Das neueste Buch zum Neuen Frankfurt

„Der Internationale Stil des Neuen Frankfurt. Zum transnationalen Kulturtransfer in der Architektur-, Stadtplanungs- und Designgeschichte 1925-1960“ – oder etwas kürzer: Das Neue Frankfurt ist nicht dasselbe wie das Bauhaus. Der Historiker C. Julius Reinsberg hat in seiner 2017 mit dem Bethmann-Studienpreis ausgezeichneten Promotion herausgearbeitet, wie sich um Baukünstler wie Ernst May, Martin Elsaesser, Ferdinand Kramer und Margarete Schütte-Lihotzky eine einmalige Expertenkultur mit einem umfassenden sozialen Anspruch herausbildete, der bis in die Nachkriegszeit hinein international wirkte.

Reinsberg war bis 2018 Mitherausgeber von moderneREGIONAL, inzwischen arbeitet er als Referent im Kulturdezernat der Stadt Frankfurt. Schon zur Preisverleihung 2017 empfahl Prof. Christoph Cornelißen (Frankfurt am Main), Doktorvater des Ausgezeichneten, das Projekt nicht allein fachlich, sondern auch sprachlich: „Das schnörkellos geschriebene Manuskript liest sich hervorragend.“ Ein Lob, das sich nahtlos auf die jetzt in Buchform beim Societäts-Verlag erscheinene Arbeit übertragen lässt. Bleibt uns nur, dem Autor zu seinem Werk zu gratulieren und es vielen unserer Leser spätestens unter den Weihnachtsbaum zu wünschen. (kb, 5.10.19)

Reinsberg, C. Julius, Das Neue Frankfurt: Exil und Remigration. Eine Großstadtutopie als kulturelles Transfergut, Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 2019, 336 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-95542-352-0.

Titelmotiv: Tansania, Hausgestaltung von Ernst May (Bild: C. Julius Reinsberg)

Martin Elsaesser und die Sonneninsel

Martin Elsaesser zählte in der Weimarer Republik zu den renommiertesten Architekten des Landes. Als Stadtbaudirektor zeichnete er für diverse Bauten des Neuen Frankfurt verantwortlich. Das bekannteste ist sicherlich die Großmarkthalle, heute ein wesentlicher Bestandteil des Hauptsitzes der EZB. 2017 produzierte Elsaessers Enkel Thomas einen Film, der das Leben des Großvaters in den Blick nimmt. Er wird am 16. April im 22.45 auf 3sat ausgestrahlt. Bereits am 6. April ist er im Deutschen Filmmuseum und am 8. Mai  im Kino auf Naxos zu sehen.

Die großen Erfolge des Architekten spielen dabei jedoch nur am Rande eine Rolle. Die Film konzentriert sich vielmehr auf die 1930er Jahre, die Elsaesser nach der „Machtergreifung“ der Nazis weitgehend zur beruflichen Untätigkeit verdammten. In Berlin widmete sich seine Familie indes dem Aufbau einer an Selbstversorgung und Kreislaufwirtschaft orientierten Kleinkolonie, der titelgebenden „Sonneninsel“. Pikantes Detail: Initiator des Bauprojekts war der Landschaftsarchitekt Leberecht Migge, ein früherer Kollege Elsaessers, der eine offene Liaison mit dessen Frau Liesel führte. Der Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser hat die verworrene Familiengeschichte, die sich in zahlreichen Amateuraufnahmen seines Vaters erhalten hat, zu einer persönlichen und äußerst sehenswerten Dokumentation verarbeitet. Wir empfehlen: eischalten! (jr, 31.3.18)

Lino Salini: Martin Elsaesser (Bild: PD)

Klaus Peter Heinrici gestorben

Er ist gebürtiger Frankfurter, allerdings nicht am Main, wohin er 1951 zog, sondern an der Oder. Sein Name taucht selten auf, wenn von den großen Baumeistern der Frankfurter Nachkriegsmoderne die Rede ist. Und viele seiner Entwürfe sind ebenfalls bekannter als ihr Schöpfer: Das 1956 eröffnete Büro von Klaus Peter Heinrici (ab 1978 Heinrici und Geiger) hat unter anderem das Grzimek-Haus im Zoo (1978), den Umbau des Bockenheimer Straßenbahndepots zum Theaterraum (1988) und das postmoderne Wohnhaus Saalgasse 28 realisiert. Auch die neue Kirche der Bethlehem-Gemeinde (1971) im Stadtteil Ginnheim ist ein Werk des Elsaesser-Schülers.

Neben Elsaesser prägte Heinrici in seinen Anfangsjahren ein weiterer Protagonist des „Neuen Frankfurts“: Nach seinem Diplom arbeitete er von 1951 bis 1956 im Hochschulbauamt der Frankfurter Universität unter Ferdinand Kramer. Über 50 Gebäude, die meisten bis heute in Nutzung (das will etwas heißen in Frankfurt/Main!), entwarf Heinrici, seine Gründung HGP Architekten ist noch immer aktiv. Er selbst ging 2000 Ruhestand, zog sich auch aus dem Städtebaubeirat zurück. Bereits am 25. Juni ist der Architekt, der das Bild Frankfurts nachhaltiger prägte, als vielen bewusst ist, gestorben. Klaus Peter Heinrici wurde 89 Jahre alt. (db, 21.7.17)

Frankfurt/Main, Bethlehemkirche (Bild Gaki64, CC BY-SA 3.0)