Mannheim: 13 Kirchen sollen gehen

In der vergangenen Woche hat die Mannheimer Stadtsynode einen Blick auf die evangelischen Kirchen der Rheinmetropole geworfen. Weniger Mitglieder, weniger Geld, die Probleme sind nicht neu. In den kommenden zehn Jahren sieht man sich gezwungen, rund 30 Prozent der Ausgaben zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund hat man auch den Baubestand kritisch unter die Lupe genommen. Es wurden drei Kategorien gebildet, um die verbleibenden Finanzen auf einzelne Predigtstätten zu konzentrieren. Die zwölf A-Kirchen sollen auf Dauer bleiben, darunter Standorte wie die historische Konkordienkirche im Zentrum. Für die sieben B-Kirchen – dazu zählt etwa die Friedenskirche in der Schwetzingerstadt – will man mit einer endgültigen Entscheidung abwarten und reparieren, solange sich der bauliche Zustand nicht drastisch verschlechtert. Anders bei den 13 C-Kirchen, die künftig keine Finanzen mehr erhalten sollen. Dies müsse nicht gleich den Abriss bedeuten, wie die kirchlich Verantwortlichen gegenüber der Presse erklärten. Vielmehr stärke man eine beginnende oder suche eine neue alternative Nutzung, vielleicht einen neuen Träger für die Objekte.

Auf der Liste der zur Disposition stehenden Kandidaten stehen prominente Beispiele wie die denkmalgeschützte Lukaskirche im Stadtteil Almenhof. Der brutalistische Bau wurde 1967 vom Architekten Carlfried Muthtschler gestaltet, für die bildhauerischen Details sorgte kein Geringerer als Otto Herbert Hajek. Ebenso sind drei vom renommierten Architekten Helmut Striffler entworfene Bauten – die bereits kulturell umgenutzte Trinitatiskirche, die Gethsemanekirche und die Jonakirche (Kapelle auf der Blumenau) – unter C eingeordnet. Des Weiteren werden in der C-Kategorie gelistet: Hafenkirche, Pauluskirche, Martinskirche, Philippus– oder Unionskirche, Lutherkirche, Paul-Gerhardt-Kirche, Thomaskirche, Epiphaniaskirche, und Jakobuskirche. (kb, 16.5.22)

Mannheim-Almenhof, Lukaskirche (Bild: Frank, CC BY SA 3.0, 2007)

Monnemer Idää

Alle Jahre wieder entzündet sich eine neue Diskussion um die Gestaltung des zentralen städtischen Raumes im Herzen der Stadt Mannheim. Gegenstand dieser Diskussion ist zur Zeit insbesondere das Stadthaus N1 des Mannheimer Architekten Carlfried Mutschler & Partner, welches trotz seines jungen Alters als Abrisskandidat gehandelt wird. Der Multifunktionsbau steht 30 Jahre nach seiner Errichtung mitsamt funktionalen Problemen prominent am Paradeplatz, dem Kreuzungspunkt zentraler Stadtachsen. Ein Umfeld, das sich auch in naher Zukunft durch diverse Neu- und Umbauten von neuer Stadtbibliothek über Sparkasse bis zur Umnutzung des alten Postgebäudes verändern wird. Da lag es nahe, das Stadthaus im Handstreich mit zu entfernen. Mit der Unterschutzstellung 2021 rückt auch die Bedeutung des Entwurfs von Mutschler mehr in den Vordergrund und wirkt sich auf die Strategie des Umgangs mit dem, was da ist, aus.

Die Ausstellung „Zukunft Stadthaus N1“ zeigt nun studentische Arbeiten, die im Laufe der letzten beiden Semester die Zukunftspotentziale dieses Stadtraumes und seiner Architektur erkundet haben. Im Sommersemester 2021 fand an der TU Kaiserslautern ein Entwurfsstudio am Fachgebiet für architektonische Darstellung und Entwerfen von Professor Alexander Bartscher statt. unmitelbar nach dem Aussprechen des Denkmalschutzes startete zum Wintersemester 2021 ein weiteres Studio an der Hochschule München unter der Leitung von Professorin Claudia Schmidt und Professor Björn Martenson zum gleichen Untersuchungsgegenstand. Von der denkmalgerechten Instandsetzung und Ertüchtigung über die interpretative Teilrekonstruktion vergangener Bauten bis hin zur vollständigen Neudefinition des Ortes durch kraftvolle Interventionen – vor allem aber mit neuen Nutzungskonzepten – stellen die studentischen Arbeiten ein breites Spektrum möglicher Planungsansätze wertungsfrei nebeneinander. Die Arbeiten entwickeln ihre Thesen anhand von Bildern und hochgradig spezifischen Architekturzeichnungen. Zu sehen sind sie bis zum 28. April 2022 in den Schaufenstern der ÖVA-Passage auf den Mannheimer Planken. Initiiert wird das Ganze vor Ort vom MOFA – Mannheims Ort für Architektur e.V. (db, 13.3.22)

