Archiflop

Archiflop

Archiflop (Bild: Niggli-Verlag)
Archiflop (Bild: Niggli-Verlag)

Sie starteten als verheißungsvolle Utopien, mobilisierten astronomische Bausummen und begeistern oft nach wenigen Jahren nur noch lost places-Touristen: dies verbindet die Bauten, denen der Bildband „Archiflop“ gewidmet ist. Der Architekturführer versammelt entsprechende Planungen des 20. Jahrhunderts rund um den Globus, von chinesischen Geisterstädten über nie in Betrieb genommene belgische Metrostrecken bis zu verfallenden Freizeitparks in den USA. Der Band porträtiert sie in Bild und Text, zeichnet ihre Baugeschichte nach und beleuchtet den Weg zum Archiflop.

Im Fokus stehen dabei augenscheinlich so unterschiedliche Planungen wie die Cinderella City Mall in Colorado und das Buzlužda-Denkmal der Kommunistischen Partei Bulgariens. Das 1968 eröffnete Mega-Einkaufsparadies versuchte seine Kunden mit einem märchenhaften Springbrunnen mit 11 Meter hoher Fontäne zu beeindrucken, während das futuristische, an ein Ufo erinnernde Denkmal 1981 mit sozialistischem Pomp auf den Gipfeln des Balkangebirges eingeweiht wurde. Den Projekten gemeinsam ist ihre kurzfristige Popularität: Nach 1989 wurde das nun politisch unliebsame Monument der Staatspartei dem Verfall überlassen, die Märchenmall verödete und wurde Ende der 1990er Jahre abgerissen. (jr, 14.4.17)

Biamonti, Alesandro, Archiflop. A Guide to the Most Spectacular Failures in the History of Modern and Contemporary Architecture. Niggli Verlag, Salenstein 2016, Englisch, 192 Seiten, 95 Abbildungen, 21 x 25 cm, Hardcover ISBN 978-3-7212-0960-0.

Stillgelegt

Stillgelegt

Stillgelegt_Bild_DuMont-VerlagDer DuMont-Bildband „Stillgelegt – 100 verlassene Orte in Deutschland und Europa“ zeigt die ganze Bandbreite der „Lost Places“: ungenutzte Werkhallen und Förderschächte, verfallene Heilanstalten, Kultur-  und Sportstätten, vor sich hin rottende Kriegsdenkmäler, Bunker und Kasernen, die zumeist in den letzten 100 Jahren entstanden. Die Fotografien von Thomas Kemnitz, Robert Conrad und Michael Täger dokumentieren das Schicksal dieser Orte und Gebäude, die aus unterschiedlichen Gründen verlassen und dem Verfall preisgegeben wurden – weil sich politische Konstellationen verändert haben, bestimmte Industriezweige aufgegeben wurden, Orte ihre Bedeutung verloren haben.

Die 100 Orte werden nicht chronologisch, sondern nach ihrer ursprünglichen Nutzung, auf fünf Kapitel verteilt, vorgestellt. Am Ende der Kapitel werden in kurzenTexten die wichtigsten Fragen zu den Objekten beantwortet: Wann und von wem wurden sie gebaut? Für welche Nutzung? Wieso wurden sie verlassen? Wie ist der Zustand heute? Aus Deutschland sind u. a. mit dabei das Kernkraftwerk Rheinsberg, die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Lübeck und das Chemiewerk Kapen in Wörlitz. (kb, 2.9.16)

Kemnitz, Thomas/Conrad, Robert/Täger, Michael, Stillgelegt – 100 verlassene Orte in Deutschland und Europa, DuMont-Verlag, 2015, 224 Seiten, 22,8 cm x 27,5 cm, ISBN 9783770188888.

Endmoräne 25

Endmoräne 25

Cottbus, Kunstmuseum Diesekraftwerk (Bild: HeCaBre, CC BY SA 3.0 de)
Einer der Ausstellungsorte: das Kunstmuseum Dieselkraftwerk in Cottbus (Bild: HeCaBre, CC BY SA 3.0 de)

Seit 1991 bespielt die Künstlergruppe „Endmoräne“ verlassene Orte mit raum- und themenbezogenen Arbeiten und lädt dazu jährlich in- und ausländische Künstler zur gemeinsamen Sommerwerkstatt ein. In alten Kirchen, Schlössern, Ställen, Kasernen oder Bahnhöfen hat der Verein, der sich nach dem Fachbegriff für eiszeitliche Ablagerungen benannt hat, schon „residiert“. Nun begeht das Projekt sein 25-jähriges Jubiläum mit der Ausstellung „Endmoräne 25 … und die wunderliche Welt dreht sich weiter“.

Nach einem Vierteljahrhundert Projektgeschichte fiel zum Vereinsgeburtstag die Wahl auf Cottbus. Der Braunkohleabbau hat die Umgebung erschüttert, bewegt und einschneidend verändert: Cottbus ist reich an Industrievergangenheit – von der Kohle bis zur Textilproduktion. Ausstellungsort ist das ehemalige Museum der Natur und Umwelt, eine ehemalige Wollgarnspinnerei (1928), samt Retrospektive „25 Jahre ENDMORÄNE“ im dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk (1928) Cottbus (Uferstraße/Am Amtsteich 15, 03046 Cottbus). Zur Ausstellung erscheint ein Jubiläumskatalog sowie die DVD „25 Jahre ENDMORÄNE“. Nach der Vernissage am 25. Juni 2016 um 15.00 Uhr ist die Präsentation bis zum 7. August 2016 geöffnet. (kb, 18.6.16)