“Eventuell für Jahrhunderte gebaut”

Für die am nördlichen Rand des Ruhrgebiets gelegene Stadt Marl wurden kleinere Bergarbeiterdörfer und-siedlungen zusammengelegt. Die Bevölkerungsprognosen prophezeiten, dass sich hier eine Großstadt entwickeln sollte. So errichtete man in Marl in den 1960er- und 1970er-Jahren ein modernes Zentrum mit Rathaus, Wohnhochhäusern und Einkaufszentrum. Nach den Zechenschließungen kämpft die schrumpfende Stadt heute mit Arbeitslosigkeit, Leerstand und sozialen Problemen.

Das Rathaus Marl (van den Broek und Bakema 1957, 1960-67) steht als stellvertretend für eine Vielzahl öffentlicher Bauten, die im Geiste der Nachkriegsmoderne errichtet wurden. Heute drängt die Frage, wie schützenswerte Gebäude dieser Epoche erhalten werden können. Für manche stehen sie für überwundene politische wie gesellschaftliche Zeiten, für manche sind sie als radikaler Ausdruck architektonischer Utopien schützenswert. Genau 50 Jahre nach Fertigstellung des Rathauses – und begleitend zu den Skulptur Projekten Münster 2017– soll das von Alexandra Apfelbaum herausgegebene Buch “Eventuell für Jahrhunderte gebaut” zu diesem Diskurs beitragen: Fachbeiträge und Fotografien des Gebäudes mischen sich mit historischem Bildmaterial und Textfragmenten Das Buch ist bewusst als Materialsammlung angelegt, die dem Leser unterschiedliche Sichtweisen aufzeigen und zur weiteren Diskussion anregen soll. (kb, 10.5.17)

Apfelbaum, Alexandra (Hg.), “Eventuell für Jahrhunderte gebaut”. Das Rathaus Marl. Ein Essay in Bildern, Verlag Kettler, Dortmund 2017, 192 Seiten, 19 x 26 cm, ISBN 978-3-86206-656-8.

Marl, Rathaus, Treppe am Sitzungstrakt (Bild: Moritz Kappen)

Big Heritage?

Big Heritage?

Big_Heritage_Bild_WDWMMit “Big Heritage?” stellt der Forschungsverbund “Welche Denkmale welcher Moderne?” an den beiden Polen der Republik, in Halle-Neustadt und in Marl, eine Ausstellung vor, die anhand ausgewählter deutscher und internationaler Beispiele die Denkmal-Debatte zu nachkriegsmodernen Großwohnsiedlungen, Einkaufszentren und Campus-Universitäten beleuchtet. Dabei geht es den Austellungsmachern weniger um die Alternative “Erhalt oder Abriss”. Vielmehr soll sich die Gesellschaft der Frage stellen, ob und wie sie an das utopische Versprechen der Moderne über die Architektur hinaus anknüpfen will.

Die Ausstellung ist in Halle-Neustadt (Neustädter Passage 13, 06122 Halle/Saale) vom 12. September bis zum 3. Oktober 2016 zu sehen, die Vernissage wird am 11. September 2016 um 17 Uhr gefeiert. Am 14. September 2016 gib es um 15 Uhr die Projektpräsentation “Wie weiter in Halle-Neustadt”. Ergänzend sind für den 23. September ab 20 Uhr eine Lange Filmnacht und am 24. September  die Veranstaltung “Marl meets HaNeu. Initiativen aus Marl (Westfalen) zu Gast in Halle-Neustadt” vorgesehen. In Marl (Rathausgalerie, Creiler Platz 1, 45768 Marl; Marler Stern, 1. OG, Bergstraße 228, 45768 Marl) ist die Ausstellung vom 11. November bis zum 4. Dezember 2016 zu sehen. Zum Begleitprogramm zählen die Vernissage am 10. November um 17 Uhr, am 26. November die Veranstaltung “HaNeu meets Marl. Die Geschichtswerkstatt Halle-Neustadt zu Gast in Marl”, eine Lange Filmnacht am 26. November 2016 um sowie am 3. Dezember 2016 die Projektpräsentation “Wie weiter in Marl”. (kb, 10.8.16)

1960+

1960+

Marl, Rathaus (Bild: Daniel Ullrich (Threedots), GFDL, CC BY SA 3.0 oder CC BY SA 2.0)
Eine Reise wert: das nachkriegsmoderne Marl (Bild: Daniel Ullrich (Threedots), GFDL, CC BY SA 3.0 oder CC BY SA 2.0)

Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung, die von LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen am 19. und 20. Mai in Marl (Scharounschule, Westfalenstraße 68a, Marl) ausgerichtet wird, steht das Thema “Denkmalpflege und die Moderne 1960”.  Damit liegt der Schwerpunkt auf der Architektur der 1960er- und 1970er-Jahre, die als bauliches Erbe einer abgeschlossene Epoche mittlerweile ins Blickfeld der Denkmalpflege gerückt ist. Denn neue Stadtzentren, Wohnsiedlungen, Verwaltungsgebäude, Industrieanlagen, Kultur- und Bildungsbauten stehen heute als Zeugnisse einer Zeit des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Auf- und Umbruchs.

Zu dieser Auseinandersetzung möchte dieser 7. Westfälische Tag für Denkmalpflege einen Beitrag leisten. Die Veranstaltung wird am 19. Mai mit Grußworten, Einführungsvorträgen und einem Abendempfang in der Scharounschule Marl eröffnet. Am 20. Mai folgen vertiefende Einheiten zum Thema: die Vorstellung der Architektur dieser Epoche nach Baugattungen und in Einzelbeispielen sowie abschließend Exkursionen zum Thema. Die Tagung am 20. Mai 2016 wird von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen als Fortbildung für Mitglieder der AKNW in den Fachrichtungen Architektur, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Innenarchitektur mit vier Unterrichtsstunden anerkannt. Eine Anmeldung wird erbeten unter: www.lwl.org/wtd. (kb, 22.4.16)