Ehre fürs Terrassenhaus

An den Bochumer Terrassenbauten Girondelle 84-90 hat sich moderneREGIONAL schon vor drei Jahren erfreut. Zu jener Zeit fristete das 1966-71 errichte Wohn-Experimentalgebäude noch ein eher trauriges Dasein. Seit 2019 steht es nun unter Denkmalschutz, die neue Eigentümerin möchte es behutsam renovieren. Diese erfreuliche Entwicklung ist für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Grund genug, die Girondelle 84-90 als „Denkmal des Monats November“ auszuzeichnen. „Das Terrassenwohnhaus gehört zu den besonders sprechenden Zeugnissen neuer Wohnbaukonzepte ab den 1960er Jahren“, erklärt LWL-Denkmalpfleger Dr. Knut Stegmann. „Großformen wie diese schienen die Lösung für den erwarteten Mangel an Bauland in den großen Städten zu sein. Gleichzeitig bedienten integrierte Freiflächen die Forderung nach sozialer Gleichheit.“

Das Terrassenhaus ist Teil der in den 1960er Jahren in zwei Bauabschnitten errichteten „Wohnstadt“ der Bochumer Ruhruniversität. Architekt war der Nürnberger Albin Hennig (*1931), der auch für das neue Wohngebiet Langwasser in seiner Heimatstadt mitverantwortlich zeichnete. Vor Ort in Bochum war sein Kollege Dieter Dietrich (1935-88) fürs Terrassenhaus verantwortlich. Die Schweizer Eigentümer haben nun in Abstimmung mit der Denkmalpflege ein Gestaltungshandbuch erstellen lassen, das die Grundlage für die langfristige Instandsetzung des skulpturalen Baus bildet. mR ist gespannt! (db, 15.11.20)

Bochum, Terrassenhaus Girondelle 84-90 (Bild: Claudia Volberg)

Warstein: Mahnmal wiedergefunden

Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben Ende Mai oberhalb des Langenbachtals bei Warstein (Kreis Soest) einen Obelisken wiederentdeckt, der 1945 auf Veranlassung der Sowjetunion aufgestellt wurde. Er mahnte zum Gedenken an 71 Opfer der Kriegsverbrechen der Nationalsozialisten im nahen Langenbachtal. Bereits 1964 wurden die Toten vom Friedhof „Melkeplätzchen“ auf einen Kriegsgefangenenfriedhof des Ersten Weltkriegs bei Meschede umgebettet und das Mahnmal abgeräumt. Forschungen des LWL-Historikers Dr. Marcus Weidner waren nun Anlass für archäologische Untersuchungen; seit 2018 ist man beim LWL verstärkt um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im Sauerland bemüht. „Im Protokoll des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der die Umbettung 1964 realisierte, findet sich dazu ein bemerkenswerter Eintrag. Demnach habe der Volksbund den Obelisken abbrechen müssen, da er unter dem Fundament Leichen vermutete“, sagt Weidner.

Tatsächlich aber seien alle 1945 beerdigten Opfer gefunden worden. Das Fundament, wie die Ausgrabung nun ergab, blieb dabei unversehrt. Dies lasse den Schluss zu, so Weidner, dass der Obelisk bewusst beseitigt worden sei, weil er störte. Doch schon 1993 ließ die Stadt Warstein wenige Meter vom jetzigen Fundort entfernt einen Gedenkstein errichten. Die LWL-Ausgrabungen legten das Betonfundament frei, nördlich von diesem entdeckte man den beschädigten Obelisken in nur geringer Tiefe. Er wurde nun geborgen. (db, 10.6.20)

Warstein, sowjetischer Obelisk 2020 (Bild: LWL-Archäologie für Westfalen/ Manuel Zeiler)

Koepchenwerk reloaded

Na also, geht doch: Noch 2015 hatte die RWE AG den Abriss des Herdecker Koepchenwerks beantragt, da die Unterhaltung des Industriedenkmals nicht zumutbar erschien. Kaum fünf Jahre später hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das 1930 fertiggestellte Pumpspeicherwerk als Denkmal des Monats Februar ausgezeichnet und würdigt damit die Initiative zur Rettung: „Außergewöhnliches Engagement der Öffentlichkeit hat dafür gesorgt, dass dieses herausragende Zeugnis eines Kraftwerkbaus nicht abgerissen und 2016 in die Obhut der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur übergeben wurde“, sagte LWL-Denkmalpflegerin Claudia Reck. Nachdem das Koepchenwerk zunächst gesichert wurde, soll es künftig wieder für Besucher im Rahmen von Führungen und Veranstaltungen zugänglich gemacht werden.

Das Koepchenwerk, benannnt nach seinem Planer Arthur Koepchen, entstand 1927-30 am Hengsteysee durch die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG (RWE) Essen. Damals war es mit einer Leistung von 132 Megawatt das größte Pumpspeicherkraftwerk Europas. Konzipiert war es für die Stromerzeugung bei kurzzeitigen Verbrauchsspitzen durch die Industrie. Während Schwachlastzeiten wurde die überschüssige Energie dazu verwendet, Wasser aus dem Hengsteysee in ein 160 Meter höher gelegenes Oberbecken zu pumpen. Bei starker Auslastung wurde das Wasser über Druckleitungen wieder in den See abgelassen. Die Zentrale hierfür war das sogenannte Schieberhaus mit dem großen, weithin sichtbaren RWE-Schriftzug, der bereits 2018 rekonstruiert wurde und nun wieder leuchtet. (db, 10.3.20)

Koepchenwerk (Bild: Thorsten Bachner, CC BY 3.0)