Mannheimer Kunstverein in neuem Licht

Der Mannheimer Kunstverein wird derzeit saniert. Dabei geht es zunächst um die Elektrik und die Lichttechnik des 1966 eröffneten Gebäudes. Der zweigeschossige Ausstellungsraum besitzt eine kassettierte Lichtdecke, deren Metallkonstruktion und Verkabelung aus Sicherheitsgründen ertüchtigt werden. Die bisher verwendeten Leuchtstoffröhren weichen einer LED-Beleuchtung. Von den energiesparenden LED-Leuchten verspricht man sich neben einer besseren Belichtung auch einen geringeren Wartungsaufwand. Die bauzeitlichen Glasplatten der Lichtdecke werden aber nach einer gründlichen Reinigung wieder eingebaut, heißt es. Äußerlich sind bisher keine Veränderungen vorgesehen. Auf seiner Internetseite und in sozialen Medien wie Instagram informiert der Mannheimer Kunstverein über den Fortschritt der Sanierung.

1966 wurde das nach Plänen des Architekten Theo Pabst errichtete Gebäude eröffnet. Der aufgrund seiner Vergangenheit im NS-Regime nicht unumstrittene Pabst hatte Mitte der 1950er Jahre bereits in Darmstadt mit einem Ausstellungshaus für den dortigen Kunstverein auf sich aufmerksam machen können. In der Folge wurde er auch in Mannheim mit der Planung betraut. Der am Carl-Reiß-Platz gelegene Pavillon bildete gemeinsam mit den benachbarten Hochhäusern von Baukonzernen und Versicherungen den städtebaulichen Auftakt zu einem mondänen Mannheim, das mehr sein wollte als eine Industriemetropole. (mk, 10.6.20)

Mannheim, Kunstverein (Bild: Immanuel Giel, CC BY SA 4.0, 2018)

Mannheim: Abriss nach 90 Jahren?

1930, vor 90 Jahren, wurde St. Peter in Mannheim geweiht. Im Stadtteil Schwetzingerstadt gestaltete der Architekt Hermann Otto Künkel ab 1927 den Bau im expressionistischen Stil. Nach schweren Kriegsschäden erfolgte der Wiederaufbau bis 1952 unter dem Architekten Adam Müller. Im Rahmen dieser Maßnahme wurde der Treppengiebel entfernt, eine Flachdecke eingezogen und die Ausstattung weitestgehend erneuert. Aktuell ist von Abriss die Rede – der Bau sei schlicht zu renovierungsbedürftig. An die Stelle der Kirche könnte ein Caritas-Seniorenzentrum treten. Bislang bewegen sich die Planungen noch auf der Ebene von Konzeptstudien. (16.3.20)

Mannheim, St. Peter (Bild: Immanuel Giel, CC BY SA 3.0, 2010)

Orientierungsverluste

So muss es sich in den 1990er Jahren für ehemalige DDR-Bürger angefühlt haben (und oft immer noch anfühlen): Da verschwindet in einem Streich die bauliche (tief Luft holen) Heimat einer ganzen Generation. Nicht nur einzelne Inkunabeln aus der Silhouette, sondern ganze Häuserzeilen und Infrastrukturen. Mit einem Mal fehlt dem Auge der Halt. Nach längerer Abwesenheit zieht sich der Magen auf der Fahrt nach Hause flau zusammen. Man zählt rasch durch: Hochhausspitzen, Kirchtürme, Fernsehturm, Hochstraße, Brücke. Und im Nahabgleich noch den Kiosk um die Ecke. Irgendwas fehlt immer.

Aerobus zur Buga 75 in Mannheim (Bild: historische Postkarte, 1975, Alfred Ziethen Verlag, Sinthern)

Kommt (fast) alles weg: Mannheim zu Zeiten der Buga 75 (Bild: historische Postkarte, 1975, Alfred Ziethen Verlag, Sinthern)

Jetzt ließe sich kontern: Aus einer Stilepoche, die groß dachte und groß baute, gibt es eben auch viel abzureißen. Und die Moderne war selbst nicht gerade zimperlich mit den vorgefundenen Stadtbildern. Doch die Menge und Geschwindigkeit der aktuellen „Stadtreparaturen“ von Ludwigshafen, Mannheim, Heidelberg, Hamburg (bitte in Gedanken ergänzen) lässt selbst Fortschrittsnostalgiker schnappatmen. Was an die Stelle der Verluste tritt, muss formal nicht schlechter sein, aber es ist allzu oft dichter. Der Stadtraum schließt sich, verliert an Freiflächen und Nischen für karriereferne Bastler, liebevolle Krauterer und sinnsuchende Flaneure.

Potsdam, Terrassenrestaurant "Minsk", Esssaal während der Bauzeit (Bildquelle: Privatarchiv Wladimir Stelmaschonok)

In letzter Sekunde: Aus dem Potsdamer Terrassenrestaurant „Minsk“ wird gerade ein Kunstmuseum (Bildquelle: Esssaal während der Bauzeit, Privatarchiv Wladimir Stelmaschonok)

Da finden wir uns in Tagungen zusammen und wärmen das geschundene Modernistengemüt an den geretteten, gut sanierten oder hoffnungsvoll in Liebe gehüllten Einzelbeispielen. Oder wir trösten uns mit ästhetischen Dokumentationsfotografien (kurz bevor der Bagger kommt). Doch es gibt sie noch, die Überraschungen: Wer hätte ernsthaft noch mit dem Potsdamer Terrassenrestaurant Minsk gerechnet? Oder dass ein offener Brief die Berliner U-Bahn unter Schutz und ins Museum bekommt? Gelegentlich unterliegt der Architekturdarwinismus. (Optimistisch sind wir hier morgen wieder. Versprochen.) (2.3.20)

Karin Berkemann

Titelmotiv: Mülheim-Kärlich, Abriss des Kühlturms (Bild: Lothar Spurzem, CC BY SA 2.0, 2018)