

„Wartende Gebäude“ in und um Leipzig (Bild: regentaucher.com, P. Mattheis/S. Nau)

Das Japanische Haus

Aus einem verlorenen Ort im ehemaligen Rotlichtbezirk der japanischen Millionenstadt Yokohama soll ein Ort der Begegnungen werden: Dieser Aufgabe haben sich Architektur-Studierende der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK ) Leipzig gewidmet. Ihr neues „5-Sterne-Hostel“ soll kosmopolitisch, mit der Umgebung verknüpft und dem gemeinschaftlichen Wohnen verpflichtet sein. In einem Masterkurs des vergangenen Wintersemesters entstanden, betreut durch Architekturprofessorin Anthusa Löffler, zehn ganz unterschiedliche Entwürfe. Sie verknüpfen aktuelle Problemlagen mit japanischen Lösungskonzepten der 1970er Jahre. Die Ergebnisse sind noch bis zum 12. Mai in der Ausstellung „Cosmopolis Yokohama“ im Japanischen Haus in Leipzig (Eisenbahnstraße 113b) zu sehen. Unterstützt wurden die Studierenden dabei von der japanischen Architektin und Architekturkritikerin Noriko Minkus.

 

Vom Kapselhotel zum 5-Sterne-Hostel

Das „5 Star Creative Hostel Cosmopolis“, das die Studierenden entworfen haben, versteht sich als „Shared Place“ – als Übernachtungs-, Wirkungs- und Begegnungsstätte für Reisende, Künstler und verschiedene sozialen Gruppen. Alle sollen die Räume gemeinsam nutzen und sich mit dem Stadtviertel vernetzen. Dafür sind Gemeinschaftsküchen, gemeinsame Veranstaltungs- und Arbeitsräume oder auch „Pod-Styled-Schlafsäle“ (durch Vorhänge getrennte Schlaf-Röhren) vorgesehen. Solche Übernachtungstypen machen in Japan gerade Furore und könnten bald auch in Europa umgesetzt werden. Japan, wo Raum knapp und teuer ist, gilt als Experimentierfeld für außergewöhnliche Unterkünfte. Bereits in den frühen 1970er Jahren entstanden dort „Kapselhotels“: Häuser mit funktionalen Mini-Kabinen. Inzwischen sind sie auch auf europäischen Flughafen zu finden, insbesondere in Transitbereichen.

 

Stadtentwicklung durch Kunst-Projekte

Das Projekt soll mitten im Koganecho Stadtviertel von Yokohama starten – einem verrufenen Ort unter einer Eisenbahnbrücke. Bereits 2008 wurde ein jährliches Kunstfestival aus der Taufe gehoben, um die Wiederbelebung dieses Quartiers zu unterstützen. Mittlerweile haben sich dort neue Studios und Galerien, sogar eine internationale Kunst-Triennale etabliert. Vor diesem Hintergrund hat sich Yokohama dem „Creative City Network of Japan“ zur nachhaltigen Stadtentwicklung angeschlossen. In Leipzig schlägt das „Japanische Haus“ e. V. (DJH) seit nunmehr sieben Jahren eine Brücke zwischen internationalem Austausch und lokalen Aktionen. Durch japanische Migranten ins Leben gerufen, hat sich hier ein offener Ort für Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen entwickelt. (kb, 30.4.18)

Titelmotiv: Pod-Style-Hostel-Entwurf (Entwurf: Ruth Unger, Alina Florja, Cherry Blocksom)