Berlin: Vergessener Mauerabschnitt entdeckt

Die Berliner Mauer wurde „nie“ beabsichtigt, gebaut, besprüht, durchlöchert und zuletzt – in Scheiben geschnitten – auf neureiche russische Vorgärten verteilt. Was in Berlin blieb, wurde als Zeitzeugnis umso wertvoller. Das dortige Landesdenkmalamt hat nun einen vergessenen Mauerabschnitt wiederentdeckt und gesichert. Am S-Bahnhof Schönholz wurde während der deutsch-deutschen Teilung eine alte Ziegelmauer als Teil der „Berliner Mauer“ verwendet. Zuvor trennte sie Parzellen an der Pankower Buddestraße vom benachbarten Bahnhof ab und sollte (ergänzt, erhöht und mit Sperrelementen versehen) Fluchtversuche verhindern. Damit liegt der 80 Meter lange Mauerabschnitt keine 200 Meter vom Fluchttunnel am Pankower Friedhof, durch den (bis zu seiner Entdeckung) rund 100 DDR-Bürger in den Westen gelangten.

Das Mauerstück dokumentiert, wie in der ersten Zeit des Mauerbaus vorhandene Strukturen für die schnelle Absperrung genutzt wurden. Auch an der Bernauer Straße dienten anfangs die Reste von Mietshäusern der Grenzbefestigung. Diese Bauphase ist sonst an keiner Stelle mehr in Berlin derartig authentisch überliefert. Deshalb wurde nun die Unterschutzstellung dieses besonderen Mauerabschnitts eingeleitet. Dr. Klaus Leder, Senator für Kultur und Europa, erklärte, die Regierungskoalition habe „sich vorgenommen, erhaltene Mauerreste verstärkt zu schützen.“ (kb, 6.2.18)

Eines der 1980 unübersehbaren Mauerabschnitte an der Liesen-/Gartenstraße (Bild: Alexander Buschorn, GFDL oder CC BY SA 3.0) – Bilder vom wiederentdeckten Mauerabschnitt in Pakow gibt es hier

Architecture, Politics, & Identity

Architecture, Politics, & Identity

Architecture, Politics, and Identity (Bild: Pittsburgh Press)
Architecture, Politics, & Identity (Bild: Pittsburgh Press)

Als am 13. August 1961 – buchstäblich bei Nacht und Nebel – eine Mauer durch Berlin gezogen wurde, verändert das nicht nur die Weltpolitik. Durch die Frontstellung der beiden Blöcke wurde auch das ganz alltägliche Leben geprägt – und damit das Bauen im geteilten Berlin. Mit ihrem Buch „Architecture, Politics, and Identity in Divided Berlin“ wirft die Kunsthistorikerin und Filmwissenschaftlerin Emily Pugh einen Blick auf eben diese (städte-)baulichen Zusammenhänge.

Pugh skizziert nicht allein die architektonische Entwicklung vor dem Mauerbau und nach dem Mauerfall. Im Kern konzentriert sie sich auf ausgewählte Werke der Stadtplanung in beiden Teilen Berlins während der Zeit des Kalten Krieges. Als Schlüsselwerke vergleicht sie die Staatsbibliothek in der Potsdamer Straße (Hans Scharoun/Edgar Wisniewski, 1967-78) mit dem Palast der Republik (Heinz Graffunder/Kollektiv der Bauakademie der DDR, 1973-76) im Osten Berlins. Auf dieser Grundlage arbeitet sie heraus: Die staatlichen Strukturen beeinflussten in diesen Jahren entscheidend die Ausbildung politischer, kultureller und sozialer Identitäten. (kb, 27.9.14)

Emily Pugh, Architecture, Politics, & Identity in Divided Berlin, University of Pittsburgh Press, 2014, 456 Seiten, ISBN 9780822963028.

Wir bauen eine Mauer …

„Wir bauen eine Mauer …

"Wir bauen eine Mauer ..." (Bild: Pinakothek der Moderne München)
„Wir bauen eine Mauer …“ (Bild: Pinakothek der Moderne München)

… und reißen sie wieder ein“ – dazu werden Kinder und Jugendliche vom 3. bis zum 5. Oktober 2014 in München eingeladen. Zum Tag der deutschen Einheit richtet das Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek einen Workshop aus. Angeleitet vom Künstler Fabian Vogl, soll in drei Tagen eine Mauer von 15 Metern Länge aus Obst- und Umzugskisten entstehen. Damit wird ganz praktisch erfahrbar, was Kinder und Jugendliche (nicht nur) im Berlin der Nachkriegszeit erlebten: in einer Stadt,doch getrennt von den Verwandten und besten Freunden.

Der Workshop gehört zum Rahmenprogramm der Ausstellung „For good Cause: Architecture of Peace – Divided Cities“, die noch bis zum 19. Oktober in der Neuen Pinakothek der Moderne in München zu sehen ist. Anhand internationaler Beispiele – von Dublin über Mostar bis Kabul – wird aufgezeigt, wie Städte- und Wiederaufbau in kriegerische Konflikte verstrickt ist. Ein Bauprojekt kann alte Streitigkeiten neu entfachen, aber auch erste Schritte zur Aussöhnung ermöglichen. Für den kostenfreien Workshop ist die Teilnehmerzahl begrenzt, Anmeldungen werden entgegengenommen unter 089/23805-198 oder palais@pinakothek.de. (kb, 6.9.14)