Im Gespräch: Der Mainzer Ernst-Ludwig-Platz

Lange Zeit wurde der Ernst-Ludwig-Platz vernachlässigt, nun wird er zum Stadtgespräch: Am Donnerstag, den 16. Januar 2020 um 18 Uhr findet im Landesmuseum Mainz eine Gesprächsrunde mit dem Thema „Der Ernst-Ludwig-Platz in Mainz. Ein Freiraum der Nachkriegsmoderne im Spannungsfeld zwischen denkmalpflegerischer Würdigung, städtebaulicher Verdichtung und historisierender Neuschöpfung“ statt. Thomas Metz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz wird mit einem Einführungsvortrag über die Hintergründe des Mainzer Wiederaufbaus informieren und die Entwürfe der beteiligten Planer Egon Hartmann und Ernst May vorstellen. Der Eintritt ist frei.

Den Rahmen für Vortrag und Gesprächsrunde bildet die aktuelle Ausstellung des Landesmuseums über den Architekten Egon Hartmann. Eine sehenswerte Ausstellung, da Hartmann sowohl in der DDR als auch in der BRD wichtige Positionen bekleidete und für die Nachkriegsarchitektur von der Stalinallee in Berlin bis zum Münchener Stadtteil Neuperlach wesentliche Impulse gab. Der breiten Öffentlichkeit blieb er jedoch bisher weitgehend unbekannt. Die Ausstellung ist noch bis zum 1. März 2020 im Landesmuseum Mainz zu sehen. (mk, 15.01.20)

Auf ein Menü in Mainz

Alten Klischees folgend, gehen Studenten ja gerne auf die Barrikaden, wenn historischen Lehrgebäuden der Abriss droht. In Rheinland-Pfalz dagegen geschah 2017 Überraschendes: Da schäumte der Asta der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität regelrecht, als bekannt wurde, dass die 1985 in Betrieb genommene Zentralmensa unter Denkmalschutz gestellt werden soll, und somit kein Baggerzahn mehr drohen kann. Man bezeichnete die Entscheidung anlässlich knapper Kassen als nicht nachvollziehbar und stieß sich insbesondere an der Begründung: Es klinge „reichlich absurd, (…) dass die Zentralmensa unter anderem wegen ihrer offen liegenden Abluftröhren schutzwürdig sei“; es entstehe der Eindruck, dass Gebäude „wahllos“ unter Denkmalschutz gestellt würden. Der (damalige) AStA-Referent für Politische Bildung beendet die Pressemeldung gar mit der Ansage in Richtung Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) „Die Landesdenkmalpflege soll sich mal zusammenreißen!“

Ob die derart höflich belehrte GDKE mit der Entscheidung, den nach Plänen von Hans Auras (1929-2016) errichteten Spätmoderne-Hightech-Bau unter Schutz zu stellen, wirklich so falsch lag, kann man am 8. September beim Tag des offenen Denkmals überprüfen. Um 11 Uhr gibt es eine einstündige Führung mit Leonie Köhren, die die Unterschutzstellung der Zentralmensa für die GDKE begleitet hat. Treffpunkt ist am Haupteingang, Staudingerweg 21, 55128 Mainz. Vielleicht reißen sich ja einige Kritiker mal zusammen, kommen vorbei und hören zu … (db,15.8.19)

Mainz, Zentralmensa (Bild: Nixnubix, CC BY SA 3.0)

Das neue Mainz

In kaum einer kriegszerstörten Stadt wurde in Deutschland nach 1945 so weitreichend um den Wiederaufbau gerungen: Mainz sollte zum Hauptort der französischen Besatzungszone ausgebaut werden. Hier berührten sich damals zahlreiche Linien, kreuzten viele internationale Akteure ihre Klingen: Marcel Lods aus Frankreich, dazu Paul Schmitthenner, Herbert Rimpl, Karl Gruber, Richard Jörg, Otto-Ernst Schweizer, Ernst May und viele andere.

Nun legen Hartmut Frank, Jean-Louis Cohen und Volker Ziegler eine Publikation vor, die mit den geläufigen Narrativen der Architekturgeschichte aufräumt und die gewohnte Zuordnung – Vision oder Tradition, deutsch oder französisch, autoritär oder demokratisch – in Frage stellt. Das Buch „Ein neues Mainz? Kontroversen um die Gestalt der Stadt nach 1945“ wird am 9. Mai 2018 um 18 Uhr im Institut Français in Mainz (Schillerstraße 11) vorgestellt. Moderiert wird die Debatte mit den Herausgebern und mit dem Publikum vom Architekturhistoriker Wolfgang Voigt. Und anschließend darf das Gespräch bei einem guten Tropfen weitergehen … (kb, 6.5.19)

Cohen, Jean-Louis/Frank, Hartmut/Ziegler, Volker, (Hg.), Ein neues Mainz. Kontroversen um die Gestalt der Stadt nach 1945 (Phoenix 4), De Gruyter,Berlin u. a . 2019, ISBN978-3-11-041480-6.

Titelmotiv: Detail des Buchcovers