50 Jahre ICOMOS

50 Jahre ICOMOS

Rathaus, Mainz (Bild: MzMzMz, CC BY-SA 3.0 oder GFDL)
Gründungs- und Tagungsort für ICOMOS – und selbst das beste Beispiel für das Tagungsthema: das Mainzer Rathaus (Arne Jacobsen/Otto Weitling, 1970-74) (Bild: MzMzMz, CC BY-SA 3.0 oder GFDL)

In diesem Jahr feiert der Internationale Denkmalrat ICOMOS sein 50-jähriges Jubiläum. Das (west-)deutsche Nationalkomitee von ICOMOS wurde 1965 in Mainz gegründet.

An seinem Gründungsort nimmt ICOMOS Deutschland gemeinsam mit der Architektenkammer und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz die Halbjahrhundertfeier zum Anlass für einen Rückblick auf die Architektur und den Städtebau der letzten fünfzig Jahre – und für einen Ausblick auf die Zukunft dieses jungen architektonischen und städtebaulichen Erbes. In Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung Baukultur und unterstützt von der Wüstenrot Stiftung, Europa Nostra, DOCOMOMO, dem Deutschen Kulturrat und dem Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, gibt es vom 26. bis 28. November 2015 im Mainzer Rathaus eine internationale Fachtagung zur Denkmalwürdigkeit und Denkmalfähigkeit von Zeugnissen der Spätmoderne und der Postmoderne im europäischen Umfeld: „Denkmal – Bau – Kultur. Konservatoren und Architekten im Dialog“. Im Schnittfeld von Baukultur und Denkmalkultur stellen Experten nicht nur in den letzten Jahrzehnten entstandene Denkmalwerte zur Diskussion, sondern auch aktuelle Beispiele dieser neuen Denkmalschicht. Im Rahmen der Tagung werden auch die Ergebnisse eines studentischen Wettbewerbs zu Bauten der 1960er bis 1990er Jahre vorgestellt. (kb, 19.9.15)

Siehe auch den Bericht zur Taung auf moderneREGIONAL: Zweimal Spätmoderne bitte!

Leerstand in Mainz

Leerstand in Mainz

Mainz, Allianzhaus (Bild: Ralf Roletschek, GFDL oder CC BY 3.0)
Leerstand mit Chancen? Das ehemalige Allianzhaus im Zentrum von Mainz (Bild: Ralf Roletschek, GFDL oder CC BY 3.0)

In der aktuellen Flüchtlingsdebatte wird gerne der Eindruck vermittelt: „Das Boot ist voll“, die Städte sind belegt, es ist kein Wohnraum übrig für Flüchtlinge. Anders sieht es aus, klickt man sich z. B. durch den „Leerstandsmelder Mainz“. Eine Fülle von Bauten wird da von engagierten „Stadthumanisten“ auf einer virtuellen Karte vermerkt. Im Datenfensters heißt es da z. B. zum „Allianzhaus“ (Große Bleiche 60): „Leerstand: teilweise; Leer seit: mindestens 3 Jahren; Eigentümer: öffentliche Hand; Abrissgerüchte: ja; Beschreibung: Zur Zeit teilweise zwischengenutzt durch unterschiedliche Projekte“.

Das sandsteinverkleidete Allianzhaus, lange Sitz eben jener Versicherung, in zentraler Lage neben der unübersehbaren Barockkirche St. Peter gehört neuerdings der Mainzer Aufbaugesellschaft. Diese möchte den weitgehend leergezogenen, nachkriegsmodernen Komplex abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Doch bis dahin bemühen sich Kreise wie der Mainzer Verein „Schnittstelle 5. Raum für Stadtentwicklung und urbane Projekte“, der eben jenen Leerstandsmelder betreibt, um eine kulturell-soziale Zwischennutzung: Da gibt es den Kulturclub „Schon Schön“ (dem immer mal wieder die Schließung droht), das „café blumen“ und Diskussionen über eine Unterbringung von Flüchtlingen in den darüberliegenden Wohnungen. Platz gäbe es also im städtischen Boot. Wie war das noch: Kinder und Flüchtlinge zuerst? (kb, 17.9.15)

Muss Ernst Neger weg?

Muss Ernst Neger weg?

Ein Online-Voting frag: "Muss das Logo weg?"(Bild: surveymonkey.com)
Eine studentische Aktion engagiert sich gegen das Neger-Zeichen – und ein Online-Voting fragt: „Muss das Logo weg?“ (Bild: surveymonkey.com)

Auch der Außermainzer dachte beim Stichwort „Ernst Neger“ lange an „Heile heile Gänsje“ oder „Humbta tätärä“, denn der „singende Dachdeckermeister“ (1909-89) bereicherte die Fastnachtssendungen der Nachkriegszeit um einige Ohrwürmer. Doch wird seit kurzem eine andere Diskussion um den Namenszug geführt: Der Handwerksbetrieb „Ernst/Thomas Neger“, nach gut 100 Jahren in Mainz alteingesessen, führt seinen Namen bildlich im Logo: Über einem Dach, das zugleich das Baströckchen der Figur sein könnte, erhebt sich ein stilisierter hammerschwingender „Eingeborener“ – mit Glatze, wulstigen Lippen und übergroßen Ohrlöchern.

Manche Betrachter meinen, darin deutlichen Rassismus zu erkennen. Und ebenso wie der Schokoladenfabrikant Sarotti solle man von solchen Überresten kolonialer Wertvorstellungen lieber Abstand nehmen und das Werbezeichen entfernen. Die Nachkommen Ernst Negers – auch sein Enkel Thomas singt sich erfolgreich durch die Fastnacht – verweisen darauf, dass Ernst Neger selbst das Emblem vor Jahzehnten ohne jeden rassistischen Unterton eingeführt habe. An einen Verzicht sei daher nicht zu denken. Sobald die Mainzer Schilderdebatte abgeklungen sein dürfte, bleibt wieder mehr Zeit für die schönen Seiten des Phänomens Ernst Neger – etwa für eines seiner Liedwerke wie „Ich stemm‘ die Fleischwurst mit einer Hand“. (kb, 15.4.15)