Mannheim, Paradeplatz mit Stadthaus (Bild: Hubert Berberich, CC BY SA 3.0, 2019)

Stilikone Collini-Center droht Teilabriss

Es scheint beschlossene Sache: das bis 1974 am südlichen Mannheimer Neckarufer errichtete Ensemble aus Büroturm und Galerie des Collini-Centers werden abgerissen. Bei dem Komplex handelt es sich um einen 32-geschossigen Turm mit 515 Wohneinheiten und einen 10-geschossigen Büroturm, die durch eine zweigeschossige „Galerie“ miteinander verbunden werden. Der Mannheimer Architekt Karl Schmucker entwarf ab 1971 das brutalistische Ensemble im Rahmen des städtebaulichen Konzepts der BUGA 1975. Zuvor hatten Stadt und der Bauherr Neue Heimat ab 1964 den Stadtteil „Vogelstang“ errichtet. Der Büroturm wurde von der Stadt Mannheim zur Einrichtung der technischen Ämter und weiterer Einrichtungen von der Neuen Heimat gemietet. 1984 kaufte die Stadt den Büroturm und die Galerie. Der Wohnturm ging in Privateigentum über, sodass bis heute Eigentümer:innen ihre Entscheidungen gemeinsam fällen (wie beispielsweise über die Sanierung des Foyers 2010 oder der Fassade des Wohnturms ab 2019). Die Galerie diente nicht nur als Erschließungskorridor zwischen den beiden hohen Bauten, sondern auch als belebter, quasi öffentlicher Raum: Hier befanden sich das Cinema Quadrat, ein Kiosk, Gastronomie und Geschäfte sowie ein in den 1980ern zu einer Therme umgebautes Schwimmbad. Die Galerie erlaubt eine Reise in die 19070er, die Geschäfte sind gewichen, die gelb-orange-rote Decke, die zeittypische Schriftart, die braunen Klinkerfliesen, die Hydrokulturen und der Kugellampenbaum sind geblieben. Und auch das Raumgefühl des sich zweigeschossig öffnenden Innenraums mit Treppenanlagen und dem indirekten Lichteinfall versprechen ein Eintauchen in die optimistische Zeit der 1970er.

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms mit Galerie und Wohnturm im Hintergrund (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms mit Galerie und Wohnturm im Hintergrund (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

2020 verkaufte die Stadt Mannheim Büroturm und Galerie an den Bauträger Deutsche Wohnwerte GmbH & Co. KG aus Heidelberg. Jetzt steht der für Frühjahr 2022 projektierte Abriss und Neubau bevor. 2019 haben sich 85 Eigentümer:innen in dem Verein “Wir im Collini” zusammengeschlossen und auf eine Sanierung gedrängt. Im November 2021 stellte der Verein einen Eilantrag auf Denkmalschutz, der abschlägig behandelt wurde und initiierte eine Petition, die mehr als 840 Fürsprecher:innen hat. Bis 20. Januar konnten die letzten Einwände erhoben werden. Das Engagement führte zu einer regionalen Resonanz, jedoch leider nicht zu einer umfassenden Würdigung. So wird das die Stadtsilhouette prägende Ensemble in seiner originären Form wohl keinen Bestand haben. Der Büroturm und die Galerie sollen, entschieden durch einen Wettbewerb, vier neuen Bauten mit Mischnutzung (darunter 231 Wohneinheiten) weichen. Ob dieses Vorgehen eine Anbindung an die BUGA 2024 ermöglichen wird, bleibt zu hinterfragen. (Oliver Sukrow/Alexandra Vinzenz, 9.3.22)

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms links mit Galerie zum Wohnturm ganz rechts (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms links mit Galerie zum Wohnturm ganz rechts (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

Titelmotiv: Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Innenaufnahme der Galerie (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)