Ludwigshafen: RathausCenter gefährdet

Nach dem BASF-Hochhaus und der „Tortenschachtel“ steht ein weiterer stadtbildprägender Bau in Ludwigshafen vor dem Abriss – und scheint den nächsten mit hinabzuziehen: Die Hochstraße Nord soll in Bälde fallen. Nun beabsichtigt die Stadt zudem, das RathausCenter, das eng mit der Stadtautobahn verbunden ist, zu kaufen und zu schließen. Vorrangig, da die Sicherheit im Einkaufszentrum während der Abrissarbeiten nicht mehr wirklich gegeben ist. Ingesamt aber droht dem Komplex aus Rathausturm und Shoppingcenter umso schneller ein etwaiger Abriss, wenn die Immobilie ganz in städtischer Hand ist. Das Center sei baulich, technisch und energetisch ähnlich sanierungsbedürftig wie der Verwaltungsturm. Die Stadtverwaltung lasse „derzeit prüfen, inwieweit und mit welchem Aufwand eine Sanierung überhaupt möglich ist“, berichtet  ludwigshafen24.de.

Das RathausCenter, in dessen Mitte das 72 Meter hohe Rathaus steht, das durch ein Einkaufszentrum umringt wird, wurde 1979 nach Plänen des Bonner Architekten Ernst van Dorp fertiggestellt. Sein Diplom machte van Dorp, der unter anderem auch für die Deutsche Botschaft in Brasilien verantwortlich zeichnet, 1950 in Karlsruhe bei Egon Eiermann. Der kolportierte Kaufpreis des Einkaufszentrums – das Rathaus selbst ist in Besitz der Stadt – soll bei 43 Millionen Euro liegen. Im Zuge des Hochstraßen-Abbruchs werden der Nordteil des Centers samt Parkdeck ohnehin fallen. (db, 29.11.18)

Ludwigshafen, RathausCenter (Bild: Rudolf Stricker, gemeinfrei, 2007)

Der heiße Frieden in Ludwigshafen

Ab dem 8. September läuft in Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg die Biennale für aktuelle Fotografie. Hier bietet sich hier auch ein spannender Blick auf die Nachkriegsmoderne Ludwigshafens: „Der heiße Frieden“ hat Architekturfotograf Arne Schmitt sein Projekt genannt, das im Rahmen der integrierten Ausstellung „Global Players“ zu sehen ist. „Der heiße Frieden“ hieß ein Imagefilm, den der Chemieriese BASF 1964/65 produzieren ließ, um seine Produkte international zu bewerben. Gut 50 Jahre später blickt Schmitt noch einmal darauf, wie der Konzern seine weltweite Expansion vermarktete. Im Auftrag der Biennale hat er im BASF-Archiv recherchiert und viele alte Fotos reproduziert, ergänzt durch aktuelle Aufnahmen, die er selbst von Ludwigshafener Bauten der 1960er und 1970er gemacht hat.

Zu sehen sind etwa die Hochstraßen, die Trabentenstadt Pfingstweide und das Arbeitsamt. Im Gespräch mit den Veranstaltern sagt Schmitt, er „versuche, (…) die Gebäude so herauszuarbeiten, dass die gestalterische Absicht, der Entstehungskontext und der Reiz von damals wieder spürbar wird. Zugleich soll aber auch ihr gegenwärtiger, oft maroder Zustand sichtbar werden“. Die Fotoserie „Der heiße Frieden“ ist bis 5. November in der Gruppenschau „Global Players“ zu sehen. Darin hinterfragt Kuratorin Kerstin Meincke, wie sich Fotografie, Ökonomie und Migration zusammen denken lassen (Kunstverein Ludwigshafen, Bismarckstraße 44-48, 67059 Ludwigshafen). (db, 8.9.17)

Arbeitsamt Ludwigshafen (Bild Immanuel Giel, CC0)

Die Tortenschachtel wird abgerissen

Die Tortenschachtel wird abgerissen

Tschüss Tortenschachtel: Der 1960 eröffnete frühere Kaufhof in Ludwigshafen wird abgerissen (Bild: Rudolf Stricker)
Tschüss Tortenschachtel: Der 1960 eröffnete frühere Kaufhof in Ludwigshafen wird abgerissen (Bild: Rudolf Stricker)

Die Stadt Ludwigshafen ist nicht sehr reich an bemerkenswerter Architektur – und man arbeitet nach Kräften daran, dass das so bleibt: Vor Jahresfrist fiel das BASF-Hochhaus den Baggern zum Opfer, nun wird die „Tortenschachtel“ abgerissen. Seinen Spitznamen hatte der im Oktober 1960 eröffnete, ungewöhnliche Rundbau schnell weg. Hier residierte der Kaufhof, zudem nahm das Gebäude die Bus- und Straßenbahnhaltestelle „Berliner Platz“ auf – einer der zentralen Knotenpunkte des öffentlichen Nahverkehrs der Industriemetropole.

Zuletzt stand die Tortenschachtel leer, 2014 kaufte die Timon Gruppe die Immobilie – und verwarf schnell die Überlegungen, das innerstädtische Wahrzeichen zu erhalten. Stattdessen folgt 2016 ein Hochaus-Neubau des Düsseldorfer Büros Rohde Kellermann Wawrowsky. Der 2010 aufgegebene Kaufhof wurde nach Plänen von Hermann Wunderlich (1899-1981) errichtet, der von 1947 bis 1966 Leiter der Technischen Abteilung des Konzerns war. Der Architekt und Hochschullehrer zählt in Deutschland zu den Vorreitern der gebauten „Corporate Identity“: Die unter seiner Ägide errichteten Kaufhof-Filialen hatten dereinst bundesweit die charakteristisch unterteilte grün-transparente Glasfassade. Die wenigsten haben bis heute überlebt, nun fällt einer ihrer markantesten Vertreter (db, 15.8.15).