Form Funktion Follower

Noch bis zum 30. März 2020 können Moderinsten in Köln ihre Illusionen über die Architektur des vergangenen Jahrhunderts pflegen: Im LVR-Landeshaus in Köln-Deutz (Kennedy-Ufer 2 50679 Köln) werden die Arbeiten des Bonner Künstlers Tobias Stutz ausgestellt. Unter dem Motto „Form Funktion Follower“ setzt er sich mit den Gestaltungsformen von Bauhaus und International Style auseinander.

1983 in Filderstadt geboren, studierte Stutz nicht nur Malerei, sondern absolvierte auch verschiedene Praktika im Kulissenbau und in der Bühnenbildnerei. Vor diesem Hintergrund inszeniert er nun die strenge Form der Architekturmoderne in dreidimensionalen Aufbauten als Kulisse ihrer selbst. In der Kölner Ausstellung stellt er zudem die Frage nach der Funktion und sammelt Social-Media-Follower – frei nach dem Leitspruch der Architekturikonen: „form follows function“. Kurzentschlossene können sich heute (7. März 2020) um 12 Uhr bei der Matinee im LVR-Landeshaus selbst ein Bild machen. (kb, 7.3.20)

Tobias Stutz, Boulevard of Edward’s dreams, 2019 (Bild: via tobiasstutz.de)

Giselbert Hoke ist tot

Erst 21 Jahre alt, konnte der Maler und Grafiker Giselbert Hoke 1949 den Wettbewerb zur Ausmalung des Klagenfurter Hauptbahnhofs für sich entscheiden. 1927 in Warnsdorf in Nordböhmen geboren, hatte der junge Hoke im Krieg einen Arm verloren. Nach Kriegsende studierte er an der Akademie der bildenden Künste Wien, arbeitete durch ein Stipendium einige Monate in Paris. Einen Schwerpunkt seines Werks bildeten architekturgebundene Arbeiten: Fresken, Glasgestaltungen und Emailarbeiten. Darüber hinaus lehrte Hoke in Salzburg und leitete einige Jahrgänge der Internationalen Sommerakademie Salzburg.

In den frühen 1950er Jahren hatte Hoke im Klagenfurter Hauptbahnhof auf 300 Quadratmetern zwei monumentale Friese im Stil Picassos ausgeführt: im Osten die „Wand der Kläger“, im Westen die „Wand der Ankläger“. Als sein Werk 1956 enthüllt wurde, protestierte die Bevölkerung und löste für Österreich den ersten Kunstskandal der Zweiten Republik aus. Inzwischen denkmalgeschützt, wurde Hokes Wandmalerei in den letzten Jahren – im Zuge der Sanierung des Bahnhofsgebäudes – behutsam gereinigt und restauriert. Am 18. April 2015 verstarb Giselbert Hoke im Alter von 87 Jahren. (kb, 21.4.15)

Hokes Hauptwerk – die monumentale im Klagenfurter Hauptbahnhof – löste 1956 einen handfesten Kunstskandal aus (Bild: Mefusbren69, CC BY SA 3.0)