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Mannheim, Theresienkapelle (Bild: Andreas Praefcke, CC BY SA 4.0, 2015)

Trotz Verkauf: Die Theresienkapelle soll weg

Der Streit schwelt schon einige Jahre: In Mannheim soll das Theresienkrankenhaus erweitert werden. Dem müssten einige Gebäudeteile weichen, darunter auch die 1929 geweihte Theresienkapelle. 2014 hatte die Stadt Mannheim erklärt, dass die bereits 1998 erteilte Abrissgenehmigung weiter gelte, die Kapelle also nicht an ihrem angestammten Ort bleiben könne. Dabei kämpften zu diesem Zeitpunkt gleich zwei Bürgerinitiativen um eine Zukunft für den Gottesdienstraum. Einer der Lösungsvorschläge sieht vor, die Kapelle in den Unteren Luisenpark zu verschieben, wo man sie als Kolumbarium nutzen könne.

Doch einer Versetzung der Kapelle steht die Stadt als Eigentümerin des betreffenden Parkgrundstücks skeptisch gegenüber. Man fürchtet Umweltschäden (einige Bäume müssten fallen) ebenso wie Konkurrenz für die bestehenden kommunalen Friedhöfe (bei einer Urnenwand in der translozierten Kapelle). In diesen Tagen nun wurde bekannt, dass das lange von den Vinzentinerinnen betriebene Theresienkrankenhaus zusammen mit der St.-Hedwig-Klinik an die Trier Brüder verkauft werden soll. Damit will man das Haus in christlicher, in diesem Fall katholischer, Führung halten. Dieser Verkauf soll aber, so die ausdrückliche Aussage, nichts ändern an den Erweiterungs- bzw. Neubauplänen – und damit am Abriss der Theresienkapelle. (kb, 15.6.18)

Mannheim, Theresienkapelle (Bild: Andreas Praefcke, CC BY SA 4.0, 2015)

Kunsthalle Mannheim (Bild © Kunsthalle Mannheim, Lukac Diehl)

Architektur fürs Museum

In Mannheim können sich Kunstliebhaber auf eine anregende Weihnachtszeit freuen. Hier lädt der Neubau der Kunsthalle zum Antrittsbesuch, der am 18. Dezember nach einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren fristgerecht übergeben wird. Die Ausstellungsfläche des Museums hat sich damit vervielfacht, für Kunstausstellungen ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Ein Wermutstropfen ist der damit verbundene Abriss des sog. Mitzlaff-Baus. Das Schicksal des 1983 als Erweiterung der Kunsthalle eröffneten Bauwerks wurde 2012 besiegelt: In der Frage Sanierung oder Neubau entschied man sich damals für die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs, aus dem der Entwurf für das nun fertiggestellte Museum als Sieger hervorging.

Die Arbeit des Büros Gerkan, Marg und Partner (gmp) orientiert sich stark an den örtlichen Gegebenheiten. So greift sie Mannheims Spezifikum als „Quadratestadt“ auf, die in der Anlage der historischen Altstadt begründet liegt. Als „Stadt in der Stadt“ setzt sich der Bau aus verschienden Häusern zusammen, die durch Brücken, Terrassen und Galerien miteinander verbunden sind. Die Orientierung soll dabei ähnlich logisch erfolgen wie beim  planerischen Vorbild Mannheim. Durch die großzügigen Fensterflächen ist die Stadt den Besuchern außerdem permanent präsent. (jr, 17.12.17)

Mannheim, Neubau Kunsthalle (Bild: © Kunsthalle Mannheim, Lukac Diehl)

Mannheim, Nationaltheater, 2005 (Bild: Andreas Praefcke, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Mannheim: Sanieren oder neu bauen?

Gut, man hätte einen der großen Namen haben können: Ludwig Mies van der Rohe, Rudolf Schwarz und Hans Scharoun nahmen am Wettbewerb um den Mannheimer Theaterneubau teil. Unter dem Vorsitz von Hans Schwippert bat das Preisgericht Mies van der Rohe und Schwarz, ihre Vorschläge zu überarbeiten. Als diese ablehnten, ging der Auftrag an Gerhard Weber. Nach seinen Plänen wurde das Nationaltheater bis 1957 am Goetheplatz umgesetzt. Der markante Bau zeigt seine Schauseite nach Süden als langgestreckten Riegel, während die untergeordnete Westfassade tempelartig ausfiel. Zwei kubische Dachaufbauten markieren die damaligen Funktionen: Oper und Schauspiel (das Jugendtheater kam später hinzu) mit einem gemeinsamen Foyer.

