Darf ich dir meine Sammlung zeigen?

Als der Kölner Kaufmann Wilhelm Hack in den 1970er Jahren seine Kunstsammlung der Stadt Ludwigshafen schenkte, geschah dies nicht aus einer besonderen Verbindung zu diesem Flecken Erde. Die Kunst sollte in einer kunstvollen Hülle untergebracht werden. Ludwigshafen bekam den Zuschlag, weil man dem Sammler Neubauwillen signalisierte. In der Folge entstand dort Ausstellungsraum für die profilierteste Zusammenstellung moderner- und zeitgenössischer Kunst in Rheinland-Pfalz. Vor 40 Jahren konnte das Wilhelm Hack Museum seine Pforten öffnen. 

Das wird nun mit der Schau „Darf ich dir meine Sammlung zeigen? 40 Jahre – Meisterwerke zu Gast“ zelebriert. Vom 14. September 2019 bis zum 26. Januar 2020 wird der ganze Museumsbau (Berliner Straße 23, 67059 Ludwigshafen) mit den wichtigsten Werken der Sammlung und allerhand hochkarätigen Leihgaben bespielt sein. Auch für Architekturfreunde ein lohnenswerter Ausflug: Der Bau ist durch ein 55 Meter breites Wandmosaik von Joan Miró selbst zum Träger der Kunst geworden. Die Stuttgarter Architekten Hagstotz und Kraft achteten damals, ganz im Geiste der Zeit, darauf dem Bau einen offenen, antihierarchischen Charakter zu verleihen. Moderne und Abstraktion inside out. (jm, 5.9.19)

Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum (Bild: historische Postkarte)

Ludwigshafen: RathausCenter gefährdet

Nach dem BASF-Hochhaus und der „Tortenschachtel“ steht ein weiterer stadtbildprägender Bau in Ludwigshafen vor dem Abriss – und scheint den nächsten mit hinabzuziehen: Die Hochstraße Nord soll in Bälde fallen. Nun beabsichtigt die Stadt zudem, das RathausCenter, das eng mit der Stadtautobahn verbunden ist, zu kaufen und zu schließen. Vorrangig, da die Sicherheit im Einkaufszentrum während der Abrissarbeiten nicht mehr wirklich gegeben ist. Ingesamt aber droht dem Komplex aus Rathausturm und Shoppingcenter umso schneller ein etwaiger Abriss, wenn die Immobilie ganz in städtischer Hand ist. Das Center sei baulich, technisch und energetisch ähnlich sanierungsbedürftig wie der Verwaltungsturm. Die Stadtverwaltung lasse „derzeit prüfen, inwieweit und mit welchem Aufwand eine Sanierung überhaupt möglich ist“, berichtet  ludwigshafen24.de.

Das RathausCenter, in dessen Mitte das 72 Meter hohe Rathaus steht, das durch ein Einkaufszentrum umringt wird, wurde 1979 nach Plänen des Bonner Architekten Ernst van Dorp fertiggestellt. Sein Diplom machte van Dorp, der unter anderem auch für die Deutsche Botschaft in Brasilien verantwortlich zeichnet, 1950 in Karlsruhe bei Egon Eiermann. Der kolportierte Kaufpreis des Einkaufszentrums – das Rathaus selbst ist in Besitz der Stadt – soll bei 43 Millionen Euro liegen. Im Zuge des Hochstraßen-Abbruchs werden der Nordteil des Centers samt Parkdeck ohnehin fallen. (db, 29.11.18)

Ludwigshafen, RathausCenter (Bild: Rudolf Stricker, gemeinfrei, 2007)

Der heiße Frieden in Ludwigshafen

Ab dem 8. September läuft in Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg die Biennale für aktuelle Fotografie. Hier bietet sich hier auch ein spannender Blick auf die Nachkriegsmoderne Ludwigshafens: „Der heiße Frieden“ hat Architekturfotograf Arne Schmitt sein Projekt genannt, das im Rahmen der integrierten Ausstellung „Global Players“ zu sehen ist. „Der heiße Frieden“ hieß ein Imagefilm, den der Chemieriese BASF 1964/65 produzieren ließ, um seine Produkte international zu bewerben. Gut 50 Jahre später blickt Schmitt noch einmal darauf, wie der Konzern seine weltweite Expansion vermarktete. Im Auftrag der Biennale hat er im BASF-Archiv recherchiert und viele alte Fotos reproduziert, ergänzt durch aktuelle Aufnahmen, die er selbst von Ludwigshafener Bauten der 1960er und 1970er gemacht hat.

Zu sehen sind etwa die Hochstraßen, die Trabentenstadt Pfingstweide und das Arbeitsamt. Im Gespräch mit den Veranstaltern sagt Schmitt, er „versuche, (…) die Gebäude so herauszuarbeiten, dass die gestalterische Absicht, der Entstehungskontext und der Reiz von damals wieder spürbar wird. Zugleich soll aber auch ihr gegenwärtiger, oft maroder Zustand sichtbar werden“. Die Fotoserie „Der heiße Frieden“ ist bis 5. November in der Gruppenschau „Global Players“ zu sehen. Darin hinterfragt Kuratorin Kerstin Meincke, wie sich Fotografie, Ökonomie und Migration zusammen denken lassen (Kunstverein Ludwigshafen, Bismarckstraße 44-48, 67059 Ludwigshafen). (db, 8.9.17)

Arbeitsamt Ludwigshafen (Bild Immanuel Giel, CC0)