Berlin, das Licht und St. Hedwig

Der Streit um die Neugestaltung der Berliner St. Hedwigskathedrale ist bekannt: 1773 eingeweiht, seit 1927 Basilica minor, seit 1930 Bischofskirche, bemühten sich gleich mehrere Architektengrößen der Moderne um den runden Kirchenbau: bis 1932 Clemens Holzmeister, bis 1963 Hans Schwippert, bis 1978 Hans Schädel und Hermann Jünemann. Prägend blieb der Wiederaufbau durch Schwippert, der den Innenraum mit einem programmatisch offenen Zugang zur Unterkirche radikal neu dachte. Wer mehr wissen will zur modernen Geschichte der barocken Kathedarale kann sich am 13. Oktober 2105 um 19:30 Uhr informieren beim Vortrag „Der Umbau der Berliner St. Hedwigskirche zur Kathedrale 1931/32“, den Konstantin Manthey für den Berliner Diözesanverein (Pfarrsaal der Gemeinde Hl. Familie in Berlin–Prenzlauer Berg, Wichertstraße 22) halten wird.

Nicht-Berliner können gleich in der Stadt bleiben, denn vom 16. bis zum 17. Oktober 2015 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche der Studientag „Studientag Licht. Licht – Material und Idee im Kirchenbau der Moderne“ des Marburger Kirchbauinstituts und der Universität der Künste Berlin statt. Beleuchtet (dieses Wortspiel sei erlaubt) werden Themen von der Lichtführung bis zur künstlerischen Glasgestaltung im 20. Jahrhundert. Um gesonderte Anmeldung für beide Veranstaltungen wird bis 8. Oktober gebeten unter kirchbau@staff.uni-marburg.de. (kb, 2.10.15)

St. Hedwig wurde vor dem Zweiten Weltkrieg zur Basilica minor und zur Berliner Kathedrale erhoben (Bild: Bundesarchiv Bild-Nr. 102-06684, CC BY SA 3.0, 1928)

Light and Darkness

Palm Springs, Desert House, R. Neutrag (Bild: Shaqspeare)
Palm Springs, Desert House, R. Neutra, 1947 (Bild: Shaqspeare)

In der Architektur gibt es – sprichwörtlich – immer Licht und Schatten. Im schweizerischen Mendrisio nimmt man dies vom 24. bis 25. Oktober 2014 sehr wörtlich:  Die Tagung „Light and Darkness in 20th Century Architecture“ an der Accademia di architettura Mendrisio (Università della Svizzera italiana) – organisiert von Silvia Berselli, Matthias Brunner und Daniela Mondini im Rahmen des Forschungsprojekts “From Ravenna to Vals. Light and Darkness in Architecture from the Middle Ages to the Present” – fragt, wie die Baukünstler mit der Helligkeit umgingen.

Die Referenten widmen sich dem Thema aus vier Blickrichtungen. Zunächst geht es um Architekten und Bauten, die das Licht und seine Effekte besonders gekonnt umsetzten: von Le Corbusier bis zum katholischen Kirchenbau im Mittleren Westen. Im zweiten Block untersuchen die Referenten, wie Bauten – etwa in der amerikanischen Moderne – dem Licht ausgesetzt und nach dem Licht ausgerichtet wurden. An dritter und vierter Stelle wird der Umgang mit natürlichem bzw. künstlichem Licht – u. a. anhand von Richard Neutras Kaufmann Desert House – ausgelotet. Nicht zuletzt werfen die Teilnehmer einen Blick auf künstliches Licht aus der Perspektive u. a. der Industrie. (kb, 9.10.14)

Otto Piene ist tot

Vor 30 Jahren ließ der Künstler Otto Piene überdimensionale Sterne in den Berliner Himmel aufsteigen. Seine luftigen Gebilde, von ihm „Berlin Superstar“ getauft, waren am 19. Juli 2014 wieder Teil des „Sky Artv Event“. Zwei Tage zuvor verstarb Piene in Berlin unerwartet, nachdem er noch an der Eröffnung seiner zweiteiligen Retrospektive hatte teilnehmen können. Die Schau „More Sky“ ist bis zum 31. August 2014in  der Neuen Nationalgalerie und der Deutsche Bank Kunsthalle zu sehen.

Mit Heinz Mack (* 1931) gründete Piene (* 1928)  1957 die Gruppe ZERO. In der Folge nahm er u. a. an der Documenta und der Biennale teil. Seine Lichtinstallationen sprengten die Gattungsgrenzen, indem sie den öffentlichen Raum einbezogen und erweiterten. Seit den späten 1960er Jahren war Piene vorwiegend in den USA tätig. In Deutschland blieb er vor allem durch seine Inszenierung zu den Münchener Olympischen Spielen 1972 in Erinnerung: ein monumentaler  Regenbogen. (kb, 28.7.14)

Otto Piene, Berlin Superstar, 1984 (Bild: Otto Piene Archiv/ZERO foundation)