Nun steht die Sanierung an, die – wie schon in anderen Städten zuvor – die Neubaudiskussion nach sich zieht. Die 185 Millionen Euro erwarteten Kosten seien zu hoch, dann könne man doch gleich etwas technisch und ästhetisch Moderneres ins Auge fassen. Andere sehen im nachkriegsmodernen Theater ein funktional gekonntes Zeugnis demokratischer Baukultur. Und ein Neubau werde auf 330 Millionen Euro geschätzt … Das zum Theaterkomplex gehörige Werkhaus der Nachkriegszeit wurde 2008 bereits durch einen Neubau ersetzt. Ob sich die Debatte um ein neues Theater als Sommerlochfüllung entpuppt oder länger andauern wird, bleibt abzuwarten. (kb, 21.8.17)

Mannheim, Nationaltheater, Westseite (Bild: Andreas Praefcke, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Trinitatiskirche wird „EinTanzHaus“

In wenigen Wochen ist es soweit: Die neue Nutzung der Mannheimer Trintiatiskirche startet in ihre dreimonatige Testphase. Der Weg zu dieser Lösung war ein langer. 1959 hatte man den moderne Betonbau nach Entwürfen von Helmut Striffler im Stadtzentrum eingeweiht. Die farbigen Betonglasfenstern des Künstler Emil Kiess, die fast die gesamte Wandfläche einnehmen, prägen das Innere bis heute. Doch 2005 wurde der Gottesdienstraum stufenweise geschlossen und an den Gesamtkirchenverband abgegeben. Erste Überlegungen scheiterten, hier einen Ballett-Proberaums des örtlichen Nationaltheaters einzurichten. Striffler kämpfte bis zu seinem Tod im Jahr 2015 öffentlichkeitswirksam für den Erhalt der Kirche – möglichst in ihrer angestammten Nutzung.

2015 lobte man einen Ideenwettbewerb zur Nachnutzung aus, 2016 entschied die Jury aus 28 Konzepten zugunsten des „EinTanzHauses“. Die Initiative, die mindestens drei Jahre auch öffentliche Fördermittel erhalten soll, versteht sich als kulturelle Plattform: Tanzraum und -schule, Aufführungs- und Begegnungsstätte im multikulturellen Quartier. Nach den Plänen des Büros „Eben Architektur“ sollen der Altarraum mit Kanzel und Taufbecken  – reversibel – überbaut, die von Striffler entworfenen Bänke zur Zuschauertribüne gruppiert und die Bühne in der Raummitte aufgeschlagen werden. Ab dem 30. September geht es los mit Aufführungen vom „La_Trottier Dance Collective“ und Kursen von Yoga bis Breakdance. (kb, 31.7.17)

Mannheim, Trinitatiskirche, Simulation der Umnutzung für Tanzzwecke (Bild: Eben Architektur Frankfurt am Main/Mannheim)

Manöver um die Multihalle

Mannheim, Multihalle (Bild: Immanuel Giel, PD)
Fachleute ringen um die Multihalle (Bild: Immanuel Giel, PD)

Wie schwer sich ein Luftschloss festbinden lässt, mussten an diesem Wochenende die Experten in der Multihalle feststellen. Sie trafen sich zum internen Workshop, dessen Ergebnisse öffentlich vorgestellt wurden. Die 1975 errichtete Halle gilt als eines der frühen Meisterwerke von Frei Otto. Doch eine Sanierung ist inzwischen unaufschiebbar …

2011 wurde das Baudenkmal für Besucherverkehr geschlossen, 2016 dachte der Gemeinderat laut über Abriss nach. Vor Kurzem gründeten die Stadt und die Architektenkammer Baden-Württemberg „Multihalle e. V.“, um Spenden zum Bauerhalt zu sammeln und eben jenen Expertenworkshop auszurichten. Dieser offerierte für den – zunächst temporär zur Bundesgartenschau geplanten – „fliegenden Bau“ keine Generallösung. Diskutiert wurde z. B. eine Einbindung in die 2023 nach Mannheim kommende BuGa. Man solle nicht dämmen, lieber schrittweise sanieren, mit kleineren Veranstaltungen experimentieren und, so Prof. Volkmar Bleicher (TH Stuttgart), „künftige Nutzungen dem Raumklima anpassen, nicht umgekehrt.“ Der Architekturkritiker Falk Jäger taxierte auf „monumentum“ die Zukunftschancen des einstigen „Wunders von Mannheim“: „Erst kürzlich wurde die lange Jahre gesperrte Halle entrümpelt und durchgefegt; seitdem ist sie wieder einigermaßen vorzeigbar und für Inspektionen zugänglich. Der Gemeinderatsbeschluss [mit der „Option“ Abriss] steht zwar noch, aber die Hoffnung auf das zweite Wunder ist nicht unbegründet.“ (kb, 7.4.